Was bei vielen Hollywood- und Schlager-Patchwork-Familien für Schlagzeilen, Tränen und Rosenkrieg sorgt, lebte Maria Sebaldt mit einer ungewöhnlichen Selbstverständlichkeit: Mit der ersten Ehefrau ihres Mannes Robert Freitag, der Schauspielerin Maria Becker, war sie nicht etwa zerstritten. Im Gegenteil: Die beiden „Marias" wurden enge Freundinnen.

So eng, dass sie 1997 sogar ein gemeinsames Kochbuch herausbrachten: „Essen und trinken und fröhlich sein – Lieblingsgerichte von Maria Becker & Maria Sebaldt". Ein Werk, das mehr war als eine Rezeptsammlung – nämlich gelebte Patchwork-Diplomatie, Jahrzehnte bevor das Wort überhaupt erfunden war.

Maria Sebaldt: Eine Liebe, die sie sich erkämpft hat

Robert Freitag und Maria Sebaldt lernten sich Anfang der 60er Jahre bei einem gemeinsamen Filmdreh kennen. Es funkte sofort. Doch Robert war damals noch mit Maria Becker verheiratet – einer der größten Theater-Schauspielerinnen ihrer Zeit, die ihm zwei Söhne geschenkt hatte. Eine schwierige Ausgangslage. Doch die drei fanden einen erstaunlich erwachsenen Weg miteinander. 1965 heirateten Maria Sebaldt und Robert Freitag, 1967 kam ihre gemeinsame Tochter zur Welt. Aus Robert Freitags zwei Söhnen wurden Halbgeschwister – und Maria Becker und Maria Sebaldt wurden im Laufe der Jahre zu Verbündeten.

Als Robert Freitag 2010 starb, trafen die beiden Marias dieser Verlust gemeinsam. „Ich denke täglich an ihn", sagte Maria Sebaldt 2020 der „Bild" – über zehn Jahre nach seinem Tod. Maria Becker war zu diesem Zeitpunkt selbst schon gestorben (2012). Robert Freitag liegt heute auf dem Waldfriedhof Grünwald begraben – an seiner Seite ruht seit 2023 nun auch Maria Sebaldt.

Maria Sebaldt: Hannelore Wichert und „Bille" – die Lieblingsfrauen Deutschlands

Geboren am 26. April 1930 in Berlin-Steglitz wuchs Maria Katharina Helene Sebaldt in einer Filmfamilie auf. Ihr Vater war Abteilungsleiter beim Filmverleih Paramount. Nach dem Abitur nahm sie privaten Schauspielunterricht, 1947 stand sie zum ersten Mal auf der Bühne. 1953 folgte das Filmdebüt im Heimatfilm „Wenn am Sonntagabend die Dorfmusik spielt" an der Seite von Rudolf Prack. Maria war ein Star der 50er-Jahre.

Den ganz großen Ruhm aber brachten ihr die TV-Serien der 80er. Von 1983 bis 1986 spielte sie an der Seite von Peter Weck und Thekla Carola Wied die schlagfertige Sybille „Bille" Vonhoff in „Ich heirate eine Familie" – beste Freundin von Angi, Ehefrau von Alfons und mit Kult-Outfits ausgestattet, die bis heute unvergessen sind. Direkt im Anschluss übernahm sie von 1986 bis 1991 die Rolle der fürsorglichen Hannelore Wichert in „Die Wicherts von nebenan". Über fünf Staffeln hinweg wurde sie zur deutschen Mama der Nation – warmherzig, geerdet, mit einem Humor, der nie weh tat. Generationen von Zuschauern fühlten sich bei den Wicherts wie zu Hause.

Maria Sebaldt: Eine stille letzte Reise

Bis ins hohe Alter blieb Maria Sebaldt aktiv. 2014, mit 84 Jahren, war sie noch einmal im „Traumschiff" zu sehen. Auch als Synchronsprecherin hatte sie sich einen Namen gemacht – sie lieh ihre Stimme internationalen Größen wie Eva Marie Saint und Antonella Lualdi. Dann zog sie sich endgültig aus dem Showgeschäft zurück. Ihre letzten zwei Lebensjahre verbrachte sie in einer Seniorenresidenz im Landkreis München.

Drei Jahre nach ihrem Tod sind ihre Filme und Serien noch immer in den Mediatheken lebendig. „Bille" mit ihrem trockenen Humor und ihren bunten 80er-Looks. Hannelore Wichert, die sich um alle und jeden kümmerte. Und das Vermächtnis einer Frau, die zeigte, dass man auch im Patchwork glücklich sein kann – wenn man Größe besitzt. Eine Größe, die Maria Sebaldt zeitlebens auszeichnete.