Wer denkt an Walter Freiwald, denkt an goldene 90er-TV-Momente: schrille Studio-Atmosphäre, jubelnde Kandidaten, Waschmaschinen als Hauptgewinn und der gut gelaunte Mann an Harry Wijnvoords Seite. Geboren am 21. April 1954 im ostfriesischen Wittmund, eroberte Walter Freiwald die deutschen Wohnzimmer – und blieb dabei immer der bodenständige Sympathieträger.
Walter Freiwalds Karriere begann bei Radio Luxemburg
Seinen Weg in die Unterhaltungsbranche ging Walter Freiwald über Umwege. Nach der Mittleren Reife absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre, 1979 landete er dann beim britischen Musiklabel EMI. Schnell entdeckte er seine wahre Leidenschaft: das Mikrofon.
Er wurde Redakteur und später Moderator bei verschiedenen Radiosendern – unter anderem beim legendären Radio Luxemburg und Radio Gong 2000 unter Helmut Markwort. Eine Schule, die viele große Namen des deutschen Unterhaltungsfernsehens hervorgebracht hat.
„Der Preis ist heiß": Walter Freiwalds großer TV-Durchbruch
1989 wagte Walter Freiwald den Sprung ins Fernsehen – und landete auf Anhieb einen Volltreffer. Zusammen mit dem charismatischen Niederländer Harry Wijnvoord moderierte er bis 1997 die RTL-Kult-Spielshow „Der Preis ist heiß" – acht Jahre lang stand er als „Assistent" neben Harry und führte die Kandidaten aus dem Publikum auf die Showtreppe.
Was viele vergessen: Walter Freiwald war das ruhende, bodenständige Gegenstück zum quirligen Harry – und genau diese Mischung machte den Erfolg der Sendung aus.
Walter Freiwald: Der Teleshopping-Papst Deutschlands
Nach „Der Preis ist heiß" fand Walter Freiwald sein zweites Standbein: Teleshopping. Er moderierte zunächst beim Einkaufssender QVC, wurde dann beim neu gegründeten RTL Shop nicht nur Moderator, sondern auch Programmdirektor. Jahrelang stand er täglich vor der Kamera und verkaufte alles von Küchenhelfern bis Schmuck – mit einem augenzwinkernden Charme, der ihm den inoffiziellen Titel „Teleshopping-Papst" einbrachte.
2008 verließ er RTL Shop nach Unstimmigkeiten, moderierte aber später weiter bei pearl.tv und ab Februar 2016 täglich die Sendung „Freiwald am Morgen" auf dem Teleshopping-Sender 123tv. Er war einfach eine Instanz in diesem Genre.
Dschungelcamp 2015: Walter Freiwald wird zum Publikumsliebling
Im Januar 2015 wagte sich Walter Freiwald in ein ganz anderes Format: Er zog in die neunte Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!". Mit seiner warmherzigen, humorvollen Art eroberte der damals 60-Jährige die Herzen der Zuschauer im Sturm. Erst drei Tage vor dem Finale musste er das Camp verlassen – viele Fans hätten ihn gerne als Dschungelkönig gesehen. Im August 2015 kehrte er sogar bei „Ich bin ein Star – Lasst mich wieder rein!" zurück.
Parallel wurde seine alte Single „Artur, alles wird gut" aus dem Jahr 1993 neu aufgelegt – eine schöne Erinnerung an einen Mann, der immer auch für den Schalk im Nacken stand.
Walter Freiwalds Bewerbung als Bundespräsident
Kurios und typisch Walter Freiwald: Im Januar 2015 bewarb er sich öffentlich als Bundespräsident – augenzwinkernd natürlich. Sein Bewerbungsschreiben sorgte bundesweit für Schlagzeilen und machte deutlich: Dieser Mann hatte Humor und Herz. Bei Thomas Gottschalks „Herbstblond"-Geburtstagsshow durfte er dann als fiktiver Bundespräsident auftreten. Auch in „Circus HalliGalli" und im „Neo Magazin Royale" war er gerngesehener Gast.
2015 gewann Walter Freiwald außerdem „Das perfekte Promi-Dinner" – seinen Gewinn spendete er an die Deutsche Hirntumorhilfe. Ein Zeichen dafür, wie groß sein Herz war.
Walter Freiwald privat: Ehemann und Vater
Abseits des Rampenlichts führte Walter Freiwald ein zurückgezogenes Leben. Verheiratet mit seiner großen Liebe, lebte er mit seiner Familie in Meerbusch am Rhein. Das Paar hatte zwei Söhne, von denen einer – Neill Freiwald – als Musiker in die Öffentlichkeit tritt.
Im November 2015 veröffentlichte Walter Freiwald seine Autobiografie „Frei Schnauze und mit einem Augenzwinkern" – ein Titel, der sein ganzes Wesen perfekt beschrieb.
Der Tod von Walter Freiwald: Ein erschütternder Abschied
Dann kam der 6. November 2019. Walter Freiwald machte über seine Social-Media-Kanäle öffentlich, dass er unheilbar an Krebs erkrankt sei. In schonungsloser Offenheit schrieb er: „Der Krebs ist ein Arschloch und wird mich töten. Ich liebe meine Frau und meine Kinder."
Wenige Tage später folgte sein bewegendster Post: „Danke für eure Reaktionen und euer Mitgefühl. Ihr tut mir gut. Vergesst mich nicht!"
Nur zehn Tage später, am 16. November 2019, starb Walter Freiwald im Alter von 65 Jahren in seinem Zuhause in Meerbusch. Seine Witwe teilte auf seinen Social-Media-Kanälen mit: „Am 16.11.2019 hat er den Kampf gegen den Krebs verloren. Sein Lebenswerk als Moderator und Entertainer, wie auch als liebender Ehemann und Familienvater bleibt unvergessen."
„Vergesst mich nicht!" – Walter Freiwalds Erbe lebt weiter
Die Anteilnahme war riesig: Auch Comedy-Kollege Oliver Kalkofe schrieb auf Twitter: „Lieber Walter, so oft warst Du Gast in der Mattscheibe und hast uns zum Lachen gebracht. Ohne Dich wäre das deutsche TV sehr viel trauriger und farbloser gewesen. Danke für den Wahnsinn, die Freude und die Energie. Ruhe in Frieden."
Heute, an seinem 72. Geburtstag, erinnern sich Millionen Fernsehzuschauer an einen Mann, der immer da war, wenn man mal wieder gut gelaunt vor der Glotze sitzen wollte. Der Teleshopping-Papst, der Dschungelcamp-Herzensbrecher, der Preis-ist-heiß-Mann. Walter Freiwald, seine Energie und sein warmer Humor fehlen bis heute.