Noch im Februar 2026 wurde bekannt: Die Oscar-Gewinnerin übernimmt die Hauptrolle im neuen Film von „Mad Men"-Erfinder Matthew Weiner. „Margret and Stevie" heißt das Werk – und es erzählt die berührende Geschichte einer Holocaust-Überlebenden, der die Welt Millionen glücklicher Kinderlächeln zu verdanken hat.
Shirley MacLaine spielt darin Margret Rey, die geniale Mitschöpferin der Kinderbuchfigur „Coco der neugierige Affe" – in Deutschland bekannt als „Neugieriger George". Eine deutsch-jüdische Autorin und Illustratorin, die 1940 vor den Nazis aus Paris fliehen musste und sich mit ihrem Mann auf Fahrrädern in die Freiheit rettete. Mit im Gepäck: das Manuskript ihres späteren Weltbestsellers.
Shirley MacLaine: Ruhestand? Ein Fremdwort
Dass Shirley MacLaine mit 92 noch Hauptrollen übernimmt, hat selbst Hollywood sprachlos gemacht. Doch die Legende denkt nicht ans Aufhören. Parallel steht sie für den Film „Lucy Boomer" an der Seite des jungen Stars Ansel Elgort vor der Kamera. 2024 drehte sie „People Not Places" bei Regisseur Brad Furman – dort spielt sie eine rüstige Frau, die eine ungewöhnliche Freundschaft mit einem Obdachlosen schließt.
Bereits zu ihrem 90. Geburtstag schrieb MacLaine damals in einem Newsletter an ihre Fans: Sie werde den Tag mit ein paar guten Freunden verbringen und tun, was ihr immer noch Spaß mache – „einen neuen Film drehen – was für eine wunderbare Art und Weise zu feiern!"
Was ist ihr Geheimnis? Das hat sie selbst 2020 dem Magazin „Variety" verraten: „Auch wenn ich den Menschen die Wahrheit sage, bin ich kein Diva. Das verdanke ich meiner Ballettausbildung seit dem dritten Lebensjahr. Ich muss immer wieder auf diese Wurzeln zurückgehen – harte, ehrliche Arbeit."
Shirley MacLaine: Vom Ballettkind zum Hollywood-Star
Ihre Geschichte beginnt am 24. April 1934 in Richmond, Virginia. Geboren wurde sie als Shirley MacLean Beaty – Tochter des Musikers Ira Beaty und der Schauspiellehrerin Kathlyn MacLean. Ihr jüngerer Bruder sollte später auch kein schlechter Schauspieler werden: Warren Beatty, heute eine der großen Hollywood-Legenden.
Mit drei Jahren begann Shirley mit Ballettunterricht an der Washington School of Ballet, mit vier stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. 1952, mit gerade 18 Jahren, zog sie nach New York und kämpfte sich am Broadway nach oben. Aus MacLean wurde MacLaine. Und 1954 passierte das, was nur in Hollywood-Filmen passiert: In der Musical-Produktion „The Pajama Game" war sie Zweitbesetzung der Tänzerin Carol Haney. Als Haney sich verletzte, übernahm Shirley – und der Regisseur Hal B. Wallis saß im Publikum. Der Rest ist Geschichte.
Shirley MacLaine und der Oscar: Ein Kampf über 25 Jahre
Schon 1955 spielte sie in Alfred Hitchcocks „Immer Ärger mit Harry" ihre erste Kinorolle. Dann ging es Schlag auf Schlag: „In 80 Tagen um die Welt" (1956), „Verdammt sind sie alle" (1958) und natürlich „Das Appartement" (1960) mit Jack Lemmon unter der Regie von Billy Wilder – ein Meilenstein des amerikanischen Kinos.
Doch der Oscar ließ auf sich warten. Vier Nominierungen als Hauptdarstellerin gingen leer aus. Erst 1984 kam der große Triumph: Für ihre Rolle als kratzbürstige Witwe Aurora Greenway in „Zeit der Zärtlichkeit" holte sie endlich die begehrte Trophäe. „Das habe ich verdient", sagte sie damals triumphierend auf der Bühne. Und recht hatte sie. Fünf Oscar-Nominierungen als Hauptdarstellerin, dazu Golden Globes, Emmys und der AFI Lifetime Achievement Award – kaum eine Schauspielerin ihrer Generation kann diese Bilanz vorweisen.
Shirley MacLaine privat: Die Liebe zu Robert Mitchum
Was kaum jemand weiß: Hinter Shirley MacLaines strahlendem Hollywood-Lächeln verbirgt sich auch eine Geschichte der großen Sehnsucht. 1954 heiratete sie den Produzenten Steve Parker, 1956 kam Tochter Stephanie Sachiko („Sachi") zur Welt. Doch die Ehe war von Anfang an eine Distanzbeziehung. Parker arbeitete in Japan, Shirley in Hollywood. 1982 wurde die Ehe geschieden.
Die große Liebe ihres Lebens war Hollywood-Legende Robert Mitchum. Von 1962 bis 1964 hatten die beiden eine intensive Liebesbeziehung. Mitchum war verheiratet, entschied sich letztlich für seine Frau und seine Kinder. Shirley blieb zurück. Eine neue Ehe hat sie nie mehr gewagt.
Shirley MacLaine: Die spirituelle Pionierin
Neben ihrer Schauspielkarriere hat Shirley MacLaine seit den 1970er Jahren über ein Dutzend Bücher veröffentlicht – autobiografische Werke, aber auch Bücher über Spiritualität, frühere Leben und ihren Glauben an höhere Dimensionen. Manche ihrer Aussagen haben sie in Kontroversen gebracht, andere zu einer Kultfigur gemacht. Bis heute lebt sie abgeschieden auf einer kleinen Farm bei Santa Fe in New Mexico und in Malibu – fernab vom Hollywood-Glamour, aber trotzdem immer noch mittendrin, wenn ein Regisseur anruft.
Shirley MacLaine: Schönheit ohne Filter
Während viele Hollywood-Kolleginnen im Alter mit Botox und Fillern kämpfen, hat Shirley ihren eigenen Weg gewählt. Vor rund 40 Jahren ließ sie sich ein einziges Mal liften. Seither steht sie zu ihren Falten. „Ich habe mich in meine Falten verliebt", verriet sie 2007 dem „Guardian". „Ich finde die Idee wunderbar, 73 zu sein und fast auch so auszusehen."
Heute, fast zwanzig Jahre später, hat sie diese Haltung beibehalten. Spaziergänge am Strand von Malibu, Dehnübungen gegen Rückenprobleme, gesunde Ernährung – und vor allem: Arbeit, Arbeit, Arbeit. So bleibt Shirley MacLaine auch mit 92 die schillerndste, widerspenstigste und lebensbejahendste Dame Hollywoods.