Am Freitagmorgen, dem 28. August 2026, ist König Harald V. von Norwegen im Alter von 89 Jahren gestorben. Um 6.35 Uhr schlief er im Osloer Rikshospitalet friedlich ein. Seine Familie war bei ihm: Königin Sonja, sein Sohn Haakon, seine Tochter Märtha Louise, die Enkelkinder. Über dem Schloss weht die Flagge auf halbmast. Schon am Donnerstag, als bekannt wurde, wie ernst sein Zustand war, legten Menschen Blumen auf dem Slottsplassen nieder. Und einen Tag später wäre der 58. Hochzeitstag mit seiner Sonja gewesen.

König Harald V. und die Ansprache, die ein ganzes Land bewegte

Es war der 21. Mai, als sich der damals 89-Jährige in einem Video an sein Land wandte, das der norwegische Fußballverband unter strengster Geheimhaltung produziert hatte. Der König verkündete den WM-Kader – zum ersten Mal seit 1998 war Norwegen wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei. Er sprach von einem Team, das aus dem ganzen Land komme, aus kleinen und großen Vereinen, dort, wo der Fußball vielen viel bedeutet. Und er sagte den Satz, den in Norwegen seitdem jeder kennt: „Wir haben lange gewartet."

Dann kamen die Namen. Auf dem Rücken eines pflügenden Bauern stand Braut Haaland. Ein Junge blickte zu einem roten Trikot mit dem Namen Thorstvedt auf. Ein Name war mit schwarzem Stift auf einen weißen Fußballschuh geschrieben. Fünf Minuten, in denen ein 89-jähriger Monarch seinem Volk erklärte, worauf es sich freuen darf.

Was dann geschah, hätte kaum jemand zu hoffen gewagt: Norwegen kam bei der WM 2026 erstmals überhaupt ins Viertelfinale. Am 13. Juli empfing der König die Mannschaft im Schloss. Nationaltrainer Ståle Solbakken legte dem sichtlich gerührten Harald die Hand auf die Schulter und bedankte sich für seine Unterstützung. Es war einer der letzten Termine, bei denen ihn sein Land so erlebte: lachend, mittendrin, ganz nah.

Was König Harald V. seinem Volk bedeutete

35 Jahre lang saß er auf dem norwegischen Thron. Am 17. Januar 1991 hatte er die Nachfolge seines Vaters Olav V. angetreten und dessen Wahlspruch übernommen: „Alles für Norwegen." Für viele Norweger war er weniger Staatsoberhaupt als moralische Instanz. In Gummistiefeln besuchte er Katastrophengebiete. Als „Sportkönig" verpasste er kaum ein großes Pokalfinale.

Nach dem rechtsextremen Terroranschlag von 2011, bei dem 77 Menschen starben, fand er in einer Fernsehansprache mit zitternder Stimme Worte, die bis heute nachhallen: Die Freiheit sei stärker als die Angst. 2016 hielt er eine viel beachtete Rede für Toleranz gegenüber allen Lebensweisen.

Kaum bekannt ist, wie lange er auf sein eigenes Glück warten musste. Neun Jahre kämpfte der Kronprinz darum, die bürgerliche Kaufmannstochter Sonja Haraldsen heiraten zu dürfen. Am 29. August 1968 gaben sie sich im Osloer Dom das Jawort. Fast 58 Jahre später hielt sie am Freitagmorgen wieder seine Hand.

König Harald V.: Die letzten Wochen im Rikshospitalet

Seit dem 17. August lag er im Osloer Nationalkrankenhaus. Der Hof sprach zunächst von zwei Wochen Krankschreibung. Am Donnerstag teilte das Königshaus mit, dass sein Zustand sehr ernst sei. Es war nicht die erste schwere Zeit: 2024 wurde ihm nach einer Infektion im Urlaub ein Herzschrittmacher eingesetzt, im Februar 2026 lag er auf Teneriffa im Krankenhaus.

Ans Aufhören dachte er nie. Seinen Eid, sagte er einmal, habe er dem Storting auf Lebenszeit geleistet. Daran hielt er sich bis zum letzten Tag.

Nach König Harald V.: Haakon VIII. ist Norwegens neuer König

In dem Moment, in dem sein Vater starb, wurde Haakon zum König. Der 53-Jährige berief noch am Vormittag einen außerordentlichen Staatsrat im Schloss ein und trägt künftig den Namen Haakon VIII. Seine Frau Mette-Marit wird Königin, Königin Sonja behält ihren Titel. Neue Kronprinzessin ist die 22-jährige Ingrid Alexandra – sie wird eines Tages Norwegens erste regierende Königin seit Jahrhunderten sein.

Was bleibt, ist das Bild eines alten Mannes, der seinem Land noch einmal sagen wollte, worauf es sich freuen darf – und der lange genug lebte, um zu sehen, dass sich das Warten gelohnt hat.