Seine Mutter taufte ihn einst auf den Namen Hansjörg. „My name is Giovanni Giorgio, but everybody calls me Giorgio" – so beginnt die berühmte Hommage „Giorgio by Moroder" von Daft Punk aus dem Jahr 2013.
Tatsächlich aber kam Giovanni Giorgio Moroder am 26. April 1940 in St. Ulrich in Gröden, Südtirol, zur Welt – als Sohn einer ladinischen Familie, in der zu Hause Ladinisch, Deutsch und Italienisch gesprochen wurde. Seine Mutter rief ihn liebevoll „Hansjörg" und träumte für ihren Sohn von einer ordentlichen Karriere als Geometer, also als Vermessungsingenieur in der Gemeinde.
Giorgio Moroder: Vom Auto-Schläfer zur Disco-Legende
Doch Hansjörg hatte andere Pläne. Mit 19 Jahren brach er sein Studium ab und tourte als Musiker durch Europas Diskotheken. Anfangs hatte er gerade mal sieben oder acht Songs im Repertoire – und ein Auto, in dem er zwischen den Auftritten schlief, weil das Geld einfach nicht für ein Hotel reichte. Eine echte Tellerwäscher-Geschichte aus den Dolomiten.
In den späten 60er Jahren zog es ihn nach München, wo er sein eigenes Studio gründete: das legendäre Musicland. Hier traf er 1973 auf eine junge amerikanische Sängerin, die nach einer Europatour des Musicals „Hair" als alleinerziehende Mutter in München gestrandet war: Donna Summer. Mit ihr produzierte er ab 1975 Welthits, die Pop-Geschichte schrieben. „Love to Love You Baby" – ein 17-minütiges erotisches Epos, in dem Experten 22 gestöhnte Orgasmen gezählt haben wollen. Und 1977 dann „I Feel Love", jener Synthesizer-Track, der heute als Geburtsstunde der modernen Tanzmusik gilt und 2012 sogar ins „Nationale Schallplattenverzeichnis der US-Kongressbibliothek" aufgenommen wurde.
Giorgio Moroder: Hollywood ruft – und Italien feiert
In den 80er-Jahren machte Moroder die Fortsetzung seiner Karriere zur Hollywood-Sache. „Flashdance... What a Feeling" (1983), „Take My Breath Away" aus Top Gun (1986), „The Neverending Story" (1984) – jeder dieser Hits trägt seine Handschrift. Drei Oscars holte er sich: 1979 für die Filmmusik zu „Midnight Express", 1984 für „Flashdance" und 1987 für „Take My Breath Away". Auch David Bowie („Cat People"), Blondie („Call Me"), Freddie Mercury und Barbra Streisand vertrauten dem Mann aus Gröden ihre Songs an.
Ein besonderes Schmankerl für Italien: Zur Fußball-WM 1990 schrieb Moroder den offiziellen Song „Un'estate italiana", gesungen von Gianna Nannini und Edoardo Bennato. Die ganze Halbinsel jubelte. Zuvor hatte er bereits die Olympia-Songs für die Spiele 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul komponiert. Wer Großevents brauchte, der rief Moroder an.
Giorgio Moroder: Das späte Comeback mit Daft Punk
Eigentlich befand sich Moroder schon eine ganze Weile im golfspielenden Ruhestand, als ihn 2013 ein Anruf aus Frankreich erreichte. Das Elektropop-Duo Daft Punk wollte ihn für sein neues Album „Random Access Memories" – nicht als Komponisten, sondern als lebende Legende. In einer Aufnahmekabine sollte Moroder einfach über sein Leben erzählen. Daft Punk ließen für jede Lebensphase ein anderes Mikrofon der entsprechenden Epoche aufstellen. Heraus kam das gefeierte Stück „Giorgio by Moroder", das den damals 73-Jährigen einer ganz neuen, jüngeren Generation zugänglich machte.
Was folgte, war ein zweiter Frühling: Welttourneen als DJ, neue Kollaborationen mit Kylie Minogue, Britney Spears, Sia und David Guetta. 2015 erschien sein erstes Solo-Album seit 30 Jahren: „Déjà Vu". Mit über 70 stand Hansjörg aus St. Ulrich plötzlich wieder auf den großen Bühnen der Welt – mit schwarzer Uniform, knallroten Sneakers und seinem markanten weißen Schnurrbart.
Heute lebt Moroder mit seiner mexikanischen Frau Francisca Gutierrez und Sohn Alex, der 1989 zur Welt kam, in Beverly Hills. Sein Haus in Gröden besucht er immer dann, wenn er den Blick auf den Langkofel braucht – jenen Berg, der ihn an seine Wurzeln erinnert. 86 Jahre und immer noch der unangefochtene „High Priest of Disco".