Mit seiner rauen Reibeisenstimme wurde er zum Sprachrohr der Maloche, der Trucker und der einfachen Leute. Doch hinter dem Image vom harten Kerl verbarg sich ein Mann, dessen Leben so dramatisch verlief wie seine Lieder. Am 22. Juni 2017 starb Gunter Gabriel mit 75 Jahren in einem Krankenhaus in Hannover, nachdem er einen Tag vor seinem 75. Geburtstag auf einer Steintreppe gestürzt war und mehrfach operiert werden musste.

Gunter Gabriel: eine Kindheit, die Spuren hinterließ

Geboren wurde er am 11. Juni 1942 im westfälischen Bünde als Günter Caspelherr. Seine Mutter verlor er, als er gerade einmal vier Jahre alt war, und auch danach war sein Aufwachsen von Härte geprägt. Aus diesen frühen Wunden schöpfte er später die Wahrhaftigkeit, die sein Publikum an ihm liebte. Zunächst lernte er Schlosser, holte das Abitur nach und begann sogar ein Maschinenbaustudium – bis ihn die Musik endgültig packte.

Gunter Gabriel und „Hey Boss, ich brauch mehr Geld"

Als Promoter bei einer Plattenfirma kam er ins Musikgeschäft und schrieb zunächst Songs für Kollegen wie Frank Zander und Rex Gildo, ehe ihm 1973 der eigene Durchbruch als Country-Sänger gelang. Ein Jahr später folgte der Hit, der ihn unsterblich machte: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld" wurde zur inoffiziellen Hymne all jener, die hart arbeiteten und sich doch nie genug leisten konnten. Der kleine Mann hatte endlich eine Stimme – und sie klang wie Schmirgelpapier und Herz zugleich.

Gunter Gabriel: Country, Cash und kompromisslose Ehrlichkeit

Gabriel war mehr als ein Schlagerstar. Er brachte den amerikanischen Country zum deutschen Publikum, übersetzte Songs ins Deutsche und durfte sich einen Freund von Johnny Cash nennen. Rund 800 Lieder soll er im Laufe seines Lebens geschrieben haben – über Trucker, über Sehnsucht, über das Leben ganz unten und ganz oben. Seine Bühne war nie das Hochglanz-Fernsehen, sondern das echte Leben mit all seinen Rissen.

Gunter Gabriel: der tiefe Fall und ein kämpferisches Erbe

Doch der Erfolg hatte seinen Preis. Vier gescheiterte Ehen und der Kampf gegen den Alkohol zeichneten die zweite Lebenshälfte; 1995 zog er nach Hamburg und lebte fortan auf einem Hausboot. Es war das Sinnbild eines Mannes, der sich dem bürgerlichen Reichtum nie unterordnete. Nach seinem Tod erbten seine vier Kinder über 400.000 Euro Schulden, doch seine Tochter Yvonne trat das schwere Erbe an, um sein Lebenswerk und seine Songs zu bewahren. Aufgeben, das passte ohnehin nie zu Gunter Gabriel.

Was bleibt, ist die Stimme eines Mannes, der nie vorgab, jemand zu sein, der er nicht war – und der noch im Scheitern aufrechter blieb als mancher andere im Erfolg. Ruhe in Frieden.