Dragqueen Olivia Jones (56) wird oft mit Glitzer, Haltung und scharfem Humor verbunden. Nun spricht sie so offen wie selten über die schweren Erfahrungen ihrer Kindheit und Jugend. Im Mittelpunkt stehen die Folgen eines Familiendramas, das lange nachwirkte: der Absturz des Vaters, gesellschaftlicher Druck und eine Mutter, die mit der Situation selbst überfordert war.

Olivia Jones spricht über die Distanz zur Mutter

Statt schillernder Fassade rückt diesmal der Mensch hinter der Kunstfigur in den Vordergrund. Dabei wird deutlich, wie tief Scham und Zurückweisung das spätere Leben der Hamburger Entertainerin geprägt haben. Besonders schmerzhaft war für Olivia Jones das Verhalten ihrer Mutter in der Öffentlichkeit.

„Meine Mutter ging nicht mehr mit mir auf die Straße“, sagte Olivia Jones der „Bild“. In der niedersächsischen Provinz habe sie das Auto weit entfernt von der Schule geparkt, um nicht gemeinsam mit ihrem Sohn gesehen zu werden. Dazu kam die Angst vor dem Urteil anderer.

Nach dem kriminellen Absturz des Vaters lastete enormer Druck auf der Familie. Die Mutter habe immer wieder gefragt, was die Leute über sie denken könnten. Für Olivia Jones wurde dieses Klima zu einer frühen Erfahrung von Ausgrenzung.

Olivia Jones und ihre Mutter: Sieben Jahre kaum Kontakt

Die Verletzungen führten später zu einem harten Bruch. Nach dem Umzug nach Hamburg bestand zwischen Mutter und Kind über Jahre fast kein Kontakt mehr. Erst eine gemeinsame Therapie brachte eine Wende. Olivia Jones schilderte, wie wichtig die Begleitung durch eine außenstehende Person gewesen sei.

Die Sitzungen halfen ihr, Verdrängtes nicht länger wegzuschieben, sondern sich den alten Wunden zu stellen. Damit begann ein Prozess, in dem nicht nur Schmerz benannt, sondern auch Verständnis möglich wurde.

Vater von Olivia Jones floh nach Brasilien

Zum familiären Hintergrund gehört auch die Geschichte des Vaters, der 1,9 Millionen Mark veruntreut haben soll und nach Brasilien floh. Dieses Kapitel belastete die Familie zusätzlich und verstärkte das Gefühl, unter Beobachtung zu stehen.

Wie die „Bild“ berichtet, wurde Olivia Jones in jungen Jahren nicht nur mit Ablehnung im direkten Umfeld konfrontiert, sondern auch mit den Folgen eines öffentlichen Makels, der auf der Familie lag. Die Mischung aus Scham, Angst und gesellschaftlichem Druck traf damit nicht nur sie selbst.

Heute blickt Olivia Jones versöhnlicher auf alles

Heute spricht Olivia Jones deutlich milder über ihre Mutter als früher. Sie sehe sie inzwischen ebenfalls als Betroffene, weil auch sie ausgegrenzt und diskriminiert worden sei. Diese neue Sichtweise habe geholfen, Frieden mit der Vergangenheit zu schließen.

Auch die Lebensverfilmung „Olivia“ im ZDF greift Teile dieser Geschichte auf, wie „tvspielfilm.de“ berichtet. Dort wird auch ein Satz thematisiert, der sich tief eingebrannt hat: „So Leute wie du sind Abschaum!“ Olivia Jones ordnet ihn heute anders ein. Gemeint gewesen sei weniger ihr Wesen als der Blick einer Gesellschaft, die Anderssein lange nicht akzeptierte.