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So entstand „der wohl wichtigste Song“ in Jeanette Biedermanns Leben

Jeanette Biedermann verarbeitet auf ihrem neuen Album den Tod ihres Vaters
19. Oktober 2019 - 13:08 Uhr / Tina Männling

Vor zwei Jahren verstarb Jeanette Biedermanns Vater. Für die Sängerin war dies eine schwierige Zeit, die sie auch auf ihrem Album „DNA“ verarbeitet. Besonders das Lied „Deine Geschichten“ handelt von Jeanettes Verlust. Der Weg zum Song war allerdings nicht einfach, wie die Sängerin „Promipool“ erzählte. 

Im Oktober brachte Jeanette Biedermann (39) ihr neues Album „DNA“ heraus. Es ist das erste Soloalbum seit zehn Jahren, in der letzten Zeit hatte sie mit ihrer Band „Ewig“ Musik gemacht. Auf ihrer neuen Platte singt die 39-Jährige über Themen, die sie bewegen. Einen großen Platz nimmt dabei der Tod ihres Vaters von vor zwei Jahren ein.  

Jeanette Biedermann berührt mit „Deine Geschichten“

Der Song „Deine Geschichten“, mit dem Jeanette Biedermann schon bei „Sing meinen Song“ zu Tränen rührte, sticht dabei besonders hervor. Allerdings hatte Jeanette ursprünglich eine ganz andere Version der Single geschrieben, wie sie im Interview mit „Promipool“ verriet. 

 

„Promipool“: Hallo Jeanette, wie hat es sich für dich angefühlt, ein Album alleine ohne „Ewig“ zu schreiben? 

Jeanette Biedermann: Ich habe natürlich viel alleine geschrieben, aber ich habe mir auch im Sommer tolle Leute dazu geholt, befreundete Musiker. Ich habe mit Jörg und Daniel Flamm „Deine Geschichten“ geschrieben, der wohl wichtigste Song in meinem Leben.  

Das war schon sehr aufregend, das Album dann rauszubringen. Ich bin jetzt aber wahnsinnig glücklich, weil ich nur tolles Feedback bekommen habe und Leute mir schreiben, dass die Songs ihnen helfen. Darum geht’s. Man macht das natürlich, um selbst Dinge zu verarbeiten, aber man ist auch glücklich, wenn man anderen Leuten damit helfen kann oder wenn man etwas in deren Leben bewegt.  

„Deine Geschichten“ verarbeitet ja den Tod deines Vaters. Wie schwer war die Entscheidung, das Lied zu schreiben? 

Es ist gar nicht so eine richtige Entscheidung, sondern es ist passiert, weil es passieren musste. Ich schreibe irgendwann immer, wenn mich etwas tief bewegt, darüber. Manchmal kriege ich es gar nicht mit, dass ich das tue.  

Ist dir das auch auf deinem neuen Album passiert? 

„Eine Handvoll Worte“ ist tatsächlich entstanden, weil ich am Schluss mit meinem Vater nicht mehr sprechen konnte. Er hat einen Luftröhrenschnitt bekommen, davon verliert man seine Stimme. Dann merkt man erst, wie viel Macht Worte haben, wie viel sie einem bedeuten und wie viel sie einem auch bedeuten, wenn man sie nicht mehr hören kann.

Ich konnte seine Stimme nicht mehr hören. Als ich das letzte Mal mit ihm sprach, habe ich ihm gesagt, dass ich ihn liebhabe und er hat mit den Lippen geformt: „Ich dich auch.“ Diese stummen Worte bedeuten mir so viel im Nachhinein. Ich habe eine ganze Weile gar nicht gemerkt, dass der Song davon inspiriert ist.  

Wie war das bei „Deine Geschichten“? 

„Deine Geschichten“ gab es am Anfang so nicht. Ich habe ein Lied geschrieben, „Mein Schmerz trägt deinen Namen“, aber das war so traurig. Das werde ich auch nie veröffentlichen, weil es einfach so traurig ist. 

Ich habe mich dann schon gefragt, was will ich mit so einem Lied eigentlich? Möchte ich, dass alle heulen, dass es uns noch schlechter geht? Und dann war die Antwort ganz klar: Nein, eigentlich nicht. Eigentlich möchte ich Hoffnung verbreiten und dieser Song hat mich dann zu „Deine Geschichten“ gebracht. Manchmal braucht man ein paar Umwege, um zu so einem großen Lied zu kommen.  

Hast du die erste Fassung jemandem vorgespielt? 

Ja klar, Jörg. Meiner Mama habe ich das nicht vorgespielt, weil ich ein bisschen Angst habe, dass es zu traurig ist.  

Wie hat dein Mann Jörg reagiert? 

Er hat geschluckt. Aber das ist ja das Gute, dass man manche Sachen für sich behalten kann. Gerade wenn man spürt, dass es andere Leute traurig macht. Ja, „Deine Geschichten“ ist auch traurig, aber es gibt trotzdem Hoffnung. Trotzdem erzählt es etwas, was einen nach vorne blicken lässt und nicht nach hinten.  

Jeanette Biedermann im September 2018

Hat dein Vater einige deiner Lieder über ihn noch mitbekommen? 

Nein, leider nicht, weil er da schon wahnsinnig krank war. Er lag ja schon lange im Krankenhaus, lange Zeit davon im Koma. Jetzt auf seiner Wolke, da kriegt er es mit.  

Wäre er stolz auf deine Songs? 

Auf jeden Fall. Er ist ja absoluter Musikliebhaber. Und er war immer so stolz auf mich und hat alles geliebt, was wir gemacht haben. Das hätte ihm sehr gefallen, da bin ich mir sicher.  

Aber es ist nicht nur ein Lied für meinen Papa, es ist auch ein Lied für meine Mutter. Es sind auch die Geschichten meiner Mutter und es ging vor allem darum, uns ein bisschen zu helfen.  

Was hat deine Mutter denn zu „Deine Geschichten“ gesagt? 

Meine Mutter hat gesagt: „Da hast du mir Papa wieder ein Stück nähergebracht.“ In dem Song ist jedes Wort wahr, das sind ein paar unserer Geschichten. 

Vielen Dank für das Gespräch!