Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen erlebt erneut einen Tag tiefer Trauer. Am 22. Juli richtet sich ihr Gedenken auf ihren Stiefbruder Trond Berntsen, der 2011 beim Anschlag auf Utøya getötet wurde. Für die 52-Jährige ist der Jahrestag besonders schmerzhaft, weil der Verlust die königliche Familie bis heute begleitet. Zugleich fällt die Erinnerung in eine Zeit, in der Mette-Marit nach einer Lungentransplantation weiterhin geschont werden muss. Deshalb konnte sie an der aktuellen Gedenkfeier in Oslo nicht teilnehmen.

Trond Berntsen rettete seinen Sohn auf Utøya

Trond Berntsen arbeitete als Polizist und war während des Sommerlagers auf Utøya freiwillig als Sicherheitskraft im Einsatz. Nach Angaben von Bunte war er unbewaffnet und versuchte dennoch, den Attentäter Anders Breivik aufzuhalten. Seinen damals zehnjährigen Sohn brachte er noch in Sicherheit, bevor er selbst zu den ersten Todesopfern zählte.

Insgesamt starben auf der Insel 69 Menschen, zuvor waren bei der Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel bereits acht weitere Opfer ums Leben gekommen. Kurz vor seinem Tod soll Berntsen seine Lebensgefährtin noch angerufen und gesagt haben, er müsse den Jugendlichen bei der Flucht helfen.

Mette-Marit fehlt bei Gedenkfeier in Oslo

Schon 2011 nahm Mette-Marit gemeinsam mit der Königsfamilie und ihrem Neffen an einem Gottesdienst für die Opfer teil und verabschiedete sich unter Tränen von ihrem Stiefbruder. In diesem Jahr blieb sie der Feier fern, weil sie sich nach ihrer Transplantation weiter erholen muss.

König Harald und Königin Sonja erschienen in der Osloer Domkirche, um der Opfer zu gedenken und den Helfern zu danken. Berntsens Vater Rolf hatte 1994 Mette-Marits Mutter Marit Tjessem geheiratet.

Kronprinz Haakon weiht nationales Denkmal ein

Am vergangenen Wochenende stellte Kronprinz Haakon eine neue Gedenkstätte für die 77 Todesopfer vor, wie Welt berichtet. Die Skulptur „En bevaring“ des Künstlers Matias Faldbakken ist elf Meter hoch, 15 Meter breit und mit fast einer halben Million Steinchen besetzt. Überlebende und Hinterbliebene durften die letzten 7000 Steine selbst einsetzen.

Namen und Alter der Getöteten wurden in einen Tragbalken eingraviert. Das Kunstwerk gehört nun zum wiedereröffneten 22.-Juli-Zentrum und gilt als offizielle nationale Erinnerungsstätte für die Anschläge.

König Harald fand klare Worte zur Trauer des Landes

Die königliche Familie zeigte damals in den Tagen nach den Anschlägen immer wieder Nähe zu den Menschen, besuchte Verletzte und sprach mit Angehörigen. Besonders viel Beachtung fand eine Ansprache von König Harald. „Ich halte fest an dem Glauben, dass die Freiheit stärker ist als die Furcht“, so König Harald laut Welt.

Auch in der Osloer Domkirche suchten viele Norweger Trost, legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Dass die Königsfamilie dort präsent war, galt vielen als wichtiges Zeichen des Zusammenhalts in einem Land, das bis heute an die Opfer erinnert.