Für viele Fans von „Der Bergdoktor“ ist Hans Sigl (56) das Gesicht der Reihe – doch in den 1990er-Jahren prägte Schauspieler Gerhart Lippert (88) die Figur des Alpenarztes zuerst. In der SAT.1-Serie spielte er Dr. Thomas Burgner, einen Münchner Mediziner, der im fiktiven Tiroler Ort Sonnenstein eine Praxis eröffnete und Teil der Dorfgemeinschaft wurde.
Nach Unfall: Gerhart Lippert zieht sich aus Öffentlichkeit zurück
Was aus dem Volksschauspieler geworden ist, beschäftigt viele Zuschauer noch heute. Nach seinem letzten TV-Auftritt 2011 in „Da Bauern Nero“, einer Aufzeichnung des Chiemgauer Volkstheaters, wurde es still um ihn. Anfang 2012 stürzte Lippert in seinem Haus in Tirol und erlitt schwere Kopfverletzungen. Weitere Engagements wollte er danach nicht mehr annehmen.
Details zu seiner Genesung drangen nicht an die Öffentlichkeit, auch sein aktueller Gesundheitszustand ist unbekannt. Seine dritte Ehefrau, Sängerin Maria Neuhaus, betonte 2018 lediglich, sie und ihr Mann hätten „wunderbare Jahre zusammen erlebt“ und sie sei „immer für ihn da.“
„Bergdoktor hat mir geschadet“ – Lippert wird ehrlich
Trotz des großen Erfolgs sah Lippert seine Zeit als TV-Arzt kritisch. In einem Interview mit „Hallo München“ sagte er offen: „Der Bergdoktor hat mir beruflich und familiär geschadet.“ Größere Rollen seien nach der Serie kaum noch an ihn herangetragen worden. „Anspruchsvolle Rollen habe ich seitdem leider nicht mehr bekommen“, so der Schauspieler.
Er fühlte sich in die „Unterhaltungsschublade“ gedrängt und konnte den Stempel nie mehr ablegen. Selbst seine Töchter bekamen die Popularität der Figur zu spüren: „Da heißt's dann immer nur ‚die Dirndln vom Bergdoktor‘, das nervt sie natürlich.“ Die enge Verbindung zur Rolle entsprach nicht seinem Selbstbild als wandlungsfähiger Darsteller.
Gerhart Lippert war Theaterstar und TV-Gesicht
Dabei hatte Gerhart Lippert seine Karriere weit vor dem Serienarzt aufgebaut. Nach der Schauspielausbildung in München stand er an den Münchner Kammerspielen auf der Bühne, verließ das Haus jedoch bewusst, um unterschiedliche Theatererfahrungen zu sammeln. Ab den 1960er-Jahren folgten TV-Rollen in Reihen wie „Alarm in den Bergen“ und „Der Forellenhof“.
Besonders im BR-„Komödienstadel“ wurde er zum Publikumsliebling: In den 1970er-Jahren spielte er in Stücken wie „Die drei Eisbären“ oder „Das sündige Dorf“ häufig den charmanten Liebhaber und idealen Schwiegersohn. „Gute Volksschauspieler sind schließlich Leute, mit denen sich das Publikum identifiziert“, erklärte er rückblickend im Gespräch mit „Hallo München“.