Bulgarien hat den Eurovision Song Contest in Wien gewonnen, Deutschland landete mit Sarah Engels und „Fire“ weit hinten im Feld. Während hierzulande vor allem über die enttäuschende Platzierung gesprochen wird, richtet sich der Blick nun auf eine Künstlerin, die außerhalb ihrer Heimat vielen erst seit dieser Nacht ein Begriff ist. Sängerin Dara setzte sich mit „Bangaranga“ gegen die Konkurrenz durch und führte Bulgarien zum ersten Sieg der Landesgeschichte. Laut Deutschlandfunk verfolgten zudem rund 8,9 Millionen Menschen die Übertragung in ARD und One, trotz Boykotten und Protesten rund um die Show.
Dara gewann mit Pop und bulgarischer Folklore
Die 27-jährige Sängerin heißt mit bürgerlichem Namen Darina Nikolaewa Jotowa und stammt aus Warna an der bulgarischen Schwarzmeerküste. Wie Stern berichtet, ist sie in ihrer Heimat längst ein großer Popstar. Ihre Ausbildung an einer Kunsthochschule mit Schwerpunkt Volksgesang prägt ihren Stil bis heute. Gerade diese Verbindung aus traditioneller Gesangstechnik, Balkan-Beats und Club-Sounds machte „Bangaranga“ so markant. Schon als Kind wollte sie Musikerin werden. „Musik begleitete mich von klein auf wie Sport: obsessiv, unaufhörlich, als gäbe es keine Alternative“, so Dara.
Bangaranga steht für Stärke und ein altes Ritual
Hinter dem Titel des Songs steckt mehr als ein klangvoller Begriff. „Bangaranga“ steht nach Daras Verständnis für innere Stärke, Energie und eine Form von kraftvoller Unordnung. Der Song greift zudem einen bulgarischen Brauch auf: die Kukeri. Dabei ziehen Männer zu Jahresbeginn in Fellkostümen, mit Glocken und Masken, lärmend durch die Straßen, um böse Geister zu vertreiben. Dieses Bild übertrug die Sängerin auf ihren Auftritt. Ihr Lied soll Dunkelheit abwehren und Mut machen. Auch ihr 2025 erschienenes Album „ADHDARA“, benannt nach ihrer ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter, zeigt, wie persönlich ihre Kunst geworden ist.
Sarah Engels landet auf Platz 23
Für Deutschland verlief der Wettbewerb deutlich ernüchternder. Sarah Engels trat mit viel Pyrotechnik und einem professionellen Auftritt an, kam am Ende aber nur auf Rang 23 und damit auf den drittletzten Platz. Von den Jurys erhielt sie acht Punkte, vom Publikum keine einzige Stimme. Ihre Enttäuschung ließ sie sich dennoch kaum anmerken und winkte mit einer Deutschlandfahne in die Kamera. Israel wurde Zweiter, Rumänien Dritter. Als Favoriten galten zuvor eher Finnland, Australien und Griechenland, doch am Ende setzte sich Bulgarien klar durch.
Boykotte und Proteste prägten die Show in Wien
Neben der Musik stand auch die politische Lage im Fokus. Spanien, die Niederlande, Irland, Slowenien und Island boykottierten den Wettbewerb wegen der Teilnahme Israels. Hintergrund ist das Vorgehen des israelischen Militärs im Gazastreifen. In Wien demonstrierten zuvor mehrere Tausend Menschen gegen Israels Teilnahme, in der Nähe der Halle nahm die Polizei 14 propalästinensische Aktivisten fest. Ungeachtet dieser Spannungen feierte der Wettbewerb sein 70-jähriges Bestehen mit Rückblicken auf 1.789 ESC-Songs und Auftritten früherer Teilnehmer wie Max Mutzke. Für Dara endete diese aufgeladene Nacht mit einem historischen Triumph für Bulgarien.