Die Szene schilderte die Schauspielerin 2018 dem US-Sender CNBC. Wer selbst Coupons ausschneidet oder Sparen mit Cashback betreibt, kennt diesen Blick von hinten. Ungewöhnlich ist allein, dass die Frau mit den Gutscheinen ihr Geld in Hollywood verdient.

Welche Promis achten trotz Millionen auf Schnäppchen?

Kristen Bell nannte sich in der Talkshow „Conan“ sehr sparsam, sie kaufe fast nur mit Coupons. Ihr Favorit sei der 20-Prozent-Gutschein einer Haushaltswarenkette aus dem Briefkasten. Lady Gaga fragte 2012 auf Twitter, warum man sie seltsam ansehe, wenn sie im Supermarkt Coupons vorlege oder handle. Sie sei eben aus New York.

Hilary Swank sagte 2010 im Fernsehen, Zeitungscoupons seien für sie wie Dollarscheine, die einen anstarren. Warren Buffett zog beim Mittagessen mit Bill Gates in Hongkong Fast-Food-Coupons hervor, woran Gates 2017 in seinem Jahresbrief erinnerte.

Mila Kunis erzählte 2016 bei „Conan“, ihr Ehering habe auf einem Online-Marktplatz 90 Dollar gekostet. Harrison Ford nimmt im Kino den Seniorenrabatt. Im Interview, das der Bote der Urschweiz wiedergab, rechnete er vor, in New York mache das vier Dollar, genug für Popcorn.

Hierzulande spielt sich die Szene vor dem Discounter ab. Wer morgens ansteht, weil ein Nachtsichtgerät für 99 Euro im Angebot ist, geht mitunter leer aus.

Warum sparen Promis, die es gar nicht nötig hätten?

Swank gab die Antwort gleich mit. So sei sie aufgewachsen, das stecke ihr in den Knochen. Gellar argumentiert ähnlich, Erfolg sei kein Grund, nachlässig mit Geld umzugehen.

Keira Knightley begründete 2014 im Magazin Glamour ihr festes Jahresbudget damit, dass ein teurer Lebensstil von normalen Menschen entfremde. Der Verzicht soll den Kontakt zum Alltag anderer wahren.

Buffett erklärte 2017 in einer HBO-Dokumentation, er wähle bei McDonald's das günstigere Frühstücksmenü, wenn die Börse gefallen sei. Mehr als einen genauen Blick auf kleine Beträge belegt das nicht.

Wer für Aktionsware früh aufsteht, will sie, weil sie gerade günstig ist, und ärgert sich über die Schnelleren. Diesen Reiz kennt, wer je ein Angebot mitnahm, das er tags zuvor nicht brauchte.

Kunis dagegen stellte klar, ihre Ringwahl habe nichts mit Geld zu tun gehabt. Der Preis beim Juwelier sei ihr absurd erschienen.

Was können wir uns vom Sparen der Promis abschauen?

Was Bell, Gaga, Ford und Kunis nutzen, verlangt kein Vermögen. Papiercoupon, Handeln im Laden, Seniorenrabatt, Marktplatz statt Schmuckgeschäft und Aktionsware stehen jedem offen. Cashback-Aktionen ergänzen das digital. Der Käufer zahlt voll, reicht den fotografierten Kassenbon fristgerecht ein und erhält einen Teil vom Hersteller zurück.

Gellars Ehemann Freddie Prinze Jr. hält ihr entgegen, sie fahre für den Coupon weiter und verbrauche Benzin. Ein Gutschein lockt zudem Waren in den Wagen, die nicht auf der Liste standen, wie das US-Magazin Money 2005 beschrieb.

Millionäre brauchen den Coupon nicht und ziehen ihn aus Gewohnheit oder Überzeugung. In manchem Haushalt entscheidet derselbe Coupon, was am Monatsende bleibt. Dort fehlt neben Arbeit und Kindern oft die Zeit für Bon und Einsendung.

Manche Spargeschichte ist Werbung. Tiffany Haddish und Jennie Garth traten für Rabattplattformen auf. Ein Werbevertrag verrät nicht, wo jemand selbst einkauft.

Wo hört Cleverness auf und wo fängt Geiz an?

US-Wirtschaftsmagazine wie Fortune und Entrepreneur beschreiben Sparsame als Menschen, die ihr Geld klug einteilen und den besten Gegenwert suchen. Clever ist demnach, wer bei sich selbst spart. Geizig wird es, sobald andere zahlen, beim Trinkgeld, bei der Rechnung, beim Gehalt.

Gemessen daran sparen Gellar, Bell und Swank clever. Das kostet niemanden Geld, allenfalls die Kundin hinter ihnen Geduld. Kunis gehört nur bedingt dazu, ihre Ringwahl war keine Sparentscheidung.

Die Geizvorwürfe stammen dagegen von Dritten. Kourtney Kardashian gebe knapp Trinkgeld, behauptet eine anonyme frühere Angestellte.

Kunis zog die Grenze am lockersten. Als Conan O'Brien sie genügsam nannte, lachte sie, das sei eine nette Umschreibung für billig.

Nach der Faustregel trifft das Etikett nicht, denn der günstige Ring nahm niemandem etwas weg. An einer einzigen Frage entscheidet sich, ob jemand geizig oder clever ist, für Millionäre wie für alle anderen. Wer trägt die Differenz?