Im Schlagergeschäft entscheidet oft nicht nur der Kalender, sondern ein Vertragspassus mit großer Wirkung. Wenn große TV-Shows parallel zu Konzerten oder Stadtfesten geplant werden, geraten kleinere Veranstalter schnell ins Hintertreffen. Genau das zeigt sich derzeit rund um die „Schlagernacht der Stars“ in Wiesmoor. Dort waren zunächst Beatrice Egli, Kerstin Ott, Vincent Gross, Norman Langen, Tim Peters, Anni Perka und DJ Jannik angekündigt. Doch mehrere Namen fielen wieder weg, weil zeitgleich eine Aufzeichnung der „Giovanni Zarrella Show“ stattfindet. Für viele Fans ist das ein Ärgernis, für Veranstalter ein finanzielles Risiko.
Kerstin Ott, Vincent Gross und Tim Peters sagen ab
Für den Termin am 8. August musste die Veranstaltung gleich mehrere Änderungen verkraften. Zuerst wurde bekannt, dass Kerstin Ott nicht auftreten wird. Später folgten auch Vincent Gross und Tim Peters. Als Begründung nannten die Organisatoren jeweils TV-Verpflichtungen rund um Giovanni Zarrella. Ersatz wurde zwar organisiert, darunter Pietro Lombardi sowie später Marie Reim, Julian Reim und Joelina Drews. Trotzdem bleibt der Ärger groß, denn mit den ursprünglich angekündigten Künstlern wird im Vorfeld geworben. Wenn diese kurz vor dem Termin fehlen, trifft das nicht nur die Stimmung im Publikum, sondern auch das Vertrauen in die Planung solcher Live-Abende.
Dennis Athen kritisiert die TV-Klausel deutlich
Veranstalter Dennis Athen, Geschäftsführer der Mein Lieblings Event GmbH, machte seinem Frust Luft. „Letztes Jahr war es nur Vincent Gross, dann sind wir extra ein Wochenende nach vorne gerutscht, um es zu vermeiden. Aber der liebe Zarrella meinte es noch besser mit uns dieses Mal“, sagte er laut t-online. Der Kern des Problems ist eine TV-Klausel in Künstlerverträgen. Sie erlaubt es, bereits vereinbarte Live-Auftritte zu verschieben oder abzusagen, wenn ein Angebot für eine große Fernsehsendung kommt. Nach Angaben des Veranstalters werde diese Regel von Musiklabels ausdrücklich gewünscht. Für ARD- und ZDF-Produktionen ist das ein klarer Vorteil, für kleinere Bühnen eine knallharte Realität.
Ella Endlich erklärt den Druck im TV-Geschäft
Wie begehrt diese Fernsehplätze sind, beschrieb Sängerin und Musical-Darstellerin Ella Endlich schon vor Kurzem. „Es gibt weniger Schlagershows als früher, die Budgets der Fernsehanstalten für den Bereich Unterhaltung werden kleiner und entsprechend begehrt sind die wenigen TV-Auftritte“, so Ella Endlich laut Focus. Dazu kommt die enorme Reichweite: Das „Schlagerbooom Open Air“ erreichte im Juni 3,97 Millionen Menschen und einen Marktanteil von 23,1 Prozent. Im Vergleich dazu fasst die Freilichtbühne in Wiesmoor nur rund 5.000 Besucher. Für Künstler ist Fernsehen damit nicht nur Prestige, sondern oft auch ein zentraler Karrierefaktor.
Beatrice Egli und Maite Kelly liefern weitere Beispiele
Dass solche Wechsel nicht neu sind, zeigen frühere Fälle. Beatrice Egli sagte 2022 mehrere Konzerte in der Schweiz ab, um in Deutschland bei Florian Silbereisen aufzutreten. Auch Maite Kelly strich in diesem Jahr einen Auftritt beim Festival „Schlager uf'm Hof“, um beim „Schlagerbooom Open Air“ dabei zu sein. Kritiker bemängeln deshalb seit Längerem, dass in den großen Samstagabendshows häufig dieselben Namen auftauchen. Das ZDF erklärte, die Planung der Gäste erfolge meist langfristig, die Entscheidung über einen Auftritt liege aber am Ende bei den Künstlern selbst. Genau dort zeigt sich, wer im Schlager derzeit die stärkere Bühne bietet.