Die Jazzwelt trauert um Abdullah Ibrahim. Der südafrikanische Pianist, Komponist und Multiinstrumentalist starb im Alter von 91 Jahren nach kurzer Krankheit im Kreis seiner Familie. Zuletzt lebte er in Oberbayern, fern des großen Rampenlichts und doch eng verbunden mit einem Werk, das weit über den Jazz hinausreichte. Ibrahim galt als Künstler mit klarer politischer Haltung, dessen Musik für viele Menschen in Südafrika Hoffnung und Würde ausdrückte. Sein Tod beendet ein langes Leben zwischen Kapstadt, New York und dem Chiemgau.

Abdullah Ibrahim starb mit 91 Jahren in Bayern

Wie Welt berichtet, berief sich Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa auf die Familie des Musikers. Demnach sei Ibrahim am 15. Juni friedlich im Kreis seiner Liebsten eingeschlafen. Ramaphosa würdigte ihn als Jazzikone, Kultur-Aktivisten und Weltbürger. „Er hat unser Leben mit seiner musikalischen Begabung und seinem Einsatz für eine bessere Welt bereichert. Möge seine Seele in Frieden ruhen“, so Cyril Ramaphosa laut Welt.

2009 war der Künstler mit dem südafrikanischen Ikhamanga-Orden in Silber ausgezeichnet worden. Seine Lebensgefährtin Marina Umari erklärte zudem, Südafrika und seine Menschen habe er immer im Herzen getragen.

Mannenberg machte Abdullah Ibrahim zur Stimme des Widerstands

Besonders eng ist sein Name mit dem Stück „Mannenberg“ verbunden, das in den Siebzigerjahren entstand. Die Komposition wurde zu einer inoffiziellen Hymne gegen die Apartheid und stand sinnbildlich für den Widerstand gegen das rassistische System in Südafrika.

Einer bekannten Erzählung nach gelangte eine Aufnahme sogar zu Nelson Mandela ins Gefängnis. Später spielte Ibrahim das Stück auch bei Mandelas Amtseinführung als erster Schwarzer Präsident des Landes. Viele seiner Werke trugen Titel wie „Soweto“ oder „Cape Town Flower“ und griffen damit die politische Realität seiner Heimat auf.

Vom jungen Dollar Brand zur internationalen Jazzgröße

Geboren wurde Abdullah Ibrahim 1934 in Kapstadt als Adolph Johannes Brand. Lange trat er unter dem Namen Dollar Brand auf, bevor er nach seiner Konversion zum Islam seinen späteren Namen annahm.

Schon in jungen Jahren machte er sich einen Namen, unter anderem mit den Jazz Epistles und gemeinsam mit Trompeter Hugh Masekela. Später zog er zunächst nach Zürich und dann nach New York. Dort arbeitete er mit Größen wie John Coltrane, Ornette Coleman und Elvin Jones. Seine Musik verband modernen Jazz mit südafrikanischen Traditionen auf unverwechselbare Weise.

Letzte Konzerte in München und Söllhuben waren geplant

Bis zuletzt hatte Ibrahim offenbar noch musikalische Pläne. Laut t-online war für Ende Juli ein Auftritt im Münchner Hotel Bayerischer Hof vorgesehen. Auch zwei kleinere Konzerte im oberbayerischen Söllhuben standen für den Herbst im Kalender. Damit blieb er seiner Kunst bis ins hohe Alter treu.

Neben dem Klavier spielte er auch Flöte, Saxofon und Cello. Ein Satz von ihm fasst sein Verständnis von Musik besonders klar zusammen: „Die Schönheit der Musik liegt darin, dass sie alle Kulturen überschreitet“, so Abdullah Ibrahim laut Welt