US-Präsident Donald Trump sorgt mit Aussagen zu seiner körperlichen Verfassung immer wieder für Diskussionen. Seit Jahren beschreibt sich der 79-Jährige als stärksten und gesündesten Präsidenten der US-Geschichte – eine Selbsteinschätzung, die von seinem Umfeld immer wieder bekräftigt wird.
Gleichzeitig mehren sich Berichte über Medikamente, Ernährungsgewohnheiten und auffällige Momente in Meetings, die Zweifel schüren. Um die Gesundheit des umstrittenen Präsident hat sich mittlerweile ein regelrechter Mythos entwickelt.
Arzt Harold Bornstein und der berühmte Gesundheitsbrief
Bereits 2015 legte Trumps damaliger Arzt Harold Bornstein einen Brief vor, in dem er den Unternehmer als außergewöhnlich fit beschrieb. Trump habe „keine bedeutenden medizinischen Probleme“ und wäre „der gesündeste Mensch, der je ins Präsidentenamt gewählt wurde“, hieß es darin. Blutdruck und Laborwerte seien „erstaunlich exzellent“, zudem habe Trump im Jahr vor der Veröffentlichung Gewicht verloren.
Später räumte Bornstein jedoch ein, dass Trump den Text selbst diktiert habe. „Er diktierte den ganzen Brief. Ich habe ihn nicht geschrieben“, sagte der Mediziner rückblickend laut CNN und betonte dennoch, er stehe grundsätzlich hinter der positiven Einschätzung.
Leibarzt lobt kognitive Fitness des Präsidenten
Während Trumps erster Amtszeit trat der damalige Leibarzt Ronny Jackson 2018 im Weißen Haus vor die Presse und attestierte dem Präsidenten „ausgezeichnete Gesundheit“, so „The Week“. Es gebe „keine Hinweise, dass der Präsident irgendwelche Probleme mit seinem Denkprozess hat“, erklärte Jackson. Trump habe „viel Energie und Ausdauer“ und einen kognitiven Test bestanden, den Jackson nach eigenen Angaben selbst angeordnet hatte.
Gleichzeitig sorgten offizielle Angaben zu Größe und Gewicht für Skepsis, da sie Trump knapp unter der Grenze zur Fettleibigkeit einordneten, wie unter anderem die „Washington Post“ analysierte. Inmitten dieser Debatte bezeichnete sich Trump auf Social Media als „sehr stabiles Genie“.
Vertrauter schwärmt vom „übermenschlichen“ Trump
Besonders überschwängliche Worte fand Trumps enger Vertrauter und stellvertretender Stabschef Stephen Miller. In einem Interview mit dem „New York Magazine“ erklärte der politische Berater, Trump könne „härter arbeiten, hat ein besseres Gedächtnis, mehr Ausdauer und mehr Energie als ein normaler Sterblicher“. Die Schlagzeile solle lauten: „Der übermenschliche Präsident“.
Gleichzeitig verwiesen Beobachter laut „The Week“ darauf, dass Trumps Umfragewerte zu dieser Zeit schwach waren und die Republikaner mit Verlusten bei den Kongresswahlen rechnen mussten – ein deutlicher Kontrast zu dem Bild grenzenloser Stärke, das Miller zeichnete.
Aspirin, Müdigkeitsvorwürfe und Trumps eigene Erklärungen
Für weitere Diskussionen sorgten Berichte über Trumps Medikamenteneinnahme und sein Verhalten in Sitzungen. Gegenüber dem „Wall Street Journal“ erklärte er, er nehme täglich 325 Milligramm Aspirin, weil es „gut ist, um das Blut zu verdünnen“ und er „kein dickes Blut durchs Herz“ fließen lassen wolle – eine deutlich höhere Dosis als bei vielen üblichen Langzeittherapien.
Videos, in denen Trump bei Kabinettssitzungen mit geschlossenen Augen zu sehen war, kommentierte er mit dem Hinweis, die Treffen seien „langweilig wie die Hölle“ und er höre trotzdem jedes Wort, so „New York Magazine“. Trotz Berichten über lautes Sprechen in Meetings, fehlenden Sport und eine Vorliebe für Fast Food bezeichnete sein Arzt Sean Barbabella den Republikaner als „außergewöhnlich gesund und perfekt geeignet, seine Aufgaben auszuführen“.
Psychiater John Gartner warnt vor möglicher Demenz
Während Trumps Umfeld seine körperliche Verfassung lobt, schlägt Psychiater John Gartner Alarm. Der frühere Professor der Johns-Hopkins-Universität analysierte Trumps Auftritte über Jahre hinweg und sieht darin Anzeichen einer Demenz. „Die Hauptmethode zur Diagnose von Demenz ist, dass wir eine Verschlechterung im Vergleich zur eigenen Ausgangslage in vier Bereichen sehen: Sprache, Gedächtnis, Verhalten und psychomotorische Leistung“, so Gartner laut „The I Paper“.
In alten Aufnahmen aus den 1980er-Jahren wirke Trump noch „sehr artikuliert“ und spreche in „ausformulierten Absätzen“. Heute habe er Schwierigkeiten, Sätze und Gedanken zu Ende zu bringen. Zudem verweist Gartner auf einen schwankenden, breitbeinigen Gang, den er mit einer möglichen frontotemporalen Demenz und sogar einem vermuteten Schlaganfall in Verbindung bringt – offiziell bestätigt ist das nicht.
Daran leidet Trump
Auch wenn Trump gerne seine gute Gesundheit in den Fokus stellt, wurde bei ihm dennoch eine Krankheit offiziell diagnostiziert. Leibarzt Sean Barbabella stellte eine chronische venöse Insuffizienz, also eine Venenschwäche, die vor allem ältere Menschen betrifft, fest. Das Blut fließt dabei nicht optimal aus den Beinen zurück zum Herzen und kann sich stauen.
Der Mediziner bezeichnete die Diagnose laut BBC als „gutartig und häufig“ und betonte, es gebe keine Hinweise auf eine tiefe Venenthrombose oder arterielle Gefäßerkrankungen. In einem ärztlichen Schreiben verwies Barbabella zudem auf Blutergüsse am Handrücken, die er auf häufiges Händeschütteln und das Aspirin zurückführte.