Skispringer Philipp Raimund ist sportlich auf dem Gipfel angekommen – privat bleibt für den Allgäuer jedoch vor allem eines entscheidend: seine Familie. Der Olympiasieger von der Normalschanze betont immer wieder, wie sehr ihn Eltern und Geschwister geprägt haben.
Geboren in Göppingen, aufgewachsen zwischen Schwabenland und Allgäu, hat sich der Sportsoldat Schritt für Schritt an die Weltspitze gekämpft. Während seine Erfolge im Weltcup und bei der Vierschanzentournee immer größer wurden, blieb sein familiäres Umfeld der ruhige Gegenpol zu einem Leben zwischen Trainingsalltag, Medieninteresse und Wettkampfdruck.
Philipp Raimund: Vom Göppinger Jungen zum Allgäuer Olympiasieger
Am 23. Juni 2000 in Göppingen geboren, stand Philipp Raimund mit fünf Jahren erstmals oben auf einer Schanze in Degenfeld bei Schwäbisch Gmünd. Anfangs lief nicht alles wie im Bilderbuch, doch mit hartem Training kamen die ersten Podestplätze im Continentalcup und später die starken Auftritte bei der Vierschanzentournee, wo er sich in der erweiterten Weltspitze festsetzte.
Er krönte er seine Aufstieg mit dem Olympiagold auf der Normalschanze. „Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich bin so stolz. Jetzt bin ich Olympiasieger, das ist unglaublich“, sagte der Allgäuer nach seinem Triumph.
Eltern, Geschwister und ein Spitzname namens „Hille“
Seine sportliche Laufbahn ist eng mit seiner Familie verknüpft. Die Mutter war Turnerin, der Vater spielte American Football und Fußball, der ältere Bruder segelte früh von der kleinen Schanze – ein Bild, das Philipp unbedingt nachahmen wollte.
Später kam noch ein jüngerer Bruder dazu, auch eine jüngere Schwester gehört zur Familie. Von ihr stammt sein Spitzname „Hille“, weil sie „Philipp“ als Kind nicht aussprechen konnte. „Irgendwie hat sich das eingebürgert, viele wissen gar nicht, dass ich Philipp heiße“, erzählte der Skispringer einmal im Wintersport-Podcast. Für ihn ist klar: „Ich bin meiner Familie sehr dankbar. Sie geben mir so viel Selbstbewusstsein.“
Umzug ins Allgäu: Familie stellt alles für den Sport um
Als der Vater beruflich ins Allgäu wechselte, zog die Familie 2011 nach Altstädten bei Sonthofen. Der Schritt war vor allem für Philipps Karriere entscheidend: bessere Trainingsbedingungen, kürzere Wege zu den Schanzen in Füssen und Oberstdorf. Laut allgaeuer-zeitung.de packte die Familie sogar mit an, als die Schanzen des SC Füssen renoviert werden mussten.
Später folgte der Wechsel zum SC Oberstdorf, wo Raimund heute startet und bei jeder Vierschanzentournee ein echtes Heimspiel erlebt. Der Vater arbeitete dort zeitweise als Skisprungtrainer – auch für seinen Sohn. „Sie sagen einfach: Hille, wir wissen, dass du es kannst. Glaub an dich“, beschrieb er den Rückhalt seiner Liebsten.
Höhenangst, Gaming und Bundeswehr: So lebt „Hille“ heute
Trotz seiner Routine auf den Schanzen kämpft Philipp Raimund mit einem ungewöhnlichen Begleiter: leichter Höhenangst. Öffentlich wurde das, als er 2025 auf das Skifliegen in Planica verzichtete. „Normalerweise habe ich es unter Kontrolle, aber ab und zu reagiert mein Körper, ohne dass ich ihn kontrollieren kann“, erklärte er.
Mit Mentaltraining arbeitet er daran, die Kontrolle zu behalten. Abseits des Sports sorgt sein Beruf als Sportsoldat in Sonthofen für finanzielle Sicherheit und medizinische Betreuung.
In seiner Freizeit sitzt der Wintersportler gern am PC, streamt auf Twitch und nutzt Gaming als Ausgleich: Kopf aus, Alltag vergessen – und dann wieder Vollgas auf der Schanze, getragen vom Rückhalt seiner Familie im Allgäu.