Als König Harald V. am Mittwoch in Oslo beigesetzt wurde, war das britische Königshaus vertreten, aber nicht durch den Monarchen selbst. Prinz William reiste an Stelle seines Vaters nach Norwegen, begleitet von Prinzessin Anne. Die Abwesenheit von König Charles III. fiel auf, weil er Harald kurz nach dessen Tod noch als „lieben Cousin“ und engen Freund gewürdigt hatte. Dennoch spricht nach den vorliegenden Informationen vieles dafür, dass nicht ein akuter Zwischenfall, sondern vor allem das royale Protokoll hinter der Entscheidung stand.
Britisches Protokoll sieht Vertreter bei Staatsbegräbnissen vor
Nach Angaben des Buckingham-Palasts nahm William den Platz seines Vaters bei der Trauerfeier ein. Wie n-tv.de berichtet, ist es in der britischen Monarchie üblich, dass regierende Monarchen nicht an Beerdigungen anderer Staatsoberhäupter teilnehmen. Stattdessen wird in der Regel ein ranghohes Mitglied der Familie entsandt.
Genau dieses Muster gab es bereits mehrfach. Auch zur Bestattung von Papst Franziskus im April 2025 reiste William für den König. 2005 nahm Charles selbst am Begräbnis von Johannes Paul II. teil, damals noch als Prince of Wales und Vertreter seiner Mutter Königin Elisabeth II.
Charles hatte Harald kurz zuvor persönlich gewürdigt
Dass Charles nicht selbst nach Oslo kam, wirkt auch deshalb auffällig, weil die Verbindung zwischen beiden Häusern eng war. Harald V. starb Ende August im Alter von 89 Jahren, sein Sohn folgte ihm als König Haakon VIII. auf den Thron. Charles veröffentlichte am Todestag eine persönliche Kondolenzbotschaft.
Seine Familie gedenke eines sehr geliebten Verwandten und Freundes, dessen Freundlichkeit, Mitgefühl und Pflichtgefühl über Jahrzehnte nachhallten. Harald und Charles waren Cousins zweiten Grades und stammten beide von König Edward VII. ab.
Gesundheit wird genannt, offiziell aber nicht als Grund
Der Palast stellte klar, dass die Reiseabsage nichts mit einer plötzlichen Verschlechterung des Gesundheitszustands zu tun habe. Der 77-Jährige wird wegen einer Krebserkrankung behandelt und absolviert weiter einen vollen Terminkalender. Laut Bild äußerte ein Palastmitarbeiter dennoch die persönliche Einschätzung: „Ich persönlich glaube, der König muss sich aus gesundheitlichen Gründen noch schonen.“
Offiziell bestätigt wurde das nicht. Deshalb bleibt als belastbare Erklärung vor allem die protokollarische Praxis, nach der nicht der Monarch selbst, sondern ein Vertreter anreist.
Prinzessin Anne reiste als Taufpatin von Haakon VIII. mit
Neben William spielte auch Prinzessin Anne bei der Reise nach Oslo eine besondere Rolle. Der Palast teilte mit, dass sie in privater und persönlicher Eigenschaft an der Feier teilnahm, weil sie Taufpatin des neuen norwegischen Königs Haakon VIII. ist. Damit war die britische Delegation familiär eng mit dem norwegischen Königshaus verbunden.
Zur Trauerfeier reisten außerdem zahlreiche Royals aus Europa und Japan an, darunter Vertreter aus Schweden, Dänemark, den Niederlanden, Spanien, Belgien, Monaco sowie Kronprinz Fumihito und Kronprinzessin Kiko aus Japan.