Sie wurde 71 Jahre alt. Was viele heute nicht mehr wissen: Sigi Harreis war die erste Showmasterin Deutschlands überhaupt. Sie hat damit Tausenden Frauen nach ihr den Weg ins Showbusiness geebnet.

1980 übernahm Harreis von Frank Elstner die Quiz-Sendung „Die Montagsmaler" – zunächst im Dritten Programm des Südwestfunks, ab 1982 dann in der ARD. Plötzlich stand da eine Frau am Rateteam-Tisch, wo sonst nur Männer wie Robert Lembke, Hans-Joachim Kulenkampff oder Peter Frankenfeld die Showbranche dominiert hatten. „Durch ihr Beispiel hat Sigi Harreis vielen Frauen den ehemals steinigen Weg ins Entertainmentgewerbe geebnet", schrieb die „taz" in einem Nachruf. Ein Satz, der ihre Bedeutung für die deutsche Fernsehgeschichte präzise auf den Punkt bringt.

Sigi Harreis: Vom Tübinger Professorenkind zur Dolmetscherin

Geboren wurde Siglinde „Sigi" Dannenmann am 28. April 1937 in Tübingen. Ihr Vater, Dr. Hans Dannenmann, war Dozent für Psychologie und Pädagogik – eine privilegierte Bildungsfamilie. Sigi besuchte das Mädchengymnasium in Esslingen am Neckar und studierte anschließend Englisch und Spanisch in Heidelberg und Madrid. Sie absolvierte eine Ausbildung zur fremdsprachlichen Wirtschaftskorrespondentin und Verhandlungsdolmetscherin. Schon früh sprach sie fließend Spanisch, Englisch und Französisch – eine Frau von Welt.

Es war ihr eigener Vater, der sie auf den Weg ins Fernsehen brachte. Er ermutigte sie Ende der 50er Jahre, ihre Dolmetscherausbildung mit Aushilfsjobs beim Bayerischen Rundfunk zu finanzieren. Die junge Sigi sprach beim legendären „Was bin ich?"-Moderator Robert Lembke vor – und wurde angeheuert. Zunächst als Kabelträgerin, Scriptgirl und Ansagerin. Ein Showtalent wurde dort geboren, von dem damals niemand ahnte, wie weit es einmal kommen würde.

Sigi Harreis und „Die Montagsmaler": Ein Millionenpublikum lacht mit

In den 70er Jahren wurde Sigi Harreis nach und nach zu einem festen Gesicht im SWF. Sie moderierte den „Talentschuppen", das „Baden-Badener Roulette", „Die goldene Eins" und die „Aktuelle Stunde" im WDR. Doch ihr großer Durchbruch kam mit den „Montagsmalern". 16 Jahre lang, von 1980 bis 1996, führte sie durch die Kult-Sendung, in der Prominente und Familien Begriffe an einer Tafel zeichneten und ein Team raten musste. Einfaches Format, große Wirkung: Bis zu acht Millionen Zuschauer schalteten regelmäßig ein.

Was die „Montagsmaler" besonders machte, war Sigi Harreis selbst. „Eine Art robust-feinfühlige Frau, so fantasierte man, die ihr Herz auf dem rechten Fleck hatte", schrieb die „taz". Sie strahlte eine Wärme aus, die Familien vor dem Fernseher zusammenrücken ließ. Daneben war Harreis auch im Hörfunk eine Größe: Ihre SWF3-Comedy „Landärztin Marianne 013" wurde Kult – ein Format, das später sogar mit Anke Engelke neu aufgelegt wurde.

Sigi Harreis: „Ich würde gern noch leben"

Hinter der charmanten Fassade kämpfte Sigi Harreis in ihren letzten Jahren einen Kampf, den sie nicht gewinnen konnte. Sie hatte Magenkrebs. In einem bewegenden Bunte-Blog-Beitrag aus jener Zeit schrieb sie unter der Überschrift „Ich würde gern noch leben" über ihre Auseinandersetzung mit der Krankheit – mit jener Würde, die sie ihr Leben lang ausgezeichnet hatte. Ihr Ehemann Klaus Langer sagte nach ihrem Tod der „taz": „Sigi hat sehr gelitten und gekämpft, aber es ist unglaublich, mit wieviel Würde und Kraft sie diese Krankheit ertragen hat."

Aus erster Ehe mit Jobst Harreis hatte sie zwei Kinder: Caroline und Till. 1977 heiratete sie ihren zweiten Ehemann Klaus Langer – eine glückliche Ehe bis zum Schluss. Und ihren letzten Wunsch erfüllten ihre Liebsten: Sigi Harreis wurde eingeäschert, ihre Asche im Meer vor Mallorca verstreut – jenem Ort, an dem sie und ihr Mann sich nach ihrem Rückzug aus dem Fernsehen 1998 ein zweites Zuhause aufgebaut hatten. Das Mittelmeer trägt sie heute. Die Frau, die einmal Spanien zur Liebe ihres Studiums machte, fand auch ihre letzte Heimat dort. Eine Wahl, die schöner kaum sein könnte.