Mit erhobenem Daumen und einem leichten Lächeln betritt Prinz Harry am Morgen das Gerichtsgebäude in London – doch Stunden später verlässt er den Saal sichtlich mitgenommen. Der 41-jährige Royal ist aus Kalifornien angereist, nicht für ein Treffen mit König Charles III., sondern für einen heiklen Auftritt vor dem High Court. Im Mittelpunkt steht seine Klage gegen den Verlag der „Daily Mail“ und „Mail on Sunday“ wegen mutmaßlich illegaler Recherchemethoden, die sein Privatleben und das seiner Frau Meghan massiv beeinträchtigt haben sollen, wie Bild berichtet. Für Harry ist es weit mehr als ein gewöhnlicher Pressestreit – es geht um ein Grundsatzthema.
Harry greift Boulevardjournalisten scharf an
Im Kreuzverhör durch den Anwalt des Verlags wirkt Prinz Harry zunächst angespannt, aber entschlossen. Es geht um 14 Journalisten, die über ihn berichtet haben. Auf die Frage, ob diese zu seinem Freundeskreis gehörten, antwortet er knapp: „Nein.“
Die Informationen seien nicht von seinen Freunden gekommen, sonst hätte man keine Privatdetektive gebraucht, so seine Logik. Er macht keinen Hehl aus seiner Verachtung für Teile der Boulevardpresse: „Viele von ihnen habe ich gehasst!“ Diese deutlichen Worte zeigen, wie tief die Verletzungen sitzen. Laut Spiegel musste der Richter Harry mehrfach bremsen, damit er sich auf das Beantworten der Fragen beschränkt.
„Daily Mail“ habe Leben von Meghan „unerträglich“ gemacht
Besonders emotional wird der Prinz, als es um die Auswirkungen der Berichterstattung auf seine Ehefrau Meghan geht. Die „Daily Mail“ habe sein Leben „und vor allen Dingen das meiner Frau, unerträglich gemacht“, erklärt er vor Gericht, wie Bild zitiert. Der Verlag soll über Jahre hinweg auf illegale Methoden gesetzt haben: Abgehörte Telefonate, Wanzen, das sogenannte „Blagging“ – also das Erschleichen sensibler Daten wie Krankenakten oder Bankunterlagen.
Associated Newspapers Limited weist alle Vorwürfe zurück und beruft sich auf angeblich legitime Informanten. Für Harry geht es jedoch um mehr als persönliche Genugtuung: Er spricht von „Wahrheit und Gerechtigkeit“ und Verantwortung gegenüber all jenen, deren Leben durch mediale Gier zerstört worden sei, schreibt der Spiegel.
Misstrauen, Isolation und Angst um Meghan
Die mutmaßlichen Methoden der Boulevardpresse haben nach Harrys Darstellung tiefe Spuren in seinem Privatleben hinterlassen. Über Jahre habe er befürchtet, enge Freunde oder Mitarbeiter könnten Informationen weitergegeben haben. Das habe Misstrauen geschürt und ihn „unvorstellbar in Verfolgungswahn getrieben und isoliert“, zitiert morgenpost.de aus einer schriftlichen Eingabe.
Besonders belastend ist für ihn die Angst, sich könnte die Geschichte seiner Mutter wiederholen: Immer wieder macht Harry deutlich, dass er den Unfalltod von Prinzessin Diana 1997 auch den Paparazzi anlastet. Die Sorge, Meghan könnte ein ähnliches Schicksal treffen, treibt ihn bis heute an.
Historischer Auftritt eines Royals vor Gericht
Dass ein Mitglied der britischen Königsfamilie sich einem Kreuzverhör stellt, ist äußerst selten. Die traditionelle Devise des Palasts lautete für ihn lange: „Never explain, never complain“ – nie erklären, nie beschweren. Harry bricht bewusst mit dieser Linie. Unterstützt wird er in dem Verfahren von prominenten Mitklägern wie Elton John, Elizabeth Hurley und Sadie Frost.
Die Beweislage ist komplex: Anwälte verweisen auf alte Artikel, Zahlungsflüsse und die mutmaßliche Zusammenarbeit mit Privatdetektiven. Als Harry am Nachmittag den Zeugenstand verlässt, wirkt er erschöpft und den Tränen nahe. Eines macht dieser Tag deutlich: Der Prinz führt seinen Kampf gegen die britische Boulevardpresse mit hohem persönlichem Einsatz – und ohne Rückzug in die royale Komfortzone.