Geboren am selben Tag, mit zwölf Minuten Unterschied im April 1989 in Rosenheim. 19 Länderspiele jeder. Bayer 04 Leverkusen, Borussia Dortmund, TSV 1860 München, deutsche Nationalmannschaft – alles haben sie miterlebt. 

Was viele nicht wissen: Selbst als Bundesliga-Profis bei den Sechzgern teilten sich die beiden Brüder eine gemeinsame Wohnung in München. Erst als 2009 ihre Wege sich trennten – Lars wechselte zu Bayer 04 Leverkusen, Sven zu Borussia Dortmund – wohnten sie das erste Mal in ihrem Leben getrennt.

„Natürlich kam oft die Frage auf, ob wir irgendwo in der Mitte wieder zusammenziehen würden, da zwischen den beiden Städten ja nur 100 Kilometer liegen", erzählte Sven Bender einmal augenzwinkernd. „Diese Frage stellte sich für uns aber nicht. Allein zu wohnen stärkt auch die Selbstständigkeit." Lars ergänzte mit dem typischen Bender-Humor: „Da verlässt man sich mit dem Abspülen nicht auf den Anderen."

Lars und Sven Bender: Heimkehrer mit Sack und Pack

Acht Jahre lang trennten 100 Kilometer Autobahn die Zwillinge. Erst als Sven 2017 ebenfalls zu Bayer Leverkusen wechselte, spielten die beiden wieder gemeinsam – und wurden zum Herzstück der Werkself. Nach ihrem Karriereende 2021 dann der Schritt, der die Brannenburger noch heute zum Strahlen bringt: Lars und Sven zogen mit ihren Familien „mit Sack und Pack" zurück nach Brannenburg, das oberbayerische 5.000-Seelen-Dorf, in dem sie aufgewachsen sind. Der Plan: dort enden, wo alles begonnen hat.

Heute leben die beiden Brüder also wieder im Dorf ihrer Kindheit. Eine ungewöhnliche Geschichte für zwei Männer, die mit der DFB-Auswahl bei der EM 2012 das Halbfinale erreichten und mit der Olympia-Mannschaft 2016 in Rio Silbermedaillen holten. Aber typisch Bender: Die berühmtesten Söhne Brannenburgs sind seither am heimischen Sportplatz auch beim Rasenmähen, Unkrautrupfen und Bierkistentragen anzutreffen. „Du kannst einen Profi nicht davon überzeugen, in der Kreisklasse zu spielen", staunte TSV-Spielleiter Marc Wolf damals. „Das sind eben Lars und Sven."

Lars und Sven Bender: Karriereende mit 32 – „Familie statt Ruhm"

Den meisten Fans wird ihre außergewöhnlichste Entscheidung in Erinnerung bleiben: Im Dezember 2020, mit gerade 31 Jahren, verkündeten Lars und Sven gemeinsam, dass sie ihre Profi-Karriere beenden würden. Nicht etwa, weil sie nicht mehr gefragt waren. Im Gegenteil. Aber ihre Knie hatten Tribut gefordert. Lars allein hatte über 100 Bundesliga-Spiele wegen Verletzungen verpasst.

„Es ist keine Entscheidung gegen den Verein, sondern für die Gesundheit und die Familie", erklärten die Brüder damals in einer gemeinsamen Stellungnahme. Lars, der von 2015 bis 2020 Kapitän bei Bayer Leverkusen war, wurde noch zum Ehrenspielführer ernannt. Eine Auszeichnung, die nur drei Spielern in der Geschichte des Vereins zuteil wurde. Sven kam in 265 Bundesliga-Spielen für Dortmund und Leverkusen zum Einsatz und galt jahrelang als einer der zuverlässigsten defensiven Mittelfeldspieler des Landes.

Lars und Sven Bender 2026: Erstmals getrennte Trainerwege

Was kommt nach der Karriere? Auch hier blieben die Bender-Brüder ihrem Stil treu: Beide wurden Trainer. Im Januar 2025 unterschrieb Lars als Cheftrainer beim Regionalligisten Wacker Burghausen. Zwei Monate später ging Sven zur SpVgg Unterhaching – ausgerechnet dem Verein, bei dem die beiden als Zehnjährige Bundesliga-Profis ihre große Reise begannen. Seitdem stehen sie erstmals seit vielen Jahren beruflich auf eigenen Beinen.

Doch bei Lars zeichnete sich im März 2026 schon wieder eine Wende ab: Er wird seinen Vertrag in Burghausen nicht verlängern. „Ich habe mich bewusst gegen die Sicherheit entschieden", sagte er bei „Blickpunkt Sport". „Ich würde gerne weiter als Trainer arbeiten, klar. Aber nicht um jeden Preis." Eine Haltung, die typisch ist für die Bender-Brüder: Lieber Klarheit als Komfort.

Wie es für Lars weitergeht? Offen. Aber eines steht fest: Die Bender-Zwillinge werden den nächsten Lebensabschnitt zusammen meistern. Wie schon vor 37 Jahren, als Lars zwölf Minuten vor Sven das Licht der Welt erblickte. Brüder. Nachbarn. Brannenburger.