Bei der Verleihung des Grimme-Preises in Marl stand nicht nur die Auszeichnung starker Fernsehproduktionen im Mittelpunkt. Auch TV-Legende Frank Elstner rückte mit seinem persönlichen Auftritt in den Fokus. Für den 84-Jährigen war der Gang über den roten Teppich vor dem Theater Marl nach eigener Aussage eine Premiere.
Dass er trotz seiner Parkinson-Erkrankung persönlich erschien, verlieh der Veranstaltung eine besondere Note. Zugleich zeigte die Preisvergabe, welche Themen das deutsche Fernsehen derzeit prägen: Krieg, Kolonialgeschichte, Hass im Netz und gesellschaftliche Verantwortung.
Frank Elstner nimmt Ehrenpreis persönlich entgegen
Der frühere Showmaster erhielt die „Besondere Ehrung des Preisstifters Deutscher Volkshochschul-Verband“. Gewürdigt wurde er nicht nur als prägender TV-Macher, sondern auch für sein langjähriges Engagement in gesellschaftlichen Fragen und im Umgang mit Parkinson.
Vor dem Publikum sprach Elstner offen und mit trockenem Humor über seine Situation. „Ich habe in der Familie eine Umfrage gemacht. Meine jüngste Tochter hat mir gesagt, ich soll nicht so viel reden. Ich tue ihr jetzt den Gefallen und sage einfach: Bleibt gesund!“, so Frank Elstner. Der Moment wirkte zurückhaltend und zugleich sehr nahbar.
RTL Zwei erhält Preis für Hass.Hetze.Hoffnung
Erstmals ging die Auszeichnung in der Kategorie „Information und Kultur“ an den Privatsender RTL Zwei. Prämiert wurde die Produktion „Hass.Hetze.Hoffnung“, die sich mit einem hochaktuellen gesellschaftlichen Thema auseinandersetzt.
Auch zwei Dokumentationen des ZDF wurden geehrt: „Das leere Grab“ begleitet Familien aus Tansania bei der Suche nach den Gebeinen ihrer Vorfahren. „Sudan: Ein Krankenhaus im Schatten des Krieges“, ausgestrahlt bei Arte und im ZDF, richtet den Blick auf den Kriegsalltag und medizinische Hilfe unter extremen Bedingungen. Damit setzte die Jury klare Schwerpunkte bei politisch und historisch relevanten Stoffen.
ZDF dominiert, ARD punktet mit neuem Tatort
Insgesamt wurden sechzehn Grimme-Preise sowie drei Sonderpreise vergeben. Besonders erfolgreich war das ZDF, das gleich zehn Auszeichnungen erhielt. Eine davon ging an Reporterin Golineh Atai für ihre journalistische Arbeit aus der arabischen Welt. Die ARD kam auf fünf Preise.
Aufmerksamkeit bekam dabei der Hessische Rundfunk mit dem Frankfurter Tatort „Dunkelheit“. Das neue Ermittler-Duo, gespielt von Melika Foroutan und Edin Hasanovic, wurde direkt für seinen ersten Fall geehrt. Ebenfalls ausgezeichnet wurde „Die Nichte des Polizisten“, ein für SWR und NDR produzierter Film über Ermittlungen im rechtsextremen Milieu.
Kaulitz-Pläne und Debatte um das Institut
Neben den Preisen blieb auch die Diskussion um das Grimme-Institut ein Thema. Nach der Kontroverse um den Grimme-Online-Award im Vorjahr hofften die Verantwortlichen auf eine ruhigere Preisverleihung. Damals war eine geplante Ehrung für eine Nahost-Aktivistin nach Antisemitismusvorwürfen zurückgezogen worden. Die Folgen reichten bis in den Herbst, als zwei Regisseure ihren Preis aus Protest nicht annahmen.
Zugleich sprach Elstner über die Zukunft von „Wetten, dass..?“. Er zeigte sich offen für Bill und Tom Kaulitz als Moderatoren. „Ich bin neugierig. Ich glaube daran, dass man mit guten Ideen immer wieder etwas Neues machen kann“, wie Gala berichtet.