Schauspielerin Karin Thaler zählt seit Jahren zu den festen Gesichtern der ZDF-Serie „Die Rosenheim-Cops“. Als Stadträtin Marie Hofer bringt sie dort Leichtigkeit, Humor und Tempo in viele Folgen. Abseits der Kamera zeigt sich die 60-Jährige nun jedoch von einer sehr persönlichen Seite.
Anlass ist die Veröffentlichung ihres biografischen Buches, mit dem sie Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit aufarbeitet. Bei einem Interviewtermin wurde deutlich, wie nah ihr das Thema noch immer geht. Die Erinnerungen an ihre Kindheit und an das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter sitzen offenbar tiefer, als sie selbst lange dachte.
Karin Thaler spricht über Armut in der Kindheit
Im Gespräch mit dem ARD-Magazin „Brisant“ schilderte Karin Thaler, wie hart die Lage damals war. „Wir haben uns von Monat zu Monat gerettet“, sagte Karin Thaler. Viel mehr als eine Matratze, ein Tisch mit Fernseher und zwei Stühle sei zeitweise nicht geblieben.
Besonders eindrücklich beschreibt sie das Gefühl völliger Hilflosigkeit im Alltag. „Ich kenne das Gefühl (...), wenn du am Geldautomaten stehst und kriegst keine zehn Mark. Und weißt nicht, was du essen sollst“, so Karin Thaler. Diese Erfahrungen prägen sie bis heute.
Die Schauspielerin kämpft mit Tränen
Während des Interviews wird klar, wie belastend die Erinnerungen noch sind. Thaler muss kurz innehalten, schaut zur Seite und ringt um Fassung. Dann sagt sie, dass das Erlebte „richtig scheiße“ gewesen sei und sie aufpassen müsse, nicht zu viel darüber zu sprechen. Sonst kämen ihr die Tränen.
Gerade diese Momente machen deutlich, dass die Vergangenheit für sie kein abgeschlossenes Kapitel ist. Obwohl sie ihr Leben längst neu aufgebaut hat, brechen die alten Gefühle in solchen Gesprächen wieder hervor.
Karin Thaler nennt sich co-abhängig
Besonders schmerzhaft ist für die Schauspielerin der Blick auf ihre Rolle innerhalb der Familie. Später, als sie beruflich erfolgreich war, übernahm sie Bürgschaften für ihre Mutter im sechsstelligen Bereich. Doch die Probleme hörten nicht auf.
Heute ordnet Karin Thaler ihr Verhalten deutlich ein: „Ich war co-abhängig: Ich habe alles vertuscht und ihre Lügen weiter gelogen“, sagte Karin Thaler. Sie habe ihre Mutter schützen wollen, damit niemand erfährt, was wirklich geschah.
Auch Ehe und Lebensplanung litten darunter
Die Folgen dieser Familiengeschichte reichten weit über die Kindheit hinaus. So belastete das Verhältnis zur Mutter später sogar ihre Ehe. Zudem hatte die Schauspielerin bereits öffentlich erklärt, dass diese Erfahrungen Einfluss auf ihre eigene Lebensplanung hatten und auch bei der Frage nach Kindern eine Rolle spielten.
Umso bedeutender wirkt ihr Schritt, all das nun in einem Buch festzuhalten und öffentlich anzusprechen. Karin Thaler zeigt damit nicht nur Verletzlichkeit, sondern auch den Versuch, dem Erlebten einen festen Platz in ihrer Biografie zu geben.