Am 29. Juni 1986 ging der „ZDF-Fernsehgarten" zum ersten Mal auf Sendung – ein Sommer-Open-Air aus Mainz, das niemand für ein Jahrhundertformat gehalten hätte. 40 Jahre später ist die Show eine deutsche Fernsehinstitution. Über 1.300 Live-Stunden, mehrere Moderatorinnen-Generationen, Millionen Zuschauer Sonntag für Sonntag. Und mittendrin eine Frau, die sich in vier Jahrzehnten so verwandelt hat wie ihre Show selbst.
Andrea Kiewel und die Anfänge des „Fernsehgartens"
Begonnen hat alles im Sommer 1986 mit Ilona Christen am Mikrofon. Sie war die erste Gastgeberin der neuen ZDF-Open-Air-Sendung auf dem Mainzer Lerchenberg. Es folgte Ramona Leiß, die der Show in den 90er Jahren ihr Gesicht gab. Für eine Saison übernahm Ernst-Marcus Thomas. Doch das Format hatte zunächst noch nicht den festen Platz gefunden, der es heute auszeichnet. Erst im Jahr 2000 kam eine Berliner Ex-Schwimmerin auf den Lerchenberg, die das alles ändern sollte – Andrea Kiewel.
Andrea Kiewel im Jahr 2000 – jung, kurz, kantig
Damals war sie 35 Jahre alt. Pixie-Cut, hellblaue Bluse, ein zarter Hauch von Halsband um den Hals. Eine Frau, die aus dem Sat.1-Frühstücksfernsehen kam und nun das ZDF-Sommerflaggschiff übernehmen sollte. Ob sie das schaffen würde, bezweifelten damals viele. Der „Fernsehgarten" galt als sperrig, das Erbe von Ramona Leiß als schwer. Doch Kiwi machte etwas, was vor ihr keine ihrer Vorgängerinnen so konsequent getan hatte: Sie wurde Teil ihres Publikums. Sie versprach sich, lachte über sich selbst, hatte keinen Respekt vor steifen Moderations-Konventionen. Genau das verliebte das Publikum.
Andrea Kiewel heute – die Lady auf dem Lerchenberg
26 Jahre später ist aus der jungen Frau eine Marke geworden. Lange blonde Haare, pinkes Etuikleid, ZDF-Mikrofon in der Hand, das Lachen offen, das Auftreten souverän. Mit 60 Jahren steht „Kiwi" mit einer Selbstverständlichkeit auf der Bühne, die nur die Erfahrung von zwei Jahrzehnten live geben kann. Geblieben ist das Lerchenberg-Lächeln. Geblieben ist auch eine gewisse Bodenständigkeit. Sie selbst sagt zur Magie ihrer Sendung: „Meine Liebe zum ,Fernsehgarten' lässt sich nicht so einfach erklären. Es ist wie Magie."
Andrea Kiewel und die Krise, die fast alles beendet hätte
Zwischen den beiden Bildern liegen nicht nur Jahre, sondern auch eine schmerzhafte Lücke. 2007 wurde Kiewels Vertrag wegen Vorwürfen zur Schleichwerbung für Weight Watchers gelöst. Eine zweijährige Zwangspause folgte. Viele schrieben sie damals bereits ab. Doch das Publikum vergaß sie nicht. 2009 kehrte sie zurück, als wäre nichts gewesen. Seither steht sie ohne weitere Unterbrechung auf dem Lerchenberg. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus dem Vergleich der beiden Bilder: Es geht nicht darum, niemals zu stolpern. Es geht darum, wieder aufzustehen – im selben Kleid oder in einem neuen.
Andrea Kiewel und die Jubiläumssaison 2026
Am 10. Mai 2026 startete der „Fernsehgarten" in seine 40. Jubiläumssaison. 20 Live-Ausgaben sind geplant, fast alle Sendungen vor Ort sind ausverkauft. Es gibt Themenshows, Musik, Service und sommerliche Partystimmung. Kiewel kündigte einen besonders wilden Sommer an – sogar mit einer Weihnachtsfeier mitten im August. Zugleich hat sich rund um die Produktion vieles verändert. Statt Autogrammkarten gibt es heute meist Selfies. „Wir trauen uns auch mehr", erklärte Kiewel der „Süddeutschen". 2025 erreichte die Show laut Branchenmagazin „DWDL" mit über 18 Prozent Marktanteil ihre erfolgreichste Saison seit über zehn Jahren. Die Show ist nicht müde geworden. Im Gegenteil.
Andrea Kiewel und das Geheimnis der Beständigkeit
Ein Pixie-Cut wird zu langen Haaren. Eine hellblaue Bluse wird zu einem pinken Etuikleid. Eine 35-Jährige wird zu einer 60-Jährigen. Was sich nicht ändert: das Lachen, die Spontaneität, die Liebe zum Lerchenberg. Vielleicht ist das die schönste Pointe von 26 Sommern: Andrea Kiewel hat sich gewandelt, ohne sich selbst zu verlieren. Sie ist erwachsen geworden, ohne langweilig zu werden. Und am Sonntagmittag um zwölf wissen Millionen Zuschauer in Deutschland: Egal, was die Woche gebracht hat – auf dem Lerchenberg geht die Sonne immer ein bisschen früher auf.