Hubert Aiwangers letzte Stunden in Berlin verliefen anders, als es seine Partei am Nachmittag noch erwartet hatte. Der bayerische Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident hielt sich für die Eröffnung des neuen Hauptstadtbüros der Freien Wähler in der Hauptstadt auf.
Dort sollte er am Mittwoch eine Rede halten. Stattdessen fehlte ausgerechnet der Parteichef bei dem Termin. Zuvor hatte er Vertrauten mitgeteilt, dass er sich unwohl fühle und sich kurz ausruhen wolle. Nach Angaben aus dem Umfeld war zunächst von einem Magen-Darm-Infekt die Rede, ärztlich bestätigt war das nicht.
Hubert Aiwanger sagte schon am Morgen Termine in Berlin ab
Am Mittwochmorgen sagte Aiwanger zunächst ein geplantes Interview ab. Auch weitere Termine am Vormittag fanden nicht statt. Trotzdem wollte er nach Angaben aus Parteikreisen später noch zur Feier am Nachmittag kommen. In Berlin sprang dann Bayerns Digitalminister Fabian Mehring für ihn ein. „Als ich stattdessen gebeten wurde, am Nachmittag krankheitsbedingt für ihn einzuspringen, wünschte ich ihm eine gute Besserung“, schrieb Mehring später auf Instagram über seine Nachricht an den Parteichef. Öffentlich bekannt wurde nicht, ob Aiwanger darauf noch antwortete.
Aiwanger: Letzter öffentlicher Post kam am Dienstag um 11.33 Uhr
Noch am Dienstag hatte Aiwanger mehrere öffentliche Termine wahrgenommen. Er war zunächst in Schwandorf bei einem Termin zum Thema künstliche Intelligenz im Handwerk, später reiste er nach Niedernberg in Unterfranken zu einer Tagung des Zentralverbands der Oberflächentechnik. Dort wirkte er nach Schilderungen aus seinem Umfeld unauffällig. Am späten Vormittag setzte er zudem seinen letzten Beitrag auf X ab. Danach fuhr er nach Berlin und checkte im Hotel „Neuer Fritz“ in Berlin-Mitte ein. Für Mittwoch waren dort ein Interview und der Auftritt bei der Büroeröffnung geplant.
Parteifreunde suchten im Hotel nach dem 55-Jährigen
Als Aiwanger bei der Feier weiter fehlte und über Stunden nicht auf Nachrichten reagierte, wuchs die Sorge. Parteifreunde, die ebenfalls im Hotel untergebracht waren, gingen schließlich zurück in die Unterkunft und klopften an seine Zimmertür. Weil es keine Reaktion gab, wurde das Zimmer geöffnet. Am frühen Abend fanden sie den 55-Jährigen dort tot auf. Später trafen Polizei und Ermittler im Hotel ein. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete ein Todesermittlungsverfahren ein, um die Ursache und die genauen Umstände des Todes zu klären.
Vorläufige Obduktion ergab keine Hinweise auf Fremdverschulden
Am Donnerstag folgte die Obduktion. „Die Obduktion hat Hinweise gegeben darauf, dass letztlich ein natürlicher Tod vorliegt“, erklärte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin laut Bild. Hinweise auf Fremdverschulden gab es demnach nicht, weitere rechtsmedizinische Untersuchungen standen aber noch aus.
Der Politiker war am 26. Januar 1971 in Niederbayern geboren worden, führte seit 2006 die Freien Wähler in Bayern und war seit 2018 bayerischer Wirtschaftsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident. Mit seiner Partnerin hat er zwei Söhne.
Quellen: RTL, Bild, KI-unterstützt