Viele Menschen starten mit einer kühlen Dusche in den Tag, andere wollen abends vor allem Schweiß und Schmutz loswerden. Medizinisch zählt weniger die Uhrzeit als der Umgang mit Haut, Temperatur und Pflege. Dermatologinnen und Schlafexperten verweisen darauf, dass sich über den Tag Staub, Pollen und Allergene auf der Haut ansammeln, während nachts Schweiß und Bakterien im Bettzeug verbleiben. Wer trockene oder empfindliche Haut hat, sollte zudem die Duschhäufigkeit begrenzen und milde Produkte nutzen. Für Verbraucher stellt sich daher weniger die Frage „Morgen oder Abend?“, sondern: Welcher Rhythmus passt zu Hauttyp, Hygieneanspruch und Schlafqualität.

Dermatologin Bechstein: Abenddusche für empfindliche Haut sinnvoll

Die Hautärztin Dr. Sarah Bechstein, Mitgründerin von „Formel Skin“, betont, dass der Alltag über den idealen Zeitpunkt entscheidet. Menschen, die nachts stark schwitzen, profitieren von der Dusche am Morgen, weil Schweiß und Talg sonst die Poren verstopfen und Unreinheiten begünstigen. Aus Sicht der Dermatologin sprechen jedoch viele Argumente für die Reinigung am Abend: Über den Tag sammeln sich Staub, Schmutz und Pollen auf der Haut, die sonst mit ins Bett wandern und den Schlaf stören können. Besonders im Sommer gilt: Zweimal täglich duschen ist möglich, wenn Wasser eher kühl gewählt, die Duschdauer kurz gehalten und auf milde, seifenfreie Produkte gesetzt wird.

Mikrobiologin: Morgendliche Dusche reduziert Bakterienlast

Eine von einem spanischen Newsportal zitierte Mikrobiologin hebt die Vorteile der Dusche nach dem Aufstehen hervor: Wer am Morgen duscht, startet mit weniger Bakterien und abgestorbenen Hautzellen in den Tag, was den Körpergeruch verbessert, berichtet Focus. Auch der Dermatologe Dr. Gary Goldenberg erklärt, dass Menschen nachts zum Schwitzen neigen und sich dadurch Schweiß, Bakterien und Rückstände aus der Bettwäsche auf der Haut ansammeln. Morgendliches Duschen entfernt diese Mischung und sorgt für ein frisches Gefühl. Zusätzlich hilft warmes Wasser vor der Rasur, Barthaare weicher zu machen – ein Pluspunkt für alle, die sich täglich im Gesicht rasieren.

Schlafexperten: Abenddusche unterstützt Einschlafphase

Für den Schlaf spielt die Duschzeit ebenfalls eine Rolle. Michael Gardner, Direktor des Sleep and Health Research Program an der University of Arizona, erklärt, eine Dusche am Morgen könne Schlafträgheit vertreiben und wach machen, während der Gang unter die Brause am Abend ein entspannender Teil der Routine sein könne, so gq-magazin.de. Die US-Psychologin und Schlafexpertin Dr. Janet Kennedy weist darauf hin, dass der Körper vor der Nachtruhe natürlicherweise auskühlt. Eine warme Dusche erhöht zunächst die Temperatur, die danach rascher fällt – dieser Temperaturabfall kann das Einschlafen begünstigen und Muskelverspannungen lösen. Für Menschen mit Ein- und Durchschlafproblemen kann die Abenddusche daher ein Baustein einer stabilen Schlafroutine sein.

Häufigkeit, Wassertemperatur und Pflege als Gesundheitsfaktoren

Unabhängig von der Uhrzeit ist die Art des Duschens entscheidend für Hautgesundheit und Wohlbefinden. Nach Angaben von Expertinnen wird Wasser erst dann problematisch, wenn es sehr heiß ist, die Duschzeit lang ausfällt und aggressive Tenside verwendet werden. Im Winter belastet die Kombination aus Heizungsluft, kalten Außentemperaturen und heißem Wasser die natürliche Hautbarriere zusätzlich; dann reicht häufig ein Duschgang pro Tag oder alle zwei Tage, sofern keine starke körperliche Aktivität stattgefunden hat. Nach dem Abtrocknen empfiehlt sich eine rückfettende Pflege: Im Sommer eher leichte Lotionen, im Winter dichtere Cremes. Bei trockener oder neurodermitischer Haut sind kurze, lauwarme Duschen und rückfettende Öle sinnvoll – anschließend sollte konsequent eingecremt werden.