Reinhard Mey (83) hat mit „Schatzhauser“ sein 30. Album veröffentlicht, und diesmal steht er darauf ganz allein mit Gitarre und Stimme. Der Liedermacher erklärte im Gespräch, dass ihm diese Form eine besondere Freiheit gebe, weil er sich ohne Arrangement nicht streng an Takte und Notenwerte halten müsse. Zugleich sprach der 83-Jährige so offen wie selten über das Lebensende.

Angst vor der Nacht: Reinhard Mey über den Tod

Sein neues Werk versteht er nicht als Abschied, auch wenn einzelne Zeilen so gelesen werden könnten. Vielmehr habe er Dinge aussprechen wollen, bevor etwas ungesagt bleibt. Im Gespräch mit der FAZ sagte der Musiker, dass ihn die Angst vor Dunkelheit bis heute begleitet.

„Die kindliche Angst vor der Dunkelheit, die kindliche Angst vor der Nacht, die verlässt einen auch im neunten Lebensjahrzehnt nicht. Es wird sogar etwas stärker“, so Reinhard Mey. Er machte zugleich deutlich, dass ihn das Thema Tod schon länger beschäftigt. Über sein Leben sagte er, es habe ihn mit vielem beschenkt, aber eben auch mit tiefem Schmerz.

Sohn Maximilian starb 2014 mit 32 Jahren

Zu den prägenden Verlusten in seinem Leben gehört der Tod seines Sohnes Maximilian (✝32). Er starb im Mai 2014 im Alter von 32 Jahren nach einer verschleppten Lungenentzündung. Mey bezog sich auf diesen Schmerz auch in seinen aktuellen Aussagen.

Trost findet er trotz seines eigenen Bekenntnisses als Agnostiker in sehr persönlichen Bildern: „Ich sehe meine Eltern wieder, ich sehe meinen Sohn wieder.“ Solche Vorstellungen nannte er selbst kindlich, sagte aber, dass sie ihn wärmen könnten, wie Bunte berichtet.

Reinhard Mey nennt Ort für seine letzte Ruhe

Auch für seine eigene Bestattung hat der Sänger bereits einen klaren Wunsch formuliert. Er möchte unter einem Baum beigesetzt werden, an dem sein Sohn bereits liegt. Dort sei auch Platz für den Rest der Familie. Gleichzeitig beschrieb er den Gedanken an den Tod nüchtern.

Ihm sei bewusst, dass in den Gräbern am Ende nur Asche liege. Trotzdem halte er an diesem inneren Bild fest, weil es für ihn tröstlich sei. Damit verbindet er nicht nur Abschied, sondern auch Nähe zu seiner Familie.

Neues Album ist für Mey kein Schlussstrich

Trotz der ernsten Themen beschrieb sich der Musiker nicht als jemand, der sich aus dem Leben zurückzieht. Er sagte, dass er weitermache, weiterlebe und gesundheitlich in guter Verfassung sei. Seinen Blutdruck schilderte er als gut, außerdem laufe er acht Kilometer, sehe und höre gut und vertrage auch Wein noch.

Auf der Bühne steht er zwar nicht mehr, doch das Schreiben neuer Lieder setzt er fort. „Schatzhauser“ wirkt damit nicht wie ein Ende, sondern wie ein sehr persönlicher Blick auf Verlust, Alter und das, was bleibt.