München, Ende der 1970er Jahre. Im Studio von Bayern 3 sitzt ein blondgelockter Moderator, der das Radio auf den Kopf stellt, und ein paar Türen weiter arbeitet ein junger Sportredakteur, der davon träumt, bei ihm unterzukommen. Was damals zwischen den beiden begann, sollte fast ein halbes Jahrhundert überdauern – und zu einer der bekanntesten Männerfreundschaften des deutschen Fernsehens werden.
Günther Jauch und der Bayerische Rundfunk: der leise Anfang
Ein Musterschüler war Jauch nie. Mit einem Abitur von 3,1 begann er ein Jurastudium in Berlin, brach es Mitte der 1970er Jahre ab und wechselte an die Deutsche Journalistenschule in München. 1977 landete er in der Sportredaktion des Bayerischen Rundfunks – ein kleines Licht unter vielen, Jahre entfernt von jedem Rampenlicht. Später arbeitete er im Zeitfunk, von 1983 bis 1985 berichtete er als Hörfunk-Korrespondent aus Bonn. Es war eine solide, unspektakuläre Karriere. Der Rest kam über eine Sendung, die gar nicht seine war.
Günther Jauch und Thomas Gottschalk: die Legende der B3-Radioshow
Gottschalk moderierte damals bei Bayern 3 „Pop nach acht" und war für die junge Generation Kult. Jauchs großes Ziel: irgendwie dort reinkommen, wenigstens mit einem einzigen Beitrag. Sein Einstand war so banal wie sympathisch – er lieferte ein Stück darüber, wie mühsam es ist, an einem Türsteher vorbei in die Disco zu gelangen. Es funktionierte.
Ab Mitte der 80er Jahre moderierten die beiden bis 1989 gemeinsam die B3-Radioshow, und die täglichen Übergaben gegen 16 Uhr, wenn Gottschalk an Jauch abgab, wurden zur Legende. Die Rollenverteilung war klar, und Jauch beschrieb sie später in einem Podcast selbst mit trockenem Humor: „Er war der lustige Unterhaltungsfuzzi, ich der langweilige Informationsonkel." Genau dieser Kontrast machte den Reiz aus. Der eine brachte die Musik und den Unfug, der andere die Politik und die Fakten.
Günther Jauch im Fernsehen: vom Radiomann zum Quizkönig
Es war wiederum Gottschalk, der ihm das Unterhaltungsfernsehen schmackhaft machte. Als der Freund „Wetten, dass..?" übernahm, rückte Jauch nach und moderierte von 1987 bis 1989 dessen ZDF-Show, die daraufhin „Na siehste!" hieß. Von da an ging es steil bergauf: das aktuelle sportstudio, ab 1990 stern TV, seit 1999 „Wer wird Millionär?", dazu von 2011 bis 2015 die eigene Talkshow im Ersten.
Den Bayerischen Rundfunk verließ er 1989 – aber der Mann, den er dort kennengelernt hatte, blieb. Über Jahrzehnte standen die beiden immer wieder gemeinsam vor der Kamera, zuletzt sieben Jahre lang in „Denn sie wissen nicht, was passiert" an der Seite von Barbara Schöneberger.
Günther Jauch zum 70. Geburtstag: ein Abschied, der wehtat
Im Dezember 2025 kam dann der Moment, den kaum jemand sehen wollte. Nach 48 gemeinsamen Folgen verabschiedete sich das Trio, und für Gottschalk, der öffentlich gemacht hatte, dass er an Krebs erkrankt ist, war es der Abschied von der Samstagabendbühne. Jauch führte ihn durch diesen Abend, ruhig und ohne Pathos, so wie er es immer gehalten hat. Schon im Jahr zuvor hatte Gottschalk bei der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens die Laudatio auf ihn gehalten – der Unterhaltungsfuzzi lobte den Informationsonkel.
Seinen eigenen 70. Geburtstag will Jauch nun am liebsten unbemerkt verbringen, an diesem Tag geht er lieber nicht ans Telefon, wie er im Vorfeld erklärte. Große Feiern sind seine Sache nicht, große Worte auch nicht. Was bleibt, ist ein Mann, der in einem Münchner Radiostudio klein anfing und dabei nicht nur eine Karriere fand, sondern einen Freund fürs Leben.