Freitag, 28. August, 6.35 Uhr: Im Osloer Rikshospitalet stirbt König Harald V. mit 89 Jahren. Es ist dasselbe Haus, in dem sein Sohn Haakon am 20. Juli 1973 zur Welt kam. Der Ort, an dem sein Leben begann, ist der Ort, an dem sein Vater es beendete.
In derselben Sekunde ist Haakon König von Norwegen. Keine Übergangsfrist, keine Bedenkzeit, keine Krönung, so steht es in der Verfassung. Wenige Stunden später steht er im Königlichen Schloss vor der Kamera des Hoffotografen, unmittelbar vor dem außerordentlichen Staatsrat, in dem er der Regierung den Tod seines Vaters mitteilen muss. Wenig später erscheint dieses Bild auf dem offiziellen Instagram-Kanal des Königshauses. Darunter stehen nur zwei Zeilen.
Das erste Foto von König Haakon VIII. und was darin steckt
„Seine Majestät König Haakon VIII. – Alles für Norwegen." Das ist die komplette Bildunterschrift. Kein Wort über den Verlust, kein Wort über den Vater, kein Wort über sich selbst. Ein Name, ein Motto, fertig.
Auf dem Foto trägt er die dunkle Galauniform. Roter Vorstoß, goldbestickter Stehkragen mit Sternen, zwei Reihen Knöpfe, die Ordensschnalle mit den norwegischen Farben auf der Brust, darunter der große Ordensstern. Unter dem linken Arm die Mütze mit goldenem Eichenlaub. Hinter ihm der helle Säulengang des Schlosses, ruhiges Tageslicht.
Und dann das Gesicht. Kein Lächeln, keine Pose, kein Anflug von Repräsentation. Er sieht direkt in die Linse. Der Blick ist leer und fest zugleich, so wie Menschen schauen, die gerade etwas Unfassbares erlebt haben und trotzdem gleich in einen Raum gehen müssen, in dem alle auf sie warten.
Man muss sich vergegenwärtigen, was an diesem Morgen hinter ihm liegt. Sein Vater ist gestorben. Und statt sich zurückzuziehen, zieht er die Uniform an, weil das Protokoll es verlangt, lässt sich fotografieren, weil sein Land ein Bild seines neuen Königs braucht und geht dann hinein. Trauer hat in diesem Terminplan keinen Platz. Genau das steht in diesem Gesicht.
König Haakon VIII. und der Wahlspruch von vier Generationen
Diese drei Worte sind kein Zufall. Im Staatsrat teilte er der Regierung mit, er werde den Namen Haakon VIII. tragen und denselben Wahlspruch weiterführen, den sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater gewählt hatten: „Alles für Norwegen."
Vier Generationen: Haakon VII., der 1905 nach Norwegen kam. Olav V., der Kriegskönig. Harald V., der Modernisierer und nun sein Sohn, der Stunden zuvor am Sterbebett gesessen hatte. Er hätte einen eigenen Wahlspruch wählen dürfen,aber hat den seines Vaters genommen.
Danach dankte er der Regierung und dem norwegischen Volk für die Anteilnahme. Über sich selbst kein Wort. Kurz darauf ging die Königsflagge auf dem Schlossdach wieder ganz nach oben, während vom Balkon eine zweite mit Trauerflor auf halbmast wehte.
Was König Haakon VIII. in den Tagen davor durchgemacht hat
Drei Tage vorher, am 25. August, jährte sich seine Hochzeit mit Mette-Marit zum 25. Mal. Silberhochzeit. Gefeiert wurde nicht. Die offizielle Feier war bereits im Sommer auf unbestimmte Zeit verschoben worden, weil seine Frau sich von einer schweren Erkrankung erholen muss. Vor ihr liegen viele Monate Genesung.
Also blieb der Tag still im Kreis der Familie zu Hause, ganz ohne Kameras. Das Königshaus veröffentlichte alte Aufnahmen aus den Tagen, als die beiden frisch verheiratet waren. Kaum jemand ahnte, wie kurz die Frist bis zum nächsten Schlag sein würde.
Wie es für König Haakon VIII. und Norwegen weitergeht
Am Dienstag legt er vor dem Storting den Eid auf die Verfassung ab. Mette-Marit ist seit Freitag Königin, Ingrid Alexandra mit 22 Jahren Kronprinzessin und wird eines Tages Norwegens erste regierende Königin seit Jahrhunderten sein. Königin Sonja behält ihren Titel und wird künftig Königinwitwe genannt.
Er war ein Leben lang darauf vorbereitet. Mit 17 wurde er Kronprinz, seit seinem 18. Geburtstag durfte er im Staatsrat sitzen und für seinen Vater einspringen. Er ging zur Marine, studierte in Berkeley und an der London School of Economics. Vorbereitet sein und bereit sein sind trotzdem zwei verschiedene Dinge.
Dieses Bild zeigt einen Sohn, der Sohn sein möchte und König sein muss: Leere, Trauer, Hoffnung und Stärke. Wer wissen will, was „Alles für Norwegen" bedeutet, muss den Post nur lange genug ansehen.