In der internationalen Mode zeichnet sich ein seltener Moment kollektiven Abschieds ab: Innerhalb weniger Jahre sind nahezu alle großen Architekten der klassischen Haute Couture gegangen – von Oscar de la Renta über Hubert de Givenchy und Karl Lagerfeld bis hin zu Giorgio Armani und Valentino Garavani.

Sie alle prägten das Nachkriegssystem, in dem Paris als unantastbares Zentrum galt, Couture ein gesellschaftliches Ordnungssymbol war und Mode in erster Linie für eine exklusive Elite gedacht wurde. Mit dem Tod dieser Designer endet nicht nur eine Reihe großer Karrieren, sondern ein ganzes System, das die Ästhetik und Machtstruktur der Branche über Jahrzehnte definierte.

Valentino Garavani als Schlusspunkt einer Ära

Designer Valentino Garavani starb im Januar 2026 im Alter von 93 Jahren – für viele Branchenkenner der symbolische Schlusspunkt der klassischen Couture-Generation. Er galt als letzter großer Vertreter jener Schule, die opulente Roben, präzise Drapierungen und kompromisslose Handwerkskunst zum Maßstab machte.

Seine Karriere begann in den 1950er-Jahren, als Couture noch in intimen Salons präsentiert wurde und jede Kundin persönlich betreut wurde. Mit seinem Tod verliert die Modewelt eine Stimme, die den Übergang von aristokratischer Gesellschaft zu globalem Celebrity-Kult aus nächster Nähe begleitet und geprägt hat.

Giorgio Armani und die leise Revolution der Eleganz

Modedesigner Giorgio Armani, der 2025 mit 91 Jahren starb, verkörperte eine andere, aber ebenso prägende Facette dieser Generation. Er veränderte er mit seinen klaren Linien, entsättigten Farbpaletten und weich konstruierten Blazern das Bild von Luxus radikal. Seine Entwürfe lösten sich von steifer Repräsentation und setzten auf eine fast architektonische Ruhe.

Armani zeigte, dass Macht auch in Zurückhaltung liegen kann – ein Gegenentwurf zu den barocken Couture-Silhouetten, der dennoch aus demselben historischen Fundament erwuchs: dem Glauben an Langlebigkeit, Qualität und eine enge Bindung zwischen Designer, Stoff und Trägerin.

Lagerfeld, Givenchy und de la Renta als Säulen der Nachkriegsordnung

Karl Lagerfeld, der 2019 mit 85 Jahren starb, und Hubert de Givenchy, der 2018 mit 91 Jahren von uns ging, standen wie kaum andere für die Pariser Nachkriegsordnung der Mode. Lagerfeld war unermüdlicher Gestalter, der das Erbe großer Häuser in die Gegenwart überführte und dabei eine fast industrielle Kreativkraft entwickelte.

Givenchy wiederum definierte mit klarer, aristokratischer Linie ein Ideal von Eleganz, das bis heute in Red-Carpet-Looks nachhallt. Oscar de la Renta, der 2014 mit 82 Jahren starb, verband diese Couture-Tradition mit amerikanischer Gesellschaftskultur – seine Roben wurden zu visuellen Chroniken von Galas, Bällen und politischen Empfängen.

Mugler, Elbaz, Abloh und Hogg als Brücke ins neue System

Parallel zum Abschied der Nachkriegsikonen gingen auch jene Designer, die als Brückenfiguren in ein neues Modesystem gelten.

Thierry Mugler, 2022 mit 73 Jahren verstorben, brachte mit skulpturalen Silhouetten und dramatischen Shows eine theatralische Radikalität in die Couture.

Alber Elbaz, der 2021 mit 59 Jahren an den Folgen von COVID-19 starb, stand für emotionale, tragbare Romantik, die klassische Weiblichkeit modernisierte.

Virgil Abloh, 2021 mit nur 41 Jahren an einem seltenen Tumor verstorben, verband Streetwear, Konzeptkunst und Luxus und öffnete die Türen für eine junge, diverse Kundschaft.

Pam Hogg, 2025 mit 74 Jahren gestorben, verschob mit punkiger Energie und subkulturellen Referenzen die Grenze zwischen Kunst, Musik und Mode.

Was bleibt von der großen Couture-Generation

Mit dem Verschwinden dieser Stimmen verliert die Branche nicht nur einzelne Talente, sondern die letzten lebenden Verbindungslinien zwischen der alten Couture-Architektur und der heutigen, digital getriebenen Luxusindustrie.