Mechthild Großmann (77) hat über Jahrzehnte das deutsche Fernsehen und die Theaterwelt geprägt. Vielen ist sie als markante Staatsanwältin Wilhelmine Klemm aus dem Münster-„Tatort“ in Erinnerung, doch die Schauspielerin selbst setzt einen anderen Schwerpunkt.
Mechthild Großmann rät von der Schauspielerei eher ab
Nach ihrem Abschied Ende 2025 spricht sie jetzt ungewöhnlich offen über Belastungen, Grenzen und Erfahrungen aus mehr als einem halben Jahrhundert auf der Bühne und vor der Kamera. Gerade ihre ehrliche Haltung fällt auf, weil sie den Beruf nicht verklärt, sondern mit all seinen harten Seiten beschreibt.
Die Schauspielerin findet deutliche Worte, wenn es um den Alltag in ihrem Metier geht. „Der Beruf ist außergewöhnlich anstrengend und mit Partnerschaft oder gar Kindern kaum zu schaffen“, sagte Mechthild Großmann laut „Neuer Osnabrücker Zeitung“. Damit widerspricht sie dem oft glamourösen Bild der Branche.
Für sie ist die Arbeit nicht nur Leidenschaft, sondern auch Verzicht. Ihre eigene Laufbahn sei zwar gelungen, dennoch rate sie anderen eher nicht zu diesem Weg. „Ich bin nicht sehr reich geworden, obwohl ich immer Arbeit hatte“, erklärte sie im Gespräch mit „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
23 Jahre als Wilhelmine Klemm prägten ein TV-Trio
Über 23 Jahre spielte Großmann die Oberstaatsanwältin Wilhelmine Klemm und wurde damit Teil eines der populärsten Krimi-Ensembles im deutschen Fernsehen. Gemeinsam mit Jan Josef Liefers (61) und Axel Prahl (66) entstand ein Trio, das für viele Zuschauer fest mit Münster verbunden bleibt.
Ihre letzte Folge im Dezember 2025 erreichte noch einmal starke Quoten im Ersten. Trotzdem macht Großmann klar, dass diese Rolle nur ein Teil ihres Berufslebens war. Sie wolle nicht allein darauf reduziert werden, denn ihre Karriere begann schon lange vor dem TV-Erfolg mit zahlreichen Theater- und Filmstationen.
Mechthild Großmann spricht offen über Alter und Rollen
Auch das Älterwerden spart Großmann in ihren Aussagen nicht aus. Sie beschreibt, dass es heute schwerer sei, große Texte auswendig zu lernen, etwa bei Shakespeare. Zugleich blickt sie gelassener auf viele Situationen. „Heute grinse ich manchmal, wo ich früher wütend geworden wäre, weil mein Gegenüber offenbar bestimmte Dinge noch nicht erlebt hat“, so Mechthild Großmann.
Ebenso spricht sie über Ungleichheiten für Frauen in der Branche. Dass Schauspielerinnen ab Mitte 40 oft weniger Rollen bekämen, sei Realität. Sie selbst sei dabei eher eine Ausnahme, finanziell jedoch nie wirklich reich geworden.
Pina Bausch war für Großmann prägender als das Fernsehen
Den wichtigsten Abschnitt ihrer Laufbahn verbindet Großmann nicht mit dem Krimi, sondern mit dem Tanztheater Pina Bausch in Wuppertal. Diese Zeit habe ihren Blick auf Kunst und Arbeit entscheidend erweitert. Mit der Kompanie reiste sie über das Goethe-Institut um die Welt und arbeitete unter intensiven Bedingungen.
Wie „rp-online.de“ berichtet, bezeichnet sie gerade das Theaterspielen als den prägendsten Teil ihres Berufslebens. Über Pina Bausch sagt sie: „Pina Bausch hat mir ein sehr reiches Leben geschenkt“, so Mechthild Großmann. Darin liegt auch ihr eigentlicher künstlerischer Kern.