Wenige Tage vor seinem Ehrentag hat Glatzeder im Gespräch mit der „SuperIllu" sein Schweigen gebrochen: Seine geliebte Ehefrau Marion ist vor rund drei Monaten gestorben, kurz vor ihrem 78. Geburtstag. 56 Jahre war sie an seiner Seite gewesen.
„Ich werde den Kloß im Hals einfach nicht los. Ein großer Teil meines Lebens ist weggebrochen, es ist schrecklich", sagt Glatzeder im Interview. Marion war an den Folgen der unheilbaren Lungenkrankheit COPD gestorben. Erst jetzt, in den Wochen rund um seinen eigenen Geburtstag, hat der Schauspieler die Kraft gefunden, öffentlich darüber zu sprechen. Eine Geste, die mehr verrät als tausend Worte: Wie tief diese Liebe reichte.
Winfried Glatzeder: Eine Liebe, die in Babelsberg begann
Ihre Geschichte begann 1967 an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg. Winfried, ein junger, unkonventioneller Schauspielstudent. Marion, ebenfalls Studentin, die später Lehrerin werden sollte. Drei Jahre später, 1970, gaben sich die beiden das Jawort. Zwei Söhne kamen zur Welt, darunter Robert Glatzeder, der heute selbst Schauspieler ist.
Marion war die Frau, die ihm den Rücken freihielt – nicht im Schatten, sondern als gleichberechtigte Partnerin. Während Winfried Filmgeschichte schrieb, organisierte sie das Familienleben, führte den Haushalt und ging gleichzeitig ihrem eigenen Beruf nach. „Ohne sie hätte ich diese Karriere gar nicht machen können", sagt der DEFA-Star heute. Ein Satz, der bei vielen Hollywood-Größen leer klingen würde – bei Glatzeder klingt er wahr.
Winfried Glatzeder und „Paul und Paula": Der Kult-Moment der DDR
Den ganz großen Durchbruch erlebte Glatzeder 1973 mit dem DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula" an der Seite von Angelica Domröse. Die Liebesgeschichte des verheirateten Verkäufers Paul, der sich in die alleinerziehende Paula verliebt, traf einen Nerv in der DDR. Heute gilt der Film als einer der wichtigsten Filme der DDR-Kinogeschichte. Glatzeder wurde zum „Belmondo des Ostens" – ein Etikett, das den eigenwilligen, lakonischen Schauspielstil des Berliners trefflich beschrieb.
Auch in „Zeit der Störche" und „Till Eulenspiegel" begeisterte Glatzeder das Publikum. 1982 wagte die Familie den Schritt nach West-Berlin – ein einschneidender Bruch. In den Neunzigern erreichte er ein neues Publikum: Von 1996 bis 1998 ermittelte er als Kommissar Ernst Roiter im „Tatort". Seitdem ist er vor allem auf den Theaterbühnen zu Hause. 2014 und 2024 sah man ihn sogar zweimal im RTL-Dschungelcamp – mit fast 80 Jahren als Kult-Veteran der Show.
Winfried Glatzeder: „Ich muss da alleine durch"
Trost findet der 81-Jährige bei seinen beiden Söhnen, die ihn auffangen. „Meine Söhne kümmern sich rührend um mich, aber ich muss da alleine durch", sagt er. Marion sei „ein unglaublich respektvoller und liebenswürdiger Mensch" gewesen. Der Schmerz wird bleiben, das weiß Glatzeder. Aber er weiß auch, dass er Marion das Beste schuldet, was er kann: weiterzumachen.
In gewisser Weise hat dieser 81. Geburtstag dadurch eine besondere Würde bekommen. Es ist nicht nur das Fest eines Schauspielers, der ein außergewöhnliches Leben gelebt hat. Es ist auch der erste Geburtstag eines Mannes, der gelernt hat, was er an seiner Frau gehabt hat. 56 gemeinsame Jahre – diese Liebe wird ihn weiter tragen.