Am 12. Mai 2026 wäre Miriam Pielhau 51 Jahre alt geworden. Die Fernseh- und Hörfunkmoderatorin starb am 12. Juli 2016 in Berlin im Alter von nur 41 Jahren – auf den Tag genau zwei Monate nach ihrem letzten Geburtstag. Für eine ganze Mediengeneration war sie ein Stück Sonntagvormittag, ein Stück Big Brother, ein Stück „taff" – und am Ende ein Stück Mut, das ganz Deutschland an die Aufklärung über Brustkrebs erinnerte.

Miriam Pielhau und das Mädchen aus Heidelberg

Miriam Pielhau kam am 12. Mai 1975 in Heidelberg zur Welt. Ihr Vater war Iraner, ihre Mutter Deutsche – eine Mischung, die ihr Aussehen und ihr Wesen prägte. Bis zu ihrem 13. Lebensjahr wuchs sie in Heidelberg auf, dann zog die Familie nach Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen. Dort machte sie 1994 Abitur am Johannes-Althusius-Gymnasium und begann anschließend an der Universität Siegen ein Studium der Germanistik und Anglistik. Nach vier Semestern brach sie ab. Es zog sie in die Medien.

Was viele nicht wissen: Schon als kleines Mädchen nahm sie Tanzunterricht – von 1984 bis 1998. Später kamen Gesang und Schauspiel dazu. Eine junge Frau, die früh wusste, dass ihre Bühne nicht die Universität sein würde.

Miriam Pielhau und der Aufstieg vor der Kamera

Pielhau startete beim Radio Siegen und arbeitete sich über 1 Live und EinsLive TV (WDR) hoch. 2001 wurde sie Chefredakteurin der Internet-TV-Sendung NBC GIGA – und gewann dafür den Grimme Online Award. Es folgten die Oscarverleihungen 2003 und 2004 für das deutsche Fernsehen, ProSieben-„taff" gemeinsam mit Dominik Bachmair, später „Weck Up" auf Sat.1. 2008 und 2009 moderierte sie zwei Staffeln „Big Brother". Sie war ein Allround-Talent, sympathisch, klug, mit jener seltenen Mischung aus Tiefe und Boulevardtauglichkeit, die im Fernsehen heute kaum noch jemand mitbringt. Wer sie damals sah, ahnte nicht, dass im Hintergrund schon die Geschichte begann, die ihr Leben bestimmen sollte.

Miriam Pielhau und die Krankheit, die sie zur Aufklärerin machte

Im Frühjahr 2008 wurde bei Miriam Pielhau zum ersten Mal Brustkrebs diagnostiziert. Sie war damals 32 Jahre alt. Nach einer Chemotherapie galt sie als geheilt. Statt sich zurückzuziehen, wählte sie den umgekehrten Weg. Sie sprach öffentlich über ihre Erfahrungen, schrieb 2011 das Buch „Fremdkörper", arbeitete für die Stiftung Deutsche Krebshilfe, machte Mut, klärte auf. „Miriam Pielhau hat vielen Betroffenen im Kampf gegen den Krebs Mut gemacht und ihnen Hoffnung gegeben", sagte Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, nach ihrem Tod. Es war eine seltene, sehr eigene Form der Würde – ihre Krankheit nicht zu verstecken, sondern zu teilen.

Miriam Pielhau und das größte Glück ihres Lebens

Im Mai 2012 brachte Miriam Pielhau ihre Tochter Mia zur Welt. Gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann Thomas Hanreich, den sie 2003 geheiratet hatte. Was sich auf dem Papier wie eine glückliche Familienphase liest, war in Wahrheit kompliziert. 2013 trennten sich Hanreich und Pielhau, das Ehe-Aus wurde im Juni 2013 öffentlich.

Im Januar 2014 kam die nächste Diagnose: Der Krebs war zurück, mit Metastasen. Ein Jahr später, im Januar 2015, wurden zudem Lebermetastasen festgestellt. Und doch schien es im Februar 2016 noch einmal, als hätte sie die Krankheit besiegt. „Ich bin krebsfrei", erklärte sie im März 2016 in einem Interview. Sie nannte es selbst „ein Wunder". Es war die Grundlage für ihr letztes Buch.

Miriam Pielhau und „Dr. Hoffnung" – das Vermächtnis

2016 erschien ihr Buch „Dr. Hoffnung – Die Geschichte eines echten Wunders". Es war die Geschichte ihrer scheinbaren Heilung, ein Lebenszeichen, ein Manifest des Mutes. „Das Wort Wunder fiel bei meinen Ärzten, weil es eine absolut unwahrscheinliche Entwicklung war. Laut Statistik würde es mich heute nicht mehr geben", erklärte sie Ende Juni 2016 bei Hitradio FFH. Nur zwei Wochen später war sie tot. Es ist eine fast unerträgliche Pointe einer Lebensgeschichte. Doch das Buch blieb. Es liegt heute auf vielen Nachttischen krebskranker Frauen. Es ist Trost und Begleiter zugleich. Pielhaus eigentliches Vermächtnis aber war kleiner und größer zugleich: ihre Tochter Mia, die beim Tod der Mutter gerade vier Jahre alt war.

Miriam Pielhau und die Tochter, die ihre Mutter nie ganz kannte

Mia ist heute 14 Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Vater Thomas Hanreich, der nach dem Tod der Mutter das alleinige Sorgerecht übernahm. Über das Leben der inzwischen jugendlichen Mia ist wenig öffentlich bekannt – und das ist gut so. Pielhaus engste Freunde und Wegbegleiter haben in den Jahren nach ihrem Tod immer wieder darauf bestanden, dass Mia in Ruhe aufwachsen darf.

Was bleibt, sind Bilder einer Mutter, die ihre Tochter über alles geliebt hat. Sätze aus Interviews. Eine Stimme im Radio, eine Frau im Fernsehen. Und ein Buch, das Mia eines Tages aufschlagen kann, wenn sie wissen will, wer ihre Mutter war. Nicht die Moderatorin. Die Frau. „Bleib stark, mein Großes. Mama liebt Dich für immer", hatte Miriam Pielhau einmal auf Instagram geschrieben. Das ist der Satz, den eine Tochter mit ins Erwachsenenleben tragen kann.

Miriam Pielhau – warum wir sie nicht vergessen

Gestern wäre Miriam Pielhau 51 geworden. Sie wäre vielleicht heute eine der prägenden weiblichen Stimmen im deutschen Fernsehen, eine bekannte Buchautorin, eine Mutter eines Teenagers. Vielleicht würde sie immer noch lachen, wie sie damals gelacht hat, mit diesem leicht schräg geneigten Kopf. Und vielleicht hätte sie längst ein neues Buch geschrieben. Stattdessen bleibt ihr Werk, ihre Stimme, ihr Mut. Und Mia, die jedes Jahr am 12. Mai an die Frau denkt, die ihr das wichtigste Geschenk gemacht hat: das Leben.