Handball-Torwart Andreas „Andy“ Wolff zählt zu den prägendsten Gesichtern des deutschen Handballs – sportlich kompromisslos, privat erstaunlich sensibel. Der 1991 geborene Keeper, Sternzeichen Fische, steht im Tor der deutschen Nationalmannschaft und des THW Kiel, wo sein Vertrag bis 2028 läuft.

Spätestens seit der Handball-Europameisterschaft 2016, als er im Finale gegen Spanien zum Schlüsselspieler wurde, gilt er als Weltklasse-Torhüter. Auch während der aktuellen EHR EURO 2026 hält er überragend und glänzte mit 22 Paraden in einem Spiel.

Doch abseits des Spielfelds sind es seine Partnerin Samira Bothe, das gemeinsame Kind und seine ganz eigenen Ängste, die den 34-Jährigen prägen – und ihm zugleich Kraft geben.

Andreas Wolff: Schüchterner Junge wird Torwart-Gigant

Seine Karriere begann früh: Mit fünf Jahren brachte ihn seine Mutter zum Training der SG Ollheim/Straßfeld. Ausgerechnet Schüchternheit brachte ihn ins Tor. „Ich war so schüchtern, dass ich nicht mitmachen wollte. Da hat die Trainerin gemeint: ‚Dann stell dich doch ins Tor.‘ Und dann bin ich nie wieder aus dem Tor rausgekommen“, erzählte der Profi in der „Sportschau“.

Aus dem zurückhaltenden Jungen wurde ein 1,98-Meter-Hüne, der heute für den THW Kiel und die DHB-Auswahl zwischen den Pfosten steht. Seine ruhige Ausstrahlung im Tor ist dabei hart erarbeitet – und steht im starken Kontrast zu dem nervösen Inneren, das er selbst offen zugibt.

Krafttraining als Ventil: „Es fühlt sich gut an, wenn ich leer bin“

Wolff gilt als mental starker Rückhalt, doch er beschreibt sich selbst als den Nervösesten unter den Torhütern. Den Ausgleich findet er im Kraftraum. Seit seinem 17. Lebensjahr stemmt er fast täglich Gewichte. „Ich brauch’ das, es fühlt sich gut an, wenn ich mich total leer gemacht habe. Außerdem ist es besser, Muskeln mit sich rumzuschleppen als Fett“, zitiert ihn news.de.

Über die Jahre hat ihn dieses harte Programm körperlich immer stärker und konstanter gemacht. Die Kombination aus Explosivität, Kraft und Ritualen vor Spielen ist zu einem entscheidenden Baustein seiner Entwicklung geworden – und erklärt, warum er auch in Drucksituationen so stabil wirkt.

Davon durfte ich mich selbst bei der letzten WM überzeugen, als sich Andreas Wolff total entspannt und mit einer Seelenruhe, nach einem anstrengenden Spiel,  noch lange Zeit für die Fans und Autogramme nahm.

Familienglück mit Samira Bothe gibt Rückhalt

Privat lebt Andreas Wolff seit vielen Jahren mit seiner Partnerin Samira Bothe zusammen. Kurz vor der Handball-WM 2025 wurden die beiden Eltern. In einem Statement bat der Torhüter um Rücksicht: „Wir freuen uns sehr. Um meiner Familie die notwendige Ruhe zu ermöglichen und mir die Möglichkeit zu geben, den Fokus aus Familie und Sport zu erhalten, bitten wir unsere Privatsphäre zu respektieren.“

Auf gemeinsame Auftritte oder Pärchenfotos in sozialen Netzwerken verzichtet das Paar weitgehend, was ein willkommener Ausgleich zum Rampenlicht in der Weltspitze des Handballs sein dürfte. Gerade diese geschützte, stille Familienwelt als Gegenpol zum lauten Handball-Alltag könnte seine wichtigste Kraftquelle sein.

Angst vor Geistern und Schlangen: Der starke Mann zeigt Schwächen

So beeindruckend seine Statur und seine Paraden sind, so überraschend offen spricht Wolff über seine Ängste. „Ich bin überzeugt, dass es Geister gibt. Mir fällt es schwer, nach einem Horrorfilm allein in der Wohnung zu schlafen“, erzählte er der Bild. Seine Freundin Samira nehme das mit Humor und necke ihn gerne deswegen.

Auch Schlangen bereiten ihm Unbehagen: Ein Besuch im Reptilienhaus im Zoo habe ihm „richtig Gänsehaut“ beschert, verriet er in der „Sportschau“. Gerade diese Mischung aus körperlicher Dominanz, sensibler Seite und familiärem Rückhalt macht den Torhüter zu einer der interessantesten Persönlichkeiten im Handball – stark im Tor, verletzlich im Privaten und doch fest verankert in seinem Familienleben.