Model und Schauspielerin Betty Taube hat in jungen Jahren eine Karriere aufgebaut, von der viele nur träumen. Mit 19 gelang ihr der Durchbruch, als sie 2014 bei „Germany’s Next Topmodel“ den vierten Platz erreichte. Seitdem ist sie auf Laufstegen, bei Drehs und auf roten Teppichen präsent, arbeitet zudem erfolgreich als Influencerin.

Hinter dem glamourösen Leben steckt jedoch eine Vergangenheit, die von Schmerz und Angst geprägt war. Ihre Mutter war alkoholabhängig – und Betty erlebte in ihrer Kindheit Gewalt und emotionale Verletzungen.

Betty Taube schildert Gewalt durch alkoholkranke Mutter

In ihrem Buch „Sag, die blauen Flecke kommen vom Spielen“ beschreibt Betty Taube, wie der Alkohol das Familienleben bestimmte. Die Abhängigkeit der Mutter führte zu Kontrollverlust, Ausrastern und Situationen, in denen das Kind Betty körperlich und seelisch litt.

Sie spricht davon, wie unberechenbar der Alltag war: Mal war die Mutter liebevoll, dann wieder aggressiv und verletzend. Für ein junges Mädchen bedeutete das ständige Alarmbereitschaft. In dem Format „deep&deutlich“ offenbarte sie, wie ihre Mutter ihr einst mit einem Messer hinterhergerannt und immer wieder auf einen Schrank eingstochen habe.

Sie hat dann süße, kleine Tieraufkleber darüber geklebt, um es zu vertuschen. Dann kam das Jugendamt in mein Zimmer und meinte, was das denn für Aufkleber seien. Was sich denn dahinter verbirgt. Obwohl das Jugendamt es wusste, sind sie wieder nach Hause gefahren“, so Betty.

Mit neun kam sie schließlich ins Heim: „Es gab den ein oder anderen Moment, wo ich nicht mehr konnte. Ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte. Der Umzug in das Kinderheim war daher eigentlich meine Rettung.“

Die heute erfolgreiche TV-Persönlichkeit macht deutlich, dass sie ihre Mutter trotz der Misshandlungen nie aufgegeben hat – und dass sie lange brauchte, um zu verstehen, dass die Sucht eine Krankheit ist: „Ich weiß, dass sie krank und in den meisten Situationen nicht sie selbst war.“

Wendepunkt mit 19: GNTM verändert ihr Leben

Mit der Teilnahme an „Germany’s Next Topmodel“ änderte sich für Betty Taube alles. Der Einzug ins Finale und der vierte Platz eröffneten ihr berufliche Chancen, die sie aus ihrem schwierigen Umfeld herausführten. Die Show war für sie nicht nur Sprungbrett in die Modewelt, sondern auch ein emotionaler Befreiungsschlag.

Zum ersten Mal konnte sie sich ein eigenes Leben aufbauen, unabhängig von der zerstörerischen Dynamik zu Hause. Die Öffentlichkeit sah damals ein fröhliches, ehrgeiziges Nachwuchsmodel – die tiefe innere Verletzung blieb jedoch lange verborgen. Während dem GNTM-Dreh starb zudem Bettys Mutter.

Liebe zur Mutter trotz Misshandlung

Trotz der schmerzhaften Erfahrungen betont Betty Taube immer wieder, wie stark die Bindung zu ihrer Mutter ist. Sie macht klar, dass sie die Frau, die ihr das Leben geschenkt hat, über alles liebt – auch wenn diese ihr als Kind wehgetan hat: „Ich liebe sie total und trauere ihr hinterher. Das können viele Leute nicht verstehen, weil sie mir ganz schreckliche Dinge angetan hat.“

Betty beschreibt, wie widersprüchlich ihre Gefühle waren: Scham, Wut und Enttäuschung, aber auch Mitgefühl und Sorge. Gerade diese Ambivalenz macht ihre Geschichte so eindringlich. Sie verurteilt nicht, sondern versucht zu verstehen, wie sehr die Sucht ihre Mutter verändert hat. Damit rückt sie auch das Thema Alkoholabhängigkeit in Familien in den Fokus.