Schlager-Legende Mary Roos zeigt im „Kölner Treff“, wie humorvoll und zugleich ernst man mit dem Thema Tod umgehen kann. Die 77-Jährige, die mit „Nur die Liebe lässt uns leben“ zur Größe der Schlagerszene wurde, blickt längst auf ein langes Bühnenleben zurück – und genießt nun ihren Rückzug aus dem Rampenlicht. Im WDR-Talk mit Anna Planken und Susan Link macht sie klar: Ein Comeback wird es nicht geben, neue Platten oder große Shows sind für sie abgeschlossen. Statt Wehmut prägen Gelassenheit, Witz und eine erstaunlich offene Haltung zum eigenen Abschied ihr Gespräch.
Mary Roos: „Ich bin zwar Rentnerin, aber nicht tot“
Auch wenn sie sich offiziell im Ruhestand befindet, beschreibt sich Sängerin Mary Roos eher als Frau im „Unruhestand“. Sie erzählt, dass sie spontan verreist, ihr Haus renoviert hat, ein Buch schrieb und leidenschaftlich gern ins Theater geht. „Ich bin eine aktive Rentnerin“, betont sie, und fügt mit einem Lachen hinzu: „Ich bin zwar Rentnerin, aber nicht tot. Und ich will auch noch nicht in die Grube springen.“ Diese Mischung aus Selbstironie und Lebensfreude zieht sich durch das ganze Gespräch. Spontane Entscheidungen seien für sie entscheidend: „Das hält auch in der Birne frisch“.
Trauerrede von Wolfgang Trepper schon vorbereitet
Besonders persönlich wird es, als Mary Roos erzählt, dass ihre eigene Trauerrede bereits existiert. Show-Partner und Freund Wolfgang Trepper habe den Text für sie verfasst, berichtet sie im Talk. „Der hat einfach gesagt: ‚Das machen wir jetzt‘“, erinnert sie sich. Auf ihre Frage, was sie dafür tun müsse, habe Trepper trocken geantwortet: „Du musst nur sterben.“ Mary Roos schildert diese Szene lachend – ein typisches Beispiel für ihren schwarzen Humor. Für sie gehört dieser pragmatische Umgang mit dem Lebensende zu einem bewussten, angstfreien Dasein.
Friedhöfe als Ruheort: „Guck, ich lebe noch“
Der Tod ist für Mary Roos kein Schreckgespenst, sondern Teil eines natürlichen Kreislaufs. „Es ist einfach eine ganz wichtige Sache. Man stirbt und man wird geboren“, erklärt sie. Schon als junge Frau habe sie mit ihrer jüngsten Schwester, die als Krankenschwester arbeitet, offen darüber gesprochen. Ein Detail überrascht besonders: Die Sängerin geht gerne auf Friedhöfe. Dort genieße sie die Stille, erzählt sie. „Ich sitz da auf der Bank und denke: ‚Guck, ich lebe noch‘“, so Mary Roos im WDR-Gespräch. Humor und Nachdenklichkeit liegen bei ihr oft ganz nah beieinander.
Familie und Öffentlichkeit tun sich schwer mit dem Thema
So selbstverständlich Mary Roos über Sterben und Vorsorge spricht, so schwierig ist das Thema für ihr Umfeld. „Mit meinem Sohn kann ich nicht über so was oder eine Patientenverfügung reden, der will das nicht“, sagt sie über Julian, ihren 1986 geborenen Sohn aus der Ehe mit Entertainer Werner „Gottlieb Wendehals“ Böhm.
Auch die Öffentlichkeit gehe oft verkrampft mit solchen Aussagen um, meint sie. Schon im Studio ahnt sie: „Was ich jetzt alles über den Tod gesagt habe – ich möchte nicht wissen, was dann in der Zeitung steht.“ Doch mit zunehmendem Alter habe sie gelernt: „Wenn man älter wird, ist es egal, was andere sagen.“ Diese Haltung macht die Schlager-Ikone zu einer der offensten Stimmen ihrer Generation.