Skirennläuferin Lindsey Vonn erlebt bei den Olympischen Winterspielen in Cortina ein Drama, das den Hang und die TV-Zuschauer gleichermaßen erstarren lässt. Die 41-Jährige startet trotz eines frischen Kreuzbandrisses in der Abfahrt, jagt mit hohem Tempo in den Hang – und verliert nur Sekunden nach dem Start die Kontrolle. Sie bleibt im oberen Streckenteil schwer gestürzt liegen, schreit vor Schmerzen, Helfer eilen herbei. Im Zielraum herrscht Totenstille, auch Vater Alan Kildow und Vonns Schwester stehen fassungslos da. Während die Kameras jede Bewegung einfangen, ringt das TV-Studio um Fassung.

Felix Neureuther warnt – und Sekunden später passiert es

Besonders unter die Haut geht dieser Moment: ARD-Experte und Ex-Skirennläufer Felix Neureuther kommentiert Vonns riskanten Lauf und sagt: „Ich will ihr fast zurufen, dass sie es nicht übertreibt". Noch während seine Worte im Off zu hören sind, hakt Vonn mit dem Arm an einem Tor ein, gerät in der Luft aus dem Gleichgewicht und schlägt brutal auf der Piste auf. Ihre Knie scheinen sich zu verdrehen, die Bindungen lösen sich nicht. Neureuther reagiert sofort emotional, bittet die Regie, die Bilder nicht weiter zu zeigen und den Ton herunterzufahren – er wolle die Schmerzensschreie nicht mehr hören.

Pinterest
Lindsey Vonn stürzt bei der Olympia-Abfahrt schwer.

ARD-Experten kritisieren Wiederholungen des Sturzes

Die Regie blendet den Sturz dennoch mehrfach in Zeitlupe ein, was im Studio für deutliche Kritik sorgt. Moderator Bernd Schmelzer spricht von einem Sturz, wie er ihn in fast vier Jahrzehnten in dieser Brutalität noch nicht gesehen habe. Als die Szene erneut gezeigt wird, sagt er genervt, er hätte diese Zeitlupe nicht gebraucht, und betont, er habe eine andere Vorstellung von Empathie. Neureuther schließt sich an und appelliert, die Sequenz nicht mehrfach zu wiederholen – auch mit Blick auf Vonns Teamkolleginnen und die weiteren Athletinnen am Start, die die Bilder ebenfalls sehen müssen.

Erste Diagnose: Bruch am linken Bein, Operation in Treviso

Während das Rennen nach einer Unterbrechung fortgesetzt wird, wird Vonn zunächst per Helikopter ins Olympiakrankenhaus nach Cortina gebracht und später nach Treviso verlegt. Dort wird sie am linken Bein operiert, um einen Bruch zu stabilisieren. Das Gesundheitsamt in Treviso bestätigt den Eingriff im Krankenhaus Ca’ Foncello. Laut US-Skiteam ist Vonn verletzt, aber stabil und wird von amerikanischen und italienischen Ärzten betreut. Sie liegt auf der Intensivstation, nicht wegen eines lebensbedrohlichen Zustands, sondern zum Schutz ihrer Privatsphäre – ein Vorgehen, das bei Sportgrößen ihres Formats üblich ist.

Familie und Trainer reagieren mit großer Sorge

Die Familie reagiert tief getroffen auf das Geschehen. „Es bricht mir das Herz“, sagt Vater Alan Kildow in der Sportschau. Seine Tochter sei „so eine Kriegerin, so eine starke Kämpferin“, sie habe alles gegeben, was sie hatte, doch es sei nicht ihr Tag gewesen. Er könne nicht stolzer auf sie sein. Auch Schwester Karin beschreibt den Moment des Sturzes als das Letzte, was die Familie habe sehen wollen, und spricht von Angst und der Hoffnung, dass Lindsey okay sei. US-Speed-Trainer Alexander Hödlmoser berichtet zunächst von einem Verdacht auf Unterschenkelbruch und nennt die Situation „ganz, ganz schwierig“. Trotz aller Tragik bleibt der Respekt für Vonns Mut und ihr spätes Olympia-Comeback nach jahrelanger Pause.