Udo Lindenberg (79) zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren der deutschen Rockmusik. Kurz vor seinem 80. Geburtstag rückt nun eine neue ARD-Dokumentation sein Leben noch einmal in den Mittelpunkt. „UDO Rebell. Rockstar. Ikone.“ läuft am 18. Mai im Ersten und ist bereits in der Mediathek verfügbar.

Udo Lindenberg: Deshalb hat sich sein Bassist zurückgezogen

Der Film zeichnet nicht nur den Weg des Panikrockers nach, sondern auch die Jahre, in denen Alkohol sein Leben bestimmte. Gerade diese Phase zeigt, wie nah Erfolg, Kontrollverlust und künstlerische Krise bei Lindenberg zeitweise beieinanderlagen.

Besonders eindrücklich ist die Schilderung von Bassist Karl-Georg „Steffi“ Stephan (79), einem langjährigen Freund und Weggefährten. Er zog sich damals zurück, weil er den Niedergang nicht länger mit ansehen konnte. „Ich wollte nicht mit ansehen, wie der beste Freund sich tot trinkt“, sagte Stephan in der Doku.

Auch Lindenberg selbst spricht in der Doku offen über diese Zeit. Alkohol sei immer dabei gewesen, und mehrfach sei es sehr knapp geworden. Während Stephan nach eigener Aussage jederzeit aufhören konnte, sei das bei Lindenberg eben nicht gelungen.

Udo Lindenberg spricht offen über seine schlimmste Phase

Schon der Tod seiner Mutter Hermine im Jahr 1979 brachte ihn aus dem Gleichgewicht, gegen Ende der 80er geriet vieles außer Kontrolle. Benjamin von Stuckrad-Barre (51) berichtet, dass sogar ein Aufpasser engagiert wurde, damit Lindenberg weniger trinkt.

Die Sache lief jedoch völlig anders: Lindenberg suchte die Person selbst aus und landete am Ende mit einem Alkoholiker an seiner Seite wieder beim Trinken. Auch journalistische Stimmen aus dem Film machen deutlich, wie ernst die Lage war. Auf die Frage, ob er damals glücklich gewesen sei, antwortete er sinngemäß klar mit „Nein“.

Entgiftung und radikaler Cut veränderten alles

Der Musiker beschreibt sich selbst als jemanden, der Dinge oft extremer angeht, auch Alkohol. Als die Situation härter wurde und er mehrmals pro Jahr zur Entgiftung ins Krankenhaus musste, zog er die Reißleine. Er habe sich gesagt, er müsse sich anders antreiben, berichtet „swr.de“.

Stuckrad-Barre ordnet diesen Schritt als echtes Wagnis ein: nüchtern zu bleiben. Genau dieser Einschnitt wurde zum Wendepunkt. Mit der neuen Klarheit kehrte auch die kreative Kraft zurück, die viele schon verloren glaubten.

Spätes Karrierehoch mit Nummer eins und „Komet“

Ab 2006 arbeitete Lindenberg mit Produzent Andreas Herbig an neuem Material. Daraus entstand 2008 „Stark wie Zwei“, sein 34. Studioalbum und erstmals ein Nummer-eins-Erfolg. Später folgte mit „Stärker als die Zeit“ ein weiterer Chartspitzenreiter.

Den vielleicht größten Pop-Moment der späten Jahre lieferte dann „Komet“ mit Apache 207, das 2023 ganz nach oben schoss. Sängerin Ulla Meinecke (72) kommentierte das in der Doku mit Humor: „Kaum 50 Jahre im Geschäft, schon haste ne Nummer eins!“, so Meinecke.