Es gibt Stars, die haben markante Augen. Und es gibt Klausjürgen Wussow. Was kaum jemand wusste: Der elegante Schauspieler hatte zwei unterschiedlich gefärbte Augen. Iris-Heterochromie nennen Mediziner dieses seltene Phänomen, bei dem ein Mensch mit zwei verschiedenen Augenfarben durchs Leben geht. Bei Wussow war es so dezent, dass es selbst in der Großaufnahme der „Schwarzwaldklinik" kaum auffiel. Nur wer ganz genau hinsah, konnte das Geheimnis erahnen, das seinem Blick diese unverwechselbare Tiefe verlieh.
Zwei Augen, zwei Leben
Vielleicht war diese Besonderheit mehr als nur eine biologische Laune der Natur. Sie passte zu einem Mann, der sein Leben lang zwischen zwei Welten lebte. Der Junge aus dem pommerschen Cammin, dessen Vater 1939 im Zweiten Weltkrieg fiel, als er gerade zehn war. Der Knabe, der mit knapp 16 Jahren noch zur Wehrmacht eingezogen und verwundet wurde. Und später dann der Star, dem 28 Millionen Zuschauer am Sonntagabend bei der Visite im Glottertal zusahen.
Eigentlich wollte Wussow Arzt werden. Vielleicht war es genau deshalb, dass er den „Gott in Weiß" mit so viel Hingabe spielte. 70 Folgen lang verkörperte er Professor Klaus Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik" – die wohl erfolgreichste deutsche Familienserie aller Zeiten. Sein damaliger Burgtheater-Intendant Claus Peymann beurlaubte ihn nur für die Dreharbeiten. Doch es wurde ein Urlaub, aus dem er nie wieder ans Theater zurückkehrte.
Vier Ehen und ein Tagebuch voller Sehnsucht
Auch privat lebte Wussow zwei Welten. Vier Mal heiratete der charmante Schauspieler. Aus seiner Ehe mit der österreichischen Burgschauspielerin Ida Krottendorf gingen seine bekannten Kinder Barbara und Alexander Wussow hervor – beide ebenfalls beliebte Schauspieler. 1992 heiratete er die 26 Jahre jüngere Journalistin Yvonne Viehöfer, mit der er Sohn Benjamin bekam.
Doch ausgerechnet diese späte Liebe sollte zum bittersten Kapitel seines Lebens werden. 1999, während Dreharbeiten im mexikanischen Mérida, schrieb der damals 70-Jährige in sein Tagebuch: Hallo mein Schatz, er spreche von Sehnsucht – nach ihr, nach ihnen. Verrückte Welt. Verrücktes Lieben. Soll ich überhaupt zurückkommen? Yvonnes Antwort kam wie ein Schlag ins Gesicht: Sie habe sich verliebt. 2003 wurde die Ehe nach einem öffentlichen Rosenkrieg geschieden.
Vom „Gott in Weiß" zum Patienten
Die wohl bitterste Wendung kam zum Schluss. Der Mann, den eine ganze Nation als perfekten Arzt im Fernsehen erlebte, wurde am Ende selbst zum Patienten. Schon während der „Schwarzwaldklinik"-Filme von 2005 zeigten sich erste Anzeichen einer Demenz. Im Juli 2006 zog er in ein Pflegeheim in Strausberg in Brandenburg.
Nach mehreren Zusammenbrüchen und Schlaganfällen verstarb Klausjürgen Wussow am 19. Juni 2007 in Rüdersdorf bei Berlin im Alter von 78 Jahren. Was bleibt, ist das Bild eines Schauspielers, der seine Rollen mit Würde lebte – und eines Menschen mit zwei Augen, der die Welt vielleicht ein wenig anders sah als wir alle.