„Praxis Bülowbogen“ gehört zu den Serien, die das West-Berlin der späten Jahrzehnte im Fernsehen fest verankerten. Im Mittelpunkt stand Hausarzt Dr. Peter Brockmann, gespielt von Günter Pfitzmann (†81), der sich nicht nur um Krankheiten kümmerte, sondern auch um die Sorgen seines Umfelds. Genau diese Verbindung aus Arztpraxis, Nachbarschaft und Stadtmilieu machte die Produktion für viele Zuschauer unverwechselbar.
Günter Pfitzmann trug die Serie als Dr. Brockmann
Hinzu kam eine Figur, die mit lässigem Ton, Humor und Fürsorge durch den Alltag eines Kiezes führte, der im deutschen Fernsehen selten so präsent war. Pfitzmann spielte den Arzt mit einer Mischung aus Gelassenheit, Ironie und väterlicher Zugewandtheit.
Schon zu Beginn wurde das in einem Satz deutlich: „Wenn ihr Probleme habt, irgendwas nicht wisst, bitte kommt zu mir. Fragt mich, lieber einmal zu viel als zu wenig“, sagte Dr. Brockmann laut Derstandard. Die Serie setzte dabei nicht nur auf ihre Hauptfigur, sondern auch auf ein bekanntes Ensemble.
Anita Kupsch (†85) war als Arzthelferin Gaby Köhler zu sehen, dazu kamen Gastauftritte von Johanna von Koczian (†90), Cornelia Froboess (83), Heidi Brühl (†49) und Winfried Glatzeder (81).
Die Zietenstraße zeigte ein anderes West-Berlin
Der Handlungsort lag in Berlin-Schöneberg, nahe der damals stillgelegten U-Bahn-Station Bülowstraße. Dort zeigte die Serie ein Umfeld aus Arbeitern, kleinen Angestellten, Migranten und Sozialhilfeempfängern, aber auch Straßenstrich und Kriminalität gehörten zum Bild.
In den Folgen tauchten medizinische und soziale Probleme nebeneinander auf: Eine türkische Mutter brachte ihre Tochter zum Übersetzen mit, andernorts ging es um Einbruch, Glücksspiel oder eine Schießerei. So rückte die Serie näher an den sozialen Alltag des Kiezes heran als viele frühere Berliner Formate.
Schwanenwerder brachte den Kontrast in die Handlung
Neben der Praxis erzählte „Praxis Bülowbogen“ auch von einem ganz anderen Milieu. Dr. Brockmann war über seine seit mehr als 20 Jahren getrennt in den USA lebende Frau Miteigentümer einer Pharmafabrik. Zur Familie gehörte eine Villa auf Schwanenwerder, wo auch ein Geschäftsführer aus dem Clan immer wieder eigene Interessen verfolgte.
Damit stellte die Serie den Gegensatz zwischen wohlhabender Havelgegend und engen Altbauten in Schöneberg heraus. Laut Zeithistorische-forschungen brachte genau dieser Kontrast härtere Konturen in das Bild vom Leben in West-Berlin.
Kiezfiguren machen die Serie bis heute erinnerbar
Zur Eigenart der Serie gehörte auch, dass sie Nebenfiguren mit starkem Wiedererkennungswert schuf. Besonders auffällig war der Stadtstreicher „Gleisdreieck“, gespielt von Klaus Schwarzkopf, der in der Gegend lebte und Brockmann mit Beobachtungen versorgte.
Die Figur erschien als fester Teil des Viertels und ergänzte den Arzt auf eigene Weise. Gleichzeitig verband die Serie das Großstadtthema mit dem Arztformat und zeigte West-Berlin nicht als Kulisse, sondern als prägenden Teil jeder Folge. Gerade deshalb blieb „Praxis Bülowbogen“ als Kultserie im Gedächtnis.
Quellen: derstandard.de, zeithistorische-forschungen.de, KI-unterstützt