Erinnert ihr euch? Tobias Schlegl und Enie van de Meiklokjes bei Viva
Damals grell, heute geerdet
Zwei wilde Frisuren, ein Sender, eine ganze Generation: In den 90ern gehörten Tobias Schlegl und Enie van de Meiklokjes zu den grellsten Gesichtern von Viva. Fast 30 Jahre später hätte ihr Leben kaum unterschiedlicher verlaufen können. Und Schlegl feiert gerade ein Jubiläum, das alles über seine Verwandlung verrät.
Auf dem Foto strahlt eine junge Frau mit leuchtend roten Haaren in die Kamera, neben ihr ein Mann mit wild zerzaustem Blondschopf. Es ist Mitte der 90er, die beiden sind Aushängeschilder des Kultsenders Viva, ihre auffälligen Frisuren ihr Markenzeichen. Enie van de Meiklokjes und Tobias Schlegl verkörpern damals das Lebensgefühl einer ganzen Jugend. Doch wer hätte geahnt, wohin der Weg des jungen Mannes mit den blonden Strähnen einmal führen würde?
Tobias Schlegl und Enie van de Meiklokjes: das wilde Viva-Duo
Schon mit 17 stand Tobias Schlegl 1995 für Viva vor der Kamera, kurz darauf, 1996, kam Enie van de Meiklokjes dazu. Gemeinsam prägten sie eine Ära aus Neonfarben, Musikvideos und schrillen Outfits. Während Enie sich später neu erfand und heute Millionen als Moderatorin von Backshows wie „Das große Backen" begeistert, wählte Schlegl einen Weg, den ihm damals niemand zugetraut hätte. Was die wenigsten ahnen: Aus dem frechen Musikmoderator wurde ein Mann, der Menschenleben rettet.
Tobias Schlegl und der radikale Abschied vom Fernsehen
Nach Viva moderierte Schlegl das Satiremagazin extra 3 und schließlich das renommierte ZDF-Kulturmagazin aspekte. Doch 2016 zog er einen Schlussstrich. „Eine Sehnsucht nach Tiefe hat mich zu diesem radikalen Bruch bewogen", schrieb er nun zum zehnjährigen Jubiläum seiner Entscheidung. Aus dem gefeierten Fernsehgesicht wurde von einem Tag auf den anderen ein Auszubildender im Rettungsdienst – mit Ende 30, in einem Alter, in dem die meisten längst nach Sicherheit suchen.
Wie Tobias Schlegl im Rettungswagen seine Erfüllung fand
Drei Jahre dauerte die Ausbildung, am Ende stand das Staatsexamen zum Notfallsanitäter. Schlegl fuhr im Rettungswagen, war dort, wo Menschen ihn am dringendsten brauchten. Später ging er noch einen Schritt weiter und arbeitete auf dem Mittelmeer, auf dem Seenotrettungsschiff Sea-Eye 4.
„Die Seenotrettung wurde die härteste Herausforderung meines Lebens", berichtete er. Auch er selbst geriet durch belastende Einsätze an seine Grenzen – ein Kriseninterventionsteam half ihm, das Erlebte zu verarbeiten. Aus diesen Erfahrungen entstand schließlich Literatur: Beim Piper Verlag veröffentlichte er den Spiegel-Bestseller „Schockraum" und 2025 das Buch „Leichtes Herz und schwere Beine" über eine Wanderung mit seiner Mutter.
Warum Tobias Schlegls Bilanz so viele Menschen berührt
Sein Rat an alle, die mit einem Neuanfang liebäugeln, klang fast wie ein Versprechen: „Mit Ende 30 das Leben radikal auf den Kopf stellen? Es ist alles andere als einfach. Aber wenn ihr den Drang habt: Macht es. Für mich hat es sich sowas von gelohnt." Auf Instagram löste der Beitrag daraufhin etwas Bemerkenswertes aus: Reihenweise erzählten Menschen von ihren eigenen Wendepunkten. Eine Userin, die mit 37 noch einmal die Schulbank drückte und heute als Notfallschwester arbeitet, schrieb: „Nochmal neu anzufangen lohnt sich immer! Das Leben ist zu kurz für Jobs, die nicht erfüllend sind." Eine andere machte mit 45 ihren Abschluss als Maschinenführerin und wagte den Quereinstieg. Eine Followerin fand schließlich die treffendsten Worte: „Vom Rampenlicht zum Blaulicht, vom Unterhalter zum Lebensretter."
Der wilde Viva-Moderator von einst ist heute der Mann, der anderen das Leben rettet. Manchmal beginnt der mutigste Weg eben mit dem Loslassen von allem, was einen einst berühmt gemacht hat.