Am 13. Mai 2026 wurde Stevie Wonder 76 Jahre alt. Stevland Hardaway Judkins Morris, wie er bürgerlich heißt, kam 1950 im Krankenhaus von Saginaw in Michigan zur Welt – als drittes von sechs Kindern der Songwriterin Lula Mae Hardaway und ihres damaligen Mannes Calvin Judkins. Was unter normalen Umständen ein neuer Lebensanfang geworden wäre, wurde zur Wegmarke einer Lebensgeschichte voller Wunder. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Stevie Wonder und das Wunder seiner Geburt
Der kleine Stevland kam sechs Wochen zu früh auf die Welt. Im Inkubator wurde er mit hohen Sauerstoffkonzentrationen beatmet – damals eine übliche Praxis bei Frühchen, deren Lungen noch nicht voll ausgebildet waren. Bei vielen Babys jener Zeit führte das zu einer schweren Augenerkrankung, der Frühgeborenen-Retinopathie. So auch bei Stevie. Seine Netzhaut löste sich ab. Das Kind erblindete. Was viele nicht wissen: Auch zu Hause war die Welt für den kleinen Stevland alles andere als geborgen. Seine Mutter Lula lebte mit Calvin Judkins in einer von Armut und Gewalt geprägten Beziehung. Sie verließ ihn, als Stevie vier Jahre alt war, und zog mit den Kindern nach Detroit. Dort begann er, im Kirchenchor der Whitestone Baptist Church zu singen. Und seine eigentliche Sprache zu finden: die Musik.
Stevie Wonder und der Tag, an dem alles begann
Mit neun Jahren beherrschte er bereits Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug. 1961, mit gerade einmal elf Jahren, sang Stevie Wonder Ronnie White von den Miracles seine eigene Komposition „Lonely Boy" vor. White brachte das Kind und seine Mutter zu Motown-Chef Berry Gordy. Der nahm den Jungen unter Vertrag, und Produzent Clarence Paul taufte ihn auf „Little Stevie Wonder". Schon 1963 stürmte „Fingertips, Part 2" die US-Charts – Stevie war 13 Jahre alt und damit der jüngste Künstler aller Zeiten, der die Billboard Hot 100 anführte. Aus dem armen blinden Kind aus Detroit war ein Weltstar geworden.
Stevie Wonder und die neun Kinder, die niemand zählen kann
In den 1970er Jahren stieg Stevie Wonder zu einem der größten Künstler der Welt auf. Alben wie „Innervisions", „Talking Book" und „Songs in the Key of Life" gelten heute als musikalische Meilensteine. 25 Grammys, über 100 Millionen verkaufte Tonträger, ein lebenslanger Vertrag bei Motown. Doch auch privat lebte er sein Leben groß. Stevie Wonder hat neun Kinder von mehreren Frauen. Seit 2017 ist er in dritter Ehe mit der Modedesignerin Tomeeka Bracy verheiratet. Mit ihr hat er die jüngsten beiden Kinder. Sein erster großer Hit für eine Tochter, „Isn't She Lovely", entstand 1976 nach der Geburt seiner Tochter Aisha aus der Beziehung mit Yolanda Simmons. Es wurde einer der schönsten Vaterlieder der Popmusik.
Stevie Wonder und das Mysterium um seine Augen
Was viele nicht wissen: Seit Jahren kursieren in den USA hartnäckige Theorien, Stevie Wonder sei in Wahrheit gar nicht blind. Im November 2025 sorgte er selbst dafür, dass das Thema neu aufflammte. Vor einem Kamerateam des Klatschportals „TMZ" sagte er sinngemäß, er werde „im Laufe dieses Jahres die Wahrheit über sein Augenlicht sagen". Die einen lachten und hielten es für einen typischen Stevie-Wonder-Scherz, mit dem er nervige Paparazzi in die Wüste schickt. Die anderen spekulieren bis heute. Fakt bleibt: Seine Frühgeborenen-Retinopathie ist medizinisch zweifelsfrei dokumentiert. Wahrscheinlich war es einer dieser Momente, in denen der Soulkönig sich einen Spaß auf Kosten der Sensationsreporter erlaubt hat. Aber wer Stevie Wonder kennt, weiß: Bei ihm weiß man nie.
Stevie Wonder und das, was bleibt
Mit 76 Jahren ist Stevie Wonder noch immer auf Tour. 2026 sind bereits weitere Konzerte angekündigt. Vor einigen Jahren musste er pausieren – im Februar 2020 sprach er offen über eine bevorstehende Nierentransplantation. Heute steht er wieder auf der Bühne. „Ich habe es niemals als Nachteil empfunden, blind zu sein", sagte er einmal in einem Interview. „Und ich habe es niemals als Nachteil empfunden, schwarz zu sein. Ich bin, was ich bin. Ich liebe mich!" Vielleicht ist genau das die schönste Pointe einer Lebensgeschichte, die in einem Inkubator begann und bis heute andauert. Wer als Frühchen nicht sieht, lernt manchmal besser hören als alle anderen. Und wer am Anfang ein Wunder war, bleibt es ein Leben lang.