Doch wer Belafonte nur als den lächelnden Entertainer mit der karibischen Stimme in Erinnerung hat, kennt nur die Hälfte dieses außergewöhnlichen Mannes.

Kein Martin Luther King ohne Harry Belafonte

Die andere Hälfte war Bürgerrechtler, Weltverbesserer und – das sagten viele seiner Weggefährten – das stille Rückgrat von Martin Luther Kings Kampf gegen die Rassentrennung. Belafonte finanzierte Kings Arbeit, zahlte Kautionen für inhaftierte Aktivisten, unterstützte die Freedom Riders und sorgte nach Kings Ermordung dafür, dass Coretta Scott King und ihre Kinder finanziell abgesichert waren. „Es gibt keinen Martin Luther King ohne Harry Belafonte", sagten seine Biografen einhellig.

Harry Belafonte: Vom Harlem-Ghetto zum Weltstar

Seine Geschichte beginnt am 1. März 1927 in Harlem. Geboren als Harold George Bellanfanti Jr., Sohn eines Matrosen aus Martinique und einer jamaikanischen Hilfsarbeiterin. Die Familie war bettelarm. Mit acht Jahren schickte seine Mutter den kleinen Harry zur Großmutter nach Jamaika – dort sog er die karibischen Rhythmen auf, die später seine Karriere bestimmen sollten.

1939 kehrte die Familie nach New York zurück. Mit 17 brach Harry die Schule ab und meldete sich freiwillig zur US Navy. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug er sich als Hausmeister durch. Der Zufall wollte es, dass eine Kundin ihm als Trinkgeld Theaterkarten schenkte. Was Belafonte dort sah, veränderte sein Leben: Der schwarze Schauspieler Paul Robeson stand auf der Bühne.

Harry entschied sofort: Das wollte er auch. An der New School for Social Research lernte er Marlon Brando und Walter Matthau kennen. Der Weg zum Ruhm begann.

Harry Belafonte und der „Banana Boat Song": Weltruhm mit Calypso

1956 erschien das Album „Calypso" – das erste Album eines einzelnen Künstlers, das über eine Million Mal verkauft wurde. Der „Banana Boat Song" mit dem ikonischen „Day-o, Day-ay-ay-o" war weltweit in aller Munde. Belafonte wurde zum „King of Calypso". Über 150 Millionen verkaufte Tonträger insgesamt – damit steht er in einer Liga mit Frank Sinatra und Elvis Presley.

Auch als Schauspieler brillierte er. In Otto Premingers „Carmen Jones" (1955) spielte er an der Seite von Dorothy Dandridge. Später folgten „Kansas City" (1996) von Robert Altman und 2018 als 91-Jähriger noch ein Auftritt in Spike Lees „BlacKkKlansman". Belafonte war dabei der erste Schwarze, der 1960 einen Emmy gewann – für seine TV-Show „Tonight with Belafonte". 2014 erhielt er den Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Zusätzlich zum Grammy und Tony war er damit einer der wenigen EGOT-Gewinner der Geschichte.

Harry Belafonte: Freund von Martin Luther King

Doch Ruhm und Reichtum waren Belafonte nie genug. Mitte der 1950er lernte er Martin Luther King kennen. Die beiden wurden enge Freunde. Belafonte stellte sein Haus in New York als Rückzugsort zur Verfügung, finanzierte Kings Reisen und bürgerrechtliche Kampagnen. Als 1961 hunderte Freedom Riders inhaftiert wurden, zahlte er ihre Kautionen. Als King 1968 in Memphis erschossen wurde, stand Belafonte neben Coretta Scott King am Sarg – und sorgte in den folgenden Jahrzehnten still dafür, dass die Familie nie in finanzielle Not geriet.

1985 initiierte Belafonte „We Are The World" – den Charity-Hit, mit dem US-Stars wie Michael Jackson, Lionel Richie, Stevie Wonder und Bruce Springsteen Millionen für das hungernde Afrika sammelten. Ab 1987 war er UNICEF-Botschafter. Von seiner ersten verdienten Million baute er ein Krankenhaus für Arme. Noch mit 87 Jahren erhielt er 2014 den Ehrenoscar – nicht nur für sein Lebenswerk als Künstler, sondern explizit auch für sein Engagement in der Bürgerrechtsbewegung.

Harry Belafonte: Sein letztes großes Vermächtnis

Bis ins hohe Alter blieb Belafonte politisch aktiv. Er protestierte gegen den Irak-Krieg, unterstützte 2016 Bernie Sanders im Vorwahlkampf, prangerte Rassismus und soziale Ungerechtigkeit an. Noch 2018 stand er als Pop vor der Kamera bei Spike Lee. Harry Belafonte war dreimal verheiratet. Zuletzt mit der Fotografin Pamela Frank, die er 2008 heiratete. Aus seinen Ehen hatte er vier Kinder, darunter die Schauspielerin Shari Belafonte.

Am 25. April 2023 schloss Harry Belafonte für immer die Augen – zu Hause in Manhattan, umgeben von seiner Familie. Drei Jahre später lebt sein „Day-o" weiter in Millionen Ohren. Und die Welt, die er verändert hat, ist eine bessere – auch wenn noch so viel zu tun bleibt.