Am Eingang der Horst-Schimanski-Gasse in Duisburg-Ruhrort blickt eine Bronze-Büste von Götz George (✝77) auf Passanten herab. Dort starten noch immer Touren zu den Drehorten der alten „Tatort“-Folgen und der späteren Schimanski-Serie, oft inklusive Currywurst. Vor allem ältere Duisburger halten die Erinnerung an den ruppigen Kommissar lebendig.
Götz George machte Schimanski zur Kultfigur
Gerade zum zehnten Todestag des Schauspielers, am 19. Juni 2026, wird deutlich, wie stark George das Bild des Ruhrgebiets und des deutschen Fernsehens geprägt hat. Als Götz George 1981 erstmals als Horst Schimanski im „Tatort“ auftrat, brachte er einen völlig neuen Ermittlertyp ins deutsche Fernsehen.
Er war laut, körperlich, fluchend und alles andere als geschniegelt. Damit stieß er anfangs nicht nur auf Begeisterung. In Duisburg fürchteten Stadt und Polizei zeitweise um ihr Ansehen, weil der Kommissar vielen zu ruppig erschien. Später wandelte sich das Bild deutlich. Laut dem WDR wurde Schimanski für viele Menschen im Ruhrgebiet zu einer Identifikationsfigur.
Schauspieler Götz George war weit mehr als nur „Schimmi“
Dabei begann seine Karriere lange vor dem TV-Erfolg. Schon als Jugendlicher stand George vor der Kamera und spielte später in Karl-May-Filmen, die ihn zum Publikumsliebling machten. Danach zeigte er enorme Bandbreite in Komödien wie „Schtonk!“ und „Rossini“.
Aber auch in düsteren Rollen wie dem Serienmörder Fritz Haarmann in „Der Totmacher“ konnte er brillieren. „Er hat mich begleitet und mir sehr viel Glück gebracht“, sagte Götz George einst über Schimanski. Trotzdem wollte er nie auf diese eine Rolle reduziert werden.
Heinrich George blieb ein prägender Schatten
Privat und künstlerisch trug Götz George ein schweres Erbe mit sich. Sein Vater Heinrich George war ein gefeierter Schauspieler, zugleich aber wegen seiner Nähe zum NS-Regime bis heute umstritten. Der Sohn blickte zeitlebens zu ihm auf und rang doch mit diesem Schatten.
Besonders deutlich wurde das in dem Doku-Drama „George“, in dem er seinen Vater selbst verkörperte. Diese Auseinandersetzung zeigt, wie ernst George seinen Beruf nahm und wie sehr ihn Fragen von Haltung, Geschichte und künstlerischer Verantwortung beschäftigten.
Duisburg erinnert sich, Berlin tut sich schwer
Während George in Duisburg bis heute sichtbar bleibt, fällt die Würdigung in seiner Geburtsstadt Berlin deutlich kleiner aus. Weder eine Straße noch ein Platz tragen dort bislang seinen Namen, obwohl nach seinem Tod große Worte folgten.
Wie „berliner-kurier.de“ berichtet, gibt es auch zum zehnten Todestag kaum offizielle Erinnerungsprojekte. Umso stärker wirkt, was von ihm geblieben ist: ein Schauspieler mit Wucht, Eigensinn und großer Wandlungsfähigkeit. Oder, wie ein Duisburger über ihn sagte: Wer seine Filme heute sehe, erkenne noch immer einen großen Schauspieler.