„Ein Herz und eine Seele“ gehört zu den großen TV-Legenden der siebziger Jahre. Die ARD-Produktion lief nur zwei Staffeln lang, doch die bissigen Dialoge rund um Familienvater Alfred Tetzlaff machten die Serie unsterblich. Besonders die Episode „Silvesterpunsch“ hat sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und läuft bis heute traditionell zum Jahreswechsel. Hinter der derben Komik verbirgt sich jedoch eine Produktionsweise, die im deutschen Fernsehen ihrer Zeit voraus war – und ein Privatleben der Stars, das direkt in die Serienwelt hineinwirkte.
Hildegard Krekel und Diether Krebs als Liebespaar am Set
Schauspielerin Hildegard Krekel, die in der Serie Tochter Rita spielt, und Komiker Diether Krebs, der Schwiegersohn Michael verkörpert, waren während der Dreharbeiten auch privat ein Paar. Die beiden verband eine ernsthafte Beziehung, auch wenn sie nie heirateten. Besonders pikant: Krekel ebnete Krebs überhaupt erst den Weg in die Kult-Produktion, indem sie ihm die Rolle des politisch linken „Sozi-Schwiegersohns“ verschaffte. Die Chemie zwischen den beiden verlieh den Szenen am Wohnzimmertisch eine zusätzliche Intensität.
Tägliche Drehs mit Publikum und aktuellen Themen
Eine Besonderheit von „Ein Herz und eine Seele“ war die tagesaktuelle Produktion: Die jeweils neue Folge wurde am Tag der Ausstrahlung vor Publikum aufgezeichnet. Dadurch konnten politische und gesellschaftliche Entwicklungen unmittelbar in die Dialoge einfließen. Familienoberhaupt Alfred, gespielt von Heinz Schubert, polterte dabei regelmäßig gegen die SPD, äußerte sich ausländerfeindlich und legte ein generell menschenverachtendes Weltbild an den Tag. Schwiegersohn Michael stand ihm als linksliberaler Gegenpol gegenüber. Dieses Konzept verlieh der Serie eine Brisanz, die im deutschen Fernsehen damals kaum üblich war – und machte jede Episode zu einem zeitgeschichtlichen Dokument.
„Silvesterpunsch“: Rechtschreibfehler im Kult-Vorspann
Die Silvesterfolge „Silvesterpunsch“ gilt als berühmteste Episode der Reihe und läuft seit Jahrzehnten zum Jahreswechsel im TV. Dabei begann alles mit einem Fehler: Bei der Erstausstrahlung 1973 trug die Folge im Vorspann den Titel „Der Sylvesterpunsch“ – ein klarer Rechtschreibpatzer, denn die Schreibweise mit Y ist nur als Vorname korrekt. Dieser Lapsus blieb im Originalvorspann erhalten und sorgt bis heute für ein Schmunzeln, wenn der Punsch im Wohnzimmer der Tetzlaffs immer stärker wird und die Stimmung eskaliert. In Fernsehzeitschriften wurde der Titel später stillschweigend korrigiert.
Erste Farbfolge und spontane Notbesetzung am Rosenmontag
„Silvesterpunsch“ markierte noch einen weiteren Wendepunkt: Es war die erste Folge der Serie, die in Farbe ausgestrahlt wurde. Zuvor mussten sich die Zuschauer mit Schwarz-Weiß-Bildern begnügen, ab dem 31. Dezember 1973 leuchtete das Wohnzimmer der Tetzlaffs dann bunt über die Bildschirme. Die spontane Produktionsweise brachte aber auch Probleme mit sich. So musste bei der Episode „Rosenmontagszug“ kurzfristig umdisponiert werden: Eine vorgesehene Nebendarstellerin war am Drehtag zu betrunken, um vor die Kamera zu treten. Regieassistentin Ilse Hofmann sprang kurzerhand selbst ein und rettete so die Aufzeichnung.
Heute sind alle Hauptdarsteller verstorben, doch ihre Arbeit wirkt weiter – die Serie bleibt ein fester Bestandteil der deutschen TV-Geschichte.