Auf seinem Grab auf dem Kölner Melaten-Friedhof steht ein Satz, der ganz Deutschland zu Tränen rührt: „Und wer tot ist, wird ein Stern." Der Satz stammt aus dem Theaterstück „Der kleine König Dezember". Die Rolle hatte Dirk Bach im Herbst 2012 am Berliner Schlosspark-Theater übernommen. Er probte bereits für die Premiere. Zur Aufführung kam es nie. Eine Woche vor der ersten Probenphase war Dicki tot.

Dirk Bach: Der kleine König mit dem großen Herzen

Wer Dirk Bach kannte, wusste: Bei diesem Mann steckte in einem kleinen Körper ein riesiges Herz. 1,68 Meter groß, mit lockigem Haar und einem Lachen, das durch jede noch so graue Wohnzimmerstube hallte – so eroberte Dirk Bach Deutschland.

Geboren wurde er am 23. April 1961 in Köln-Heimersdorf. Seine Eltern Willi und Trude Bach arbeiteten beide beim WDR – der Vater als Messingenieur und Heimatforscher, die Mutter als Sachbearbeiterin. Dirk wuchs also früh mit Kultur und Rundfunk auf. Eine Schauspielausbildung hat er nie gemacht. Brauchte er auch nicht. Seine Bühne war das Leben, sein Lehrmeister der Instinkt. Ab Mitte der 80er-Jahre stand er als Komödiant in „Geierwally" auf der Bühne und eroberte sich Fan für Fan.

Dirk Bach und das Dschungelcamp: Kult mit Sonja Zietlow

Der ganz große Ruhm kam 2004. RTL startete „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" – und Dirk Bach moderierte zusammen mit Sonja Zietlow. Was die beiden auf die Beine stellten, war Fernsehgeschichte. Pointiert, dosiert respektlos, mit einer Mischung aus Spott und Herzenswärme, die man nie wieder erreicht hat. Sechs Staffeln lang, von 2004 bis 2012. Bis zu seinem Tod.

Sonja Zietlow hat den Verlust nie ganz verkraftet. Zum zehnten Todestag 2022 schrieb sie in einem bewegenden Brief an ihren Freund: „Ich höre doch immer noch dein Lachen. Ich blicke immer noch hoch, wenn die Tür aufgeht, und erwarte, dass du reinkommst." Und weiter: „Mit dir war alles leichter. Und sogar die Trauer irgendwie... weniger traurig. Jemand, der so voller Lust, Leben und Freude ist wie du, der stirbt nicht. Er findet einfach physisch nicht mehr so statt wie bisher."

Dirk Bach und Hella von Sinnen: 30 Jahre beste Freundschaft

Wer über Dirk Bach spricht, kommt an Hella von Sinnen nicht vorbei. Die beiden lernten sich in einer Kölner Wohngemeinschaft kennen und blieben sich 30 Jahre lang verbunden. Gemeinsam standen sie auf der Bühne, moderierten Shows, machten sich über das Leben lustig – und stützten sich, wenn es schwer wurde.

Zum zehnten Todestag brachte Hella von Sinnen gemeinsam mit ihrer langjährigen Ex-Lebensgefährtin Cornelia Scheel den Erinnerungsband „Dear Dicki" heraus. Schulfreunde, Weggefährten und Kostümbildner schrieben persönliche Briefe an den Verstorbenen. Hella selbst sagte der „Bunte": „Die Welt ist so scheiße geworden, seit er weg ist. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich diesen Mann vermisse." Sie nannte sich selbst die „Königin der Verdrängung" und wollte nicht trauern – sondern die Erinnerung am Leben halten.

Dirk Bach und seine große Liebe Thomas

Aus seiner Homosexualität machte Dirk Bach nie ein Geheimnis. 1999 heiratete er auf Key West in Florida seinen Lebensgefährten Thomas – damals noch rein symbolisch, weil die Ehe für Schwule und Lesben in Deutschland nicht möglich war. Den Tag der Ehe-Öffnung 2017 in Deutschland erlebte Dicki nicht mehr.

Für LGBTI-Rechte engagierte er sich jahrzehntelang, unterstützte die Aids-Hilfe Köln und gründete die Lebenshaus-Stiftung für HIV-Positive. Nach seinem Tod wurde das Lebenshaus in Köln in „Dirk-Bach-Haus" umbenannt – ein bleibendes Denkmal für einen Mann, der nie auf seinen Ruhm pochte, sondern immer nur auf sein Herz hörte.

Köln ehrt Dirk Bach: Ein eigener Platz in seiner Heimatstadt

Im vergangenen Sommer gab es dann noch einen späten, aber wunderschönen Moment der Anerkennung. Köln hat seinem Sohn einen eigenen Platz gewidmet: den Dirk-Bach-Platz. Ein Stück Heimatstadt für den Mann, der seine Heimatstadt so liebte. Die Enthüllung wäre sicher ein Abend voller Freudentränen gewesen – mit Hella, Sonja und all den anderen. Stattdessen war es ein stiller, würdevoller Moment.

Dirk Bach: Die „funny bones", die niemand ersetzen kann

Bastian Pastewka hat es einmal so formuliert: Dirk Bach habe gezeigt, „dass es in der Komik eben nicht nur der perfekt gedrechselte Satz, das feinsinnige Wortspiel, das heitere Jonglieren der Ironie ist, sondern dass es um Persönlichkeit, Chemie und die berühmten 'funny bones' geht." Lustige Knochen – Dicki hatte sie mehr als alle anderen.

Die Rollen, die er hinterlassen hat, sind unzählbar. Die Hauptrolle als Urmel in der Sat.1-Verfilmung 2005. Pepe in der Sesamstraße. Die ZDF-Serie „Lukas". Der „Kleine Mönch". Die unvergessene „Dirk Bach Show" auf RTL. Sprecher bei „Oggy und die Kakerlaken". Wenn seine Stimme aus dem Radio kam, musste man einfach lächeln.

An seinem 65. Geburtstag blicken Fans hoch in den Himmel – und erinnern sich an den Satz von seinem Grabstein. Dicki ist jetzt ein Stern. Und dieser Stern leuchtet weiter.

Happy Birthday, Dirk. Du fehlst.