Deutschland trauerte 2015 um ein Ehepaar, das über Jahrzehnte als unzertrennlich galt: Schauspieler Horst Keitel (†88) und Synchronsprecherin Herta Kravina (†89) wurden tot in ihrer Wohnung in Charlottenburg gefunden. Die beiden waren seit den 60er-Jahren ein Paar, seit 1964 verheiratet und starben gemeinsam am 6. November 2015.
Horst Keitel und Herta Kravina sind zusammen gegangen
Auch beruflich verband die beiden viel. Horst Keitel spielte unter anderem in der ZDF-Serie „Percy Stuart“, später auch in Produktionen wie „Großstadtrevier“ und „Die Schwarzwaldklinik“. Herta Kravina arbeitete als Schauspielerin und lieh Stars wie Zsa Zsa Gabor und Anita Ekberg in deutschen Fassungen ihre Stimme.
Nach Angaben der Familie wurden die beiden von Nachbarn entdeckt. Die Polizei bestätigte damals einen Einsatz an der Adresse, nannte jedoch keine Namen. Nach ersten Ermittlungen sei von dem Suizid eines älteren Ehepaars ausgegangen worden. Besonders tragisch wirkte der Fall auch wegen der langen gemeinsamen Geschichte.
Über Jahrzehnte hatten Horst Keitel und Herta Kravina zusammengelebt, zurückgezogen und eng verbunden. Freunde beschrieben sie als Paar, das fast alles miteinander teilte. Ihr Tod löste deshalb in der Film- und Fernsehwelt große Bestürzung aus.
Claus Wilcke schilderte die enge Bindung des Paars
Schauspieler Claus Wilcke, ein langjähriger Weggefährte aus „Percy Stuart“, sprach damals sehr offen über die Situation. „Horst und Herta waren wie Romeo und Julia, einer konnte ohne den anderen nicht leben“, sagte Claus Wilcke laut „abendzeitung-muenchen.de“.
Er berichtete zudem, dass Kravina seit Jahren schwer erkrankt gewesen sei. Demnach litt sie an Demenz, ihr Zustand habe sich immer weiter verschlechtert. Wilcke hatte das Paar Monate zuvor noch besucht. Dabei habe Horst Keitel ihm bereits gesagt, dass er sich ein Leben ohne seine Frau nicht mehr vorstellen könne.
Herta Kravina lebte zuletzt in einem Pflegeheim
Zuletzt lebte Herta Kravina in einem Pflegeheim, während Horst Keitel sie eng begleitete. Nach Informationen aus dem Umfeld soll er sogar ein Bett in ihre Nähe gestellt haben, um bei ihr zu sein, wenn es möglich war. Später habe er sie zum Sterben nach Hause geholt.
Ein Bekannter schilderte zudem, das Paar habe einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin habe gestanden, dass beide ein erfülltes Leben gehabt hätten und nicht ohneeinander leben wollten, wie „Bild“ berichtete. Diese Schilderungen machten deutlich, wie stark ihre Beziehung auch in den letzten Jahren geblieben war.
Horst Keitel sprach zuvor über keinen Ausweg mehr
Weitere Aussagen aus dem Freundeskreis zeichneten damals ein bedrückendes Bild. Claus Wilcke berichtete, Horst Keitel habe schon früher über einen gemeinsamen Tod nachgedacht und sich mit dem Thema Sterbehilfe beschäftigt. In einem Gespräch habe er sinngemäß erklärt, er wisse nicht, warum er noch allein weiterleben solle.
Auch ein früherer Versuch habe demnach im Raum gestanden, bei dem Wilcke noch habe eingreifen können. Der Fall erhielt zusätzliche Aufmerksamkeit, weil kurz zuvor ein Verbot gewerblicher Sterbehilfe beschlossen worden war. Gleichzeitig stand im Mittelpunkt vor allem die tiefe Verbundenheit zweier Menschen, die ihr ganzes Leben miteinander geteilt hatten.