Geboren am 4. Mai 1927 in Köln-Kalk, wuchs Gertrud Alexandra Herr in armen Verhältnissen auf. Ihr Vater Robert war Lokomotivführer und überzeugter Kommunist – was ihm während der Nazi-Zeit fast durchgängig Gefängnis und später sogar das Konzentrationslager einbrachte. Trude wuchs ohne ihn auf, ein Schmerz, den sie später in ihrem Lied „Papa" verarbeitete. Aus dem Mädchen, das man wegen seiner vollen Formen liebevoll „dat Pummel" nannte, wurde Deutschlands liebste Ulknudel der Wirtschaftswunderjahre.
Trude Herrs großer Hit – und der frühe Bruch mit dem Karneval
Mit dem Lied „Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann" gelang ihr 1960 der ganz große Durchbruch. Was viele heute nicht mehr wissen: Trude Herr war alles andere als die naive Frohnatur, als die sie das Publikum sah. Schon 1959 zerstritt sie sich mit dem Kölner Karneval, weil ihr eine ihrer parodistischen Nummern verboten wurde – sie kehrte den Festkomitees danach für immer den Rücken.
1977 eröffnete sie ihr eigenes „Theater im Vringsveedel" in der Kölner Severinstraße, eine volksnahe Alternative zum Millowitsch-Theater. Zehn Jahre lang war sie dort gleichzeitig Direktorin, Autorin, Regisseurin, Kostümbildnerin und Hauptdarstellerin – ohne städtische Zuschüsse, ständig am Limit.
Trude Herrs Vorerkrankungen: Sie entging knapp einer Amputation
Doch dieses rastlose Leben forderte einen hohen Preis. Anfang 1986 hatte Trude Herr eine schwere Gefäßverengung in den Beinen – das Laufen wurde für die starke Raucherin zur Qual. Sie entging nur knapp der Amputation eines sogenannten Raucherbeins. Im Januar 1987 musste sie mitten von der Bühne ins Krankenhaus, ließ sich in München operieren und bekam einen Bypass im Bein. Insgesamt sechs schwere Operationen am Hals und an den Beinen waren nötig.
Im Juli 1987 zog sie sich aus gesundheitlichen Gründen auf die Fidschi-Inseln zurück, dorthin, wo es warm war und keiner sie kannte. Dort lernte sie ihren Lebensgefährten Samuel Bawesi kennen.
„Niemals geht man so ganz": Das Lied wurde zur Vorahnung
Und genau hier wird die Geschichte tragisch und kurios zugleich. Kurz vor ihrem Rückzug auf die Fidschi-Inseln nahm Trude Herr 1987 zusammen mit Wolfgang Niedecken (BAP) und Tommy Engel (Bläck Fööss) ein Lied auf, das bis heute zu den meistgespielten kölschen Liedern bei Beerdigungen gehört: „Niemals geht man so ganz". Es ist ein Lied über Abschied, über das, was bleibt, wenn ein Mensch geht. Vier Jahre später war sie selbst tot – und ausgerechnet dieses Lied wurde zu ihrem persönlichen Vermächtnis.
Anfang 1991 kehrte Trude Herr mit Bawesi nach Köln zurück, ein Comedy-Comeback bei RTL plus war geplant. Doch sie war zu schwach. Im Februar 1991 zog sie weiter ins südfranzösische Lauris bei Aix-en-Provence, in ein kleines Ferienhaus, in der Hoffnung, dass das milde Klima ihr helfen würde.
Trude Herrs letzter Weg: Allein im Sessel
Es half nicht. In der Nacht vom 15. auf den 16. März 1991 erlitt Trude Herr einen schweren Asthmaanfall, dem ihr ohnehin geschwächtes Herz nicht mehr gewachsen war. Als ihre Haushaltshilfe am Morgen die Wohnung betrat, fand sie die 63-Jährige tot in ihrem Sessel sitzend. Ihr Leichnam wurde nach Köln überführt und am 27. März 1991 im Familiengrab auf dem Nordfriedhof beigesetzt. Tausende Kölner kamen, um Abschied zu nehmen, hinter der Urne ging Willy Millowitsch.
Heute erinnern in Köln ein Park, ein Denkmal und eine Bronzetafel an die Frau, die einmal sagte: Sie wolle nichts besitzen, sie wolle einfach nur leben. „Niemals geht man so ganz", singen die Kölner bis heute – und meinen damit oft sie.