Der Märchenklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gehört für viele fest zur Weihnachtszeit – für Schauspielerin Simone Thomalla ist er jedoch weit mehr als nur nostalgische TV-Unterhaltung. Der Film hat ihre Kindheit geprägt, ihre berufliche Laufbahn beeinflusst und sogar Auswirkungen auf ihr Liebesleben gehabt.
In einem Gespräch mit „Bild“ blickt die 60-Jährige auf die Dreharbeiten in den Siebzigerjahren zurück, an denen ihr Vater als wichtiger Kreativer beteiligt war. Aus einer kindlichen Schwärmerei für den Filmprinzen entwickelte sich eine sehr persönliche Familiengeschichte, die bis zu Tochter und Moderatorin Sophia Thomalla reicht.
Bühnenbildner Alfred Thomalla formt die Märchenwelt
Simone Thomallas Vater Alfred Thomalla gehörte in der DDR zu den erfolgreichsten Bühnenbildnern. Er war maßgeblich für die prachtvollen Kulissen von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ verantwortlich, darunter den festlich geschmückten Tanzsaal und die detailverliebten Schloss-Szenen. Seine Arbeit schuf die märchenhafte Atmosphäre, die den Film bis heute auszeichnet.
Für die damalige Co-Produktion von DEFA und dem tschechoslowakischen Fernsehen bedeutete das Projekt nicht nur künstlerischen Anspruch, sondern auch logistische Herausforderung – gedreht wurde im Winter, obwohl ursprünglich ein Frühlingsmärchen geplant war.
Kinderstar im Publikum: Simone Thomalla im Prinzessinnen-Fieber
Als der Film Premiere in Potsdam feierte, war Simone Thomalla ein kleines Mädchen – und im perfekten Alter für glitzernde Ballkleider und Schlossromantik. „Ich war damals sechs oder sieben und natürlich im richtigen Prinzessinnen-Fan-Alter. Ich erinnere mich an die Premiere in Potsdam. Ich war sofort hin und weg von Prinz Pavel Travnicek“, so die Schauspielerin im Interview mit „Bild“.
Die Begegnung mit dem tschechischen Hauptdarsteller Pavel Trávníček, der ikonischerweise in Brokat-Look und Strumpfhosen als Prinz über die Leinwand ritt, hinterließ bei Simone einen bleibenden Eindruck, der bis ins Erwachsenenalter anhielt.
Von Filmprinz zu Lebenspartner
Diese frühe Schwärmerei blieb nicht ohne Folgen. Simone Thomalla ist überzeugt, dass der Leinwandprinz ihren späteren Männergeschmack geprägt hat. Über den Vater ihrer Tochter Sophia, Schauspieler André Vetters, sagt sie: „Man kann es nicht anders sagen, aber wenn ich mir heute die Fotos von Sophias Papa anschaue, dann ist mir relativ klar: Den habe ich mir auch wegen Aschenbrödel geschnappt.“
In jungen Jahren soll Vetters Trávníček ziemlich ähnlich gesehen haben. So wurde aus einer Filmfigur ein unbewusstes Vorbild – und ohne den Kultfilm hätte es die heute 36-jährige Sophia Thomalla in dieser Konstellation möglicherweise nie gegeben.
Weihnachtsritual und neue Aschenbrödel-Generation
Bis heute hat Simone Thomalla ihre Faszination für den Klassiker nicht verloren. „Ich schaue ihn jedes Jahr an die 20-mal, kann ihn mitsprechen und könnte vermutlich damit bei ‚Wetten, dass ..?‘ auftreten“, erzählt sie gegenüber „Bild“. Der Film läuft in der Weihnachtszeit vielfach im TV und begeistert immer neue Generationen.
Parallel dazu sorgt eine moderne Neuverfilmung mit der norwegischen Sängerin und Schauspielerin Astrid Smeplass für frischen Wind: Sie zeigt eine aktivere, selbstbewusste Version des Aschenbrödels, inklusive Action-Szenen und einem gleichgeschlechtlichen Kuss am Hof. So bleibt die märchenhafte Liebesgeschichte lebendig – als TV-Tradition und als ganz persönliches Kapitel im Leben der Thomallas.
