Der deutsche Schauspieler Lambert Hamel ist tot. Wie seine Familie mitteilte, starb er am vergangenen Freitag (13. Februar) nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren. Der gebürtige Ludwigshafener hinterlässt ein beeindruckendes Werk in Theater, Film und Fernsehen, das mehrere Jahrzehnte umspannt. Hamel galt als präziser Charakterdarsteller, der sich nie auf ein Rollenfach beschränken lassen wollte und seine künstlerische Heimat stets auf der Bühne sah. Neben großen Theaterrollen prägte er zahlreiche TV-Produktionen und Kinofilme – und blieb dabei doch immer der Arbeit am Theater besonders verbunden.

Lambert Hamel prägt Münchner Theaterlandschaft

Seine Karriere begann klassisch am Theater, wo er über viele Jahre als Ensemblemitglied wirkte. Bedeutende Stationen waren die Münchner Kammerspiele und das Bayerische Staatsschauspiel, an denen er sowohl klassische als auch moderne Rollen übernahm. Inszenierungen von Molière, Kleist, Lessing und Shakespeare gehörten zu seinen wichtigsten Arbeiten. Zu seinen Paraderollen zählte der „Theatermacher“ im gleichnamigen Stück von Thomas Bernhard. Hamel überzeugte in Dramen ebenso wie in Komödien und zeitgenössischen Stücken und entwickelte sich zu einem Darsteller, der mit feiner psychologischer Genauigkeit und großer Bühnenpräsenz arbeitete.

Vom Studenten zum gefragten Charakterdarsteller

Schon als Jugendlicher fasste Hamel den Entschluss, Schauspieler zu werden – sehr zum Missfallen seines Vaters. Nach dem Abitur studierte er zunächst Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften in Heidelberg und Köln, bevor er an die Westfälische Schauspielschule in Bochum wechselte. Noch während der Ausbildung wurde er ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg engagiert. Von dort führte ihn sein Weg über Bochum und Köln schließlich nach München, wo er über Jahrzehnte lebte. Diese frühe Berufung und der konsequente Weg in die Kunst legten den Grundstein für eine Laufbahn, die ihn zu einem festen Bestandteil der deutschsprachigen Theaterwelt machte.

Lambert Hamel überzeugt in Film und Fernsehen

Parallel zur Theaterarbeit baute Hamel eine umfangreiche Film- und TV-Karriere auf. Er wirkte in weit über hundert Produktionen mit, darunter „Der Idiot“ (1968), „Der ganz normale Wahnsinn“, „Vater wider Willen“ und „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“. Besonders im Gedächtnis blieb seine Darstellung des Reformators im ZDF-Zweiteiler „Martin Luther“ (1983). Später übernahm er prägnante Rollen in Formaten wie „Tatort“, „Der Bergdoktor“, „Pfarrer Braun“ und „Der Alte“. Im TV-Doku-Drama „Deutschlandspiel“ verkörperte er Helmut Kohl, wie Bild berichtet. Einen seiner letzten Auftritte hatte er in der ZDF-Serie „Gestern waren wir noch Kinder“.

„Die Bühne heilt“ – Hamels Blick auf das Älterwerden

Hamel legte großen Wert darauf, sich nicht auf ein bestimmtes Rollenprofil festlegen zu lassen. Er sagte einmal, er wolle „nicht gerne auf einen Typen festgelegt werden“. Über das Älterwerden im Beruf sprach er mit viel Klarheit: „Erst hat man plötzlich Kinder und dann spielt man den Opa. Jedes Alter wird gebraucht.“ Das Theater blieb für ihn der Mittelpunkt seines künstlerischen Lebens. „Die Bühne heilt. Wenn ich in der Garderobe bin und dann auf die Bühne gehe, ist alles gut. Die Aufregung, das Adrenalin – das motiviert“, zitierte ihn Bunte. Nebenbei arbeitete er als Synchron- und Hörbuchsprecher und lieh internationalen Stars seine markante Stimme.