Sie ist die wohl berühmteste Sprüche-Klopferin Deutschlands. „Da werden Sie geholfen!", „Wann macht er denn endlich Blubb?" – kaum ein Werbespruch der vergangenen 30 Jahre ging so unter die Haut wie die unverwechselbare Stimme der Verona Pooth. Doch hinter dem strahlenden Lächeln, dem Charisma und der scheinbar grenzenlosen Lebensfreude versteckt sich eine Frau, die früh lernen musste, was es heißt, kämpfen zu müssen.
Geboren als kleines Mädchen in La Paz
Als Verona Feldbusch am 30. April 1968 in der bolivianischen Hauptstadt La Paz auf die Welt kam, war an deutsche Werbespots noch lange nicht zu denken. Ihre Mutter Luisa war eine bolivianische Friseurin, ihr Vater Ernst ein deutscher Maschinenbau-Ingenieur, der es in das südamerikanische Land verschlagen hatte. Den Vornamen Verona bekam das Baby zu Ehren der italienischen Großmutter, deren Geburtsstadt eben jene Stadt im Norden Italiens war.
Schon mit einem Jahr stand für die kleine Familie der erste große Umbruch an. Vater Ernst zog mit Frau, Tochter und Sohn zurück in seine Heimatstadt Hamburg. Was viele nicht wissen: Verona spricht bis heute fließend Spanisch, ihre bolivianischen Wurzeln waren ihr immer wichtig.
Der erste tiefe Schnitt
Doch das familiäre Glück hielt nicht lange. Als Verona zehn Jahre alt war, ließen sich ihre Eltern scheiden. Eine Wunde, die das Mädchen für immer prägte. Mama Luisa zog mit ihren Kindern in die Hamburger Hochhaus-Siedlung Lurup – ein Stadtteil, der für vieles steht, aber nicht für Glamour. Verona besuchte die Hauptschule.
Ihre Mutter eröffnete in der neuen Heimat einen kleinen Friseursalon. Und die kleine Verona half mit, wann immer sie konnte. Reichte Föhne an, fegte Haare zusammen, beobachtete Frauen, die sich verschönern ließen. Es waren diese Stunden zwischen Spiegel, Shampoo und Damen unter der Trockenhaube, in denen die spätere Werbe-Ikone ihre erste Lehre fürs Leben bekam.
Aus dem südamerikanischen Mädchen mit den funkelnden Augen wurde nicht über Nacht ein Star. Es brauchte fast ein halbes Leben.
Der Anruf, der nie hätte kommen dürfen
Mit 15 wurde Verona auf der Straße von einem Werbefotografen entdeckt. Es folgten Modeljobs, Schönheitswettbewerbe, Platz zwei bei der Wahl zur Miss Germany 1990, dann der Einstieg bei RTL 2 mit „Peep!". Die kurze, skandalöse Ehe mit Dieter Bohlen 1996 machte sie endgültig zum Boulevard-Star. Es schien, als hätte das Mädchen aus Hamburg-Lurup ihren Aufstieg geschafft.
Doch dann kam das Jahr 2003. Verona war hochschwanger mit ihrem ersten Sohn Diego, lebte gerade erst seit drei Jahren mit ihrem Franjo zusammen, alles schien wie ein Märchen. Da kam die Nachricht: Vater Ernst lag im Sterben. Schweres Asthma, dann ein Herzanfall mit 75 Jahren. Und nun das Bitterste: Wegen ihrer Schwangerschaft und des Infektionsrisikos durfte Verona ihren todkranken Vater im Krankenhaus nicht besuchen. Sie konnte sich nicht mehr verabschieden.
Wer einmal selbst einen Elternteil verloren hat, weiß, was diese Worte bedeuten. Kein letztes „Ich hab dich lieb". Kein letztes Drücken der Hand.
Sechs Jahre nicht durchgeschlafen
Doch das Schicksal hatte mit Verona noch nicht abgeschlossen. Ihre Mutter Luisa, die starke Frau, die ihr alles beigebracht hatte, erkrankte in den folgenden Jahren an Demenz. Den Tiefpunkt schilderte Verona einmal mit zitternder Stimme: Sie habe einen Anruf bekommen, dass ihre Mutter drei Tage in ihrer Wohnung auf dem Fußboden gelegen habe und nur ganz knapp überlebt habe.
Sechs Jahre lang sei sie jede Nacht nassgeschwitzt aufgewacht, gestand die Entertainerin später öffentlich. Die Krankheit nahm Luisa langsam ihre eigene Tochter weg. Zur kirchlichen Hochzeit von Verona und Franjo im Wiener Stephansdom 2005 konnte die Mutter nicht mehr anreisen – die Demenz war schon zu weit fortgeschritten. Die Boulevard-Presse machte Verona damals zur „bösen Tochter". Sie schluckte alle Kritik. Um ihre Mutter zu schützen.
Im Jahr 2015 starb Luisa Feldbusch mit 80 Jahren. „Ich vermisse meine Mami sehr", sagte Verona einmal mit Tränen in den Augen am Grab in Hamburg.
Die Frau, die nie aufgegeben hat
Heute, an ihrem 58. Geburtstag, lebt Verona Pooth ein Leben, von dem die kleine Verona im Friseursalon ihrer Mama nicht zu träumen gewagt hätte. Mit ihrem Mann Franjo, mit dem sie seit 22 Jahren verheiratet ist, und ihren beiden Söhnen Diego (22) und Rocco (14) hat sie ihre eigene kleine, festgeschworene Familie.
Das kleine Mädchen aus La Paz, das Mädchen aus dem Friseursalon in Hamburg-Lurup, das Mädchen, das seinen Papa nicht mehr in den Arm nehmen durfte – sie ist heute eine Frau, die genau weiß, was im Leben wirklich zählt.